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Das nackte Wien: Naturistenpark Lobau

„Unbekleidet den Tag erleben“ - Das ist das Motto des Naturistenparks Lobau und das Motto ist auch Programm. „Es ist einfach ein anderes Lebensgefühl. Wenn du einmal mit dem ,Naturisten-Virus‘ infiziert bist, dann bist du infiziert“, erklärt Obmann Karl Nowotny beim City4U-Besuch. Am Rande von Wien bietet der Naturistenpark alles, was man braucht: Eine wunderschöne Badebucht am Mühlwasser, Sauna, Dauer-Campingplätze, Sport- und Spielplätze, eine Vereinskantine und viel Platz um die Natur nackt zu genießen.

In der Lobau befindet sich Österreichs größter gemeinnütziger Naturistenverein. 650 Mitglieder sind es derzeit. Auf dem sechs Hektar großen Gelände, auf dem man den Tag nackt verbringt, gibt es neben Plätzen für Feriengäste auch 160 Dauerstellplätze für Campingwägen. Zur Zeit sind alle besetzt, es gibt eine Warteliste. „Die Leute lieben das Ambiente, die Ruhe und Ordnung. Wir haben Feriengäste aus fast ganz Europa, die die Nähe zur City schätzen. In 35 Minuten ist man mit den Öffis am Stephansplatz“, erklärt Karl Nowotny. Da es an diesem Tag etwas kühler ist, sind auch hier fast alle bekleidet. „Nur weil ich Naturist bin, heißt das ja nicht, dass sich das ganze Leben nackt abspielt. Ich schmunzle ja zum Bespiel auch über Aktionen wie Nackt-Radfahren“, betont der Wiener.

#Ohne Hintergedanken

Der Obmann hat den Platz mitaufgebaut, ist mit ihm gewachsen und alt geworden. „Es ist ein Stück meines Lebens“, sagt der 80-Jährige, den man sein Alter überhaupt nicht ansieht oder anmerkt. „Es ist ein sicheres Areal mit Naturisten, die eine gesunde Weltanschauung haben und keine fiesen Hintergedanken.“ Jedes Jahr kommen zwar ein bis zwei Personen schnuppern, die andere Vorstellungen haben und überrascht sind, dass man auch ohne erotische Gefühle oder Gedanken nackt sein kann. Doch die würden laut Nowotny schnell bemerken, dass sie hier an der falschen Adresse sind. Trotz all der Textillosigkeit ist der Platz aber auch keine Nackt-Diktatur, sagt Nowotny. „Mitglieder bis zum 18. Geburtstag können entscheiden, ob sie Badekleidung anhaben möchten oder nicht. In der Pubertät ist es vielen unangenehm. Danach sollte man sich aber schon entscheiden.“

#Ganzjährig geöffnet

Das Areal ist riesig und sehr gepflegt. Viele Aufgaben wie Rasenpflege, kleine Reperaturen und die Vereinskantine werden von Mitgliedern freiwillig übernommen. „Es machen nicht alle mit, aber ich finde, dass sich das gehört“, sagt eine deutsche Urlauberin, die jedes Jahr mit ihrem Mann für ein paar Wochen mit dem Wohnwagen in die Lobau kommt. Der Naturistenpark ist ganzjährig geöffnet. Jedes Mitglied bekommt einen eigenen Schlüssel und kann kommen und gehen, wann es ihm gefällt. Auch im Winter ist hier was los, schließlich gibt es eine Sauna. Eine eigene Sportbeauftragte lädt zu freiwilligen Radausflügen und Ballsportarten. „Auch da muss man nicht nackt sein. Man kann nackt oder mit Bekleidung am Sportplatz spielen. Bei den Radausflügen sind wir aber natürlich angezogen“, lacht Nowotny.

#Nicht FKK

An einem der schönsten Plätze des Areals herrscht aber wieder Textillosigkeit vor: Beim Zugang zum Mühlwasser, einem Altarm der Donau. Wie gemalt sind die Treppen ins und der Anblick des Wassers, das sich zum Teil bereits im Nationalpak Donauauen befindet. „Wenn sich wer für Naturismus interessiert, muss er kommen, weil wir bieten es“, stellt der Obmann klar. Nachteile hätte das Naturisten-Dasein aber auch, meint Nowotny augenzwinkernd: „Wenn man dann wieder an einem bekleideten Strand ist, zwickt einen alles.“ Doch nicht jeder der sich gerne nackt präsentiert, ist ein Naturist: „Wenn wer nackt in der U-Bahn fährt oder über den Sportplatz rennt, dann sind das keine Naturisten, sondern Selbstdarsteller.“ Auch auf die Unterscheidung zwischen FKK und Naturismus legt Nowotny wert. Ersterer Begriff wäre zu sehr vom Rotlicht-Milieu in Beschlag genommen worden.

#Unbekleidet den Tag erleben

Wer nun Interesse hat, den Naturistenpark kennenzulernen, ist herzlich willkommen. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied, vor allem auch über Familien mit vielen Kindern, damit die Nachfolge gesichert ist.“ Nach telefonischer Vereinbarung kann man drei Tage schnuppern kommen, bevor man sich für eine Mitgliedschaft entscheidet. „Man kann seine Zeit hier alleine genießen oder in Gesellschaft. Es wird jedoch nie jemand aufdringlich sein. Auch alleinstehende Frauen mit Kindern fühlen sich und sind hier sicher. Wir sind ein Mitgliederverein und nehmen keine Tagesgäste, die vielleicht meinen: ,Hurra, heute gehen wir zu den Nackerten‘“, betont Obmann Karl Nowotny.

Juni 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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