Mi, 18. Juli 2018

Steirische Bergbäuerin

15.06.2018 06:00

Trotz Unwetterkatastrophe: „Ich geh‘ niemals weg!“

Christa Z. aus Piberegg ist eine starke Frau. Von Kindheit an kennt sie das Gefühl, durch Geröll, Schlamm oder Schnee von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Am Berg hat sie jedem Wetter, jedem Schicksalsschlag getrotzt. Und sie wird sich nie beugen: „Da bin ich aufgewachsen, da bleibe ich!“

Als das Unwetter Dienstagabend den Ortsteil Piberegg der Stadt Bärnbach in ein Katastrophengebiet verwandelte, befand sich die 59-Jährige gerade bei Freunden in Maria Lankowitz. „Die Tochter und der sechsjährige Enkel waren bei Bekannten, der Schwiegersohn hat gearbeitet“, erzählt die Steirerin, „wir alle sind erst am Mittwoch über einen Notweg nach Hause zurück“.

Der alte, am Steilhang gebaute Bauernhof stand noch, die drei Ziegen waren wohlauf, der Stall hat nichts abgekommen. „Doch sonst war nichts in Ordnung“, sagt Christa Z., „der Hang ist abgerutscht, alle meine Obstbäume hat’s entwurzelt, die Schotterstraße zum Hof war voller Schlamm“. Mutter, Tochter, Schwiegersohn und Enkel blieb nur ein schmaler, einen Kilometer langer Fußweg zur Außenwelt.

Doch die 59-Jährige hat rund um ihren Hof, der den Vulgonamen „Kleinweber Hiasl“ trägt, schon viel Ärgeres erlebt. Denn hier lebt sie, seit sie ein Baby war.

Im Winter 14 Tage im Haus eingeschlossen
„Vorräte waren und sind bei uns das Wichtigste“, erklärt Christa Z. und erinnert sich an ihre Kindheit: „ich glaube, ich war sechs Jahre alt, da haben wir im Winter 14 Tage lang das Haus nicht verlassen können. Wir Kinder haben täglich das Dach freischaufeln müssen. Aber verhungert ist niemand.“

Vor einigen Jahren wütete das Unwetter derart arg, dass Muren den Bauernhof eine Woche lang von der Umwelt abschnitten: „Da hat’s die Straße weggerissen, aber wir haben die schlimme Zeit gut überstanden. Wichtig war und wichtig ist das auch jetzt: Das Haus steht noch.“ Der Freisingbach ist zwar noch verklaust, „aber unsere tüchtige Feuerwehr hat die Lage mit Sicherheit rasch im Griff“.

Neben Unwettern gab es auch Schicksalsschläge
Christa Z. lebt nicht nur mit schweren Unwettern, sie musste auch Schicksalsschläge verkraften, Vor 15 Jahren starb der Ehemann, 2003 kam der Sohn 24-jährig bei einem Unfall ums Leben. „Ich hab’ gelernt, positiv zu denken“, sagt sie, „und deshalb mag kommen, was will, aber ich geh’ von daheim sicher niemals weg“.

Manfred Niederl
Manfred Niederl

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