Mi, 20. Juni 2018

Nicht schuldfähig

12.06.2018 16:55

Eigenes Baby getötet: Keine Mordanklage für Mutter

Jene 37-jährige Frau, die am 3. Jänner 2018 im Wiener Donauspital ihr acht Monate altes Baby erstickt hat, ist nicht schuldfähig. Einem psychiatrischen Gutachten zufolge hat die Mutter in einem die Zurechnungsfähigkeit ausschließenden Zustand gehandelt, der auf einer höhergradigen geistigen oder seelischen Abartigkeit beruht. Sie kann daher nicht wegen Mordes belangt werden.

Stattdessen hat die Staatsanwaltschaft beim Landesgericht einen Unterbringungsantrag eingebracht, gab Behördensprecherin Nina Bussek am Dienstagnachmittag bekannt. Nach Ansicht der Anklagebehörde ist nämlich zu befürchten, dass die Mutter aufgrund ihrer psychischen Disposition weitere Straftaten mit schweren Folgen setzen könnte, weshalb sie in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden sollte. Entscheiden muss darüber ein Schwurgericht. Verhandlungstermin gibt es noch keinen.

Baby ermordet, Selbstmord scheiterte
Der Fall hatte österreichweit für Schlagzeilen gesorgt: Die 37-Jährige war mit ihrem Baby auf der Kinderstation des Wiener Donauspitals aufgenommen worden, wo sie dann das Kind erstickte. Anschließend verübte die zweifache Mutter - sie hat auch eine vierjährige Tochter - einen Selbstmordversuch, indem sie sich mit einer Glasscherbe die Pulsadern aufschnitt.

Die Frau wurde vom Pflegepersonal rechtzeitig entdeckt und konnte gerettet werden. Sie befindet sich seither in der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses.

Mutter war selbst Missbrauchsopfer
Wie sich im Zuge der Ermittlungen herausstellte, ging die Mutter davon aus, dass ihre Tochter bei einem Familientreffen an den vorangegangenen Weihnachtsfeiertagen vom Großvater - dem Schwiegervater der 37-Jährigen - missbraucht worden war. Das löste bei der Frau, die ihren Angaben zufolge selbst als Kind sexuellen Missbrauch erfahren hatte, eine akute Belastungsreaktion aus. Dies dürfte sie zur Tat bewogen haben, wobei sie aufgrund ihres Zustands nicht mehr in der Lage war, das Unrecht ihrer Handlung einzusehen.

Großvater enthaftet, Verfahren läuft aber
Der unter Missbrauchsverdacht geratene Schwiegervater der Frau - ein Ex-Diplomat im Ruhestand - wurde wenige Tage nach dem Tod seines Enkelsohns in U-Haft genommen. Die Enkelin, die als vermeintlich von den Übergriffen Betroffene zu den Vorwürfen vernommen wurde, dürfte den Mann entlastet haben. Er wurde Anfang Februar auf Antrag der Staatsanwaltschaft mangels dringenden Tatverdachts enthaftet. Das gegen ihn gerichtete Verfahren ist aber noch im Gange, die Ermittlungen sind nicht abgeschlossen, teilte Behördensprecherin Bussek in diesem Zusammenhang mit.

 krone.at
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