Fr, 17. August 2018

Familien atmen auf

15.06.2018 08:46

Benko kauft Kika/Leiner - 5000 Jobs gesichert

Die Signa-Gruppe des Tiroler Immobilieninvestors Rene Benko kauft die angeschlagene Möbelkette Kika/Leiner. „Der Deal ist durch“, hieß es aus Verhandlerkreisen. Nachdem der Kreditversicherer Euler Hermes Warenlieferungen nicht mehr abzusichern bereit war und die Urlaubsgelder Ende Juni fällig werden, war Kika/Leiner seit zehn Tagen auf der Suche nach einem finanziellen Ausweg. 500 Millionen Euro sollen für Kika/Leiner geflossen sein - ein Betrag, der fast 5000 Familien wieder Zuversicht gibt, denn die Jobs der Mitarbeiter sollen gesichert sein.

Die rund 5000 Mitarbeiter der 46 Kika/Leiner-Filialen in Österreich können aufatmen, niemand soll seinen Job verlieren. „Die kapitalstarke Signa hat mit der erfolgreichen Sanierung von Karstadt die langfristige Sicherung von Arbeitsplätze bewiesen und wird den Restrukturierungsprozess, den wir Anfang des Jahres begonnen haben, als Garant weiter unterstützen“, so Kika/Leiner-Geschäftsführer Gunnar George.

Die Möbelhäuser sind durch den Bilanzskandal der deutsch-südafrikanischen Konzernmutter Steinhoff in den letzten Monaten immer tiefer in die Krise gerissen worden. Vergangenen Dezember hatte die Nummer zwei im weltweiten Möbelhandel hinter IKEA Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen eingeräumt, die Aktien des Unternehmens gingen auf Talfahrt und stürzten zeitweise um mehr als 90 Prozent in die Tiefe. Steinhoff saß zu diesem Zeitpunkt auf einem Schuldenberg von 10,7 Milliarden Euro und ringt seither ums finanzielle Überleben.

Flagshipstore verkauft, um Löhne zu bezahlen
Kurz vor Jahresende geriet dann auch die Österreich-Tochter Kika/Leiner in die Bredouille: Steinhoff drehte den Geldhahn zu. Um die Löhne zu zahlen, wurde der Leiner-Flagshipstore auf der Wiener Mariahilferstraße in einer Notaktion um kolportierte 50 bis 70 Millionen Euro an den Immobilienmilliardär Benko verkauft.

Anfang 2018 attestierte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) Kika/Leiner ein „leicht erhöhtes Risiko“ und empfahl den Lieferanten der heimischen Möbelkette, vorübergehend nicht unbesichert auf offene Rechnung zu liefern.

Geldspritze schien Fortkommen zu ermöglichen
Ende Jänner einigte sich Kika/Leiner dann mit dem angeschlagenen Eigentümer auf eine millionenschwere Geldspritze und sah sich auf Kurs. Für „bis zu 24 Monate“ soll die Finanzierung reichen, sagte Gunnar George, Geschäftsführer von Kika/Leiner Österreich, damals und bemühte sich um Schadensbegrenzung: „Kunden werden ihre Möbel bekommen“, versicherte er. Anzahlungen würden weiter auf einem Treuhandkonto liegen, Steinhoff habe keine Zugriffsmöglichkeit auf Gelder von Kika/Leiner.

Schließungen waren unumgänglich
Um einen Sparkurs kam der heimische Möbelhändler trotzdem nicht herum, alle Filialen kamen auf den Prüfstand. Für zwei Lipo-Märkte, ein Kika- und ein Leiner-Möbelhaus bedeutete die Restrukturierung das Aus, 150 Jobs wackeln, hieß es im März. Insgesamt sollten 46 der 50 Standorte bestehen bleiben.

Notbremse gezogen
Anfang Juni zog der Kreditversicherer Euler Hermes aufgrund der Schieflage bei Steinhoff International die Notbremse und weigerte sich, Lieferungen an Kika/Leiner weiterhin abzusichern. Kika/Leiner einigte sich in ersten Gesprächen mit Lieferanten auf eine Schonfrist von einer Woche, musste aber dann die Präsentation einer Lösung auf diese Woche verschieben.

Die Kika/Leiner-Eigentümerfamilie Koch hatte im Jahr 2013 die Möbelkette laut damaligen Medienberichten um mehr als 500 Millionen Euro an Steinhoff verkauft. Der Konzern hat rund 130.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Kika/Leiner nach eigenen Angaben eine schwarze Null, der Umsatz in Österreich lag bei etwa 800 Millionen Euro. Im osteuropäischen Raum wurden Erlöse in Höhe von 200 Millionen Euro verbucht.

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