Do, 16. August 2018

Residenzgalerie:

08.06.2018 06:32

Blick über die Schulter

„Ultramarin & Muschelgold-Wie die Bilder gemacht wurden“: Auf den Spuren Alter Meister

Dass sich auf Aelbert Cuyp „Weide mit Kühen und Hirten“ ursprünglich auch ein Pferd befand oder Cornelis de Heems Stillleben eigentlich fünf statt drei Kirschen zierten, würde man auf den ersten Blick wohl kaum vermuten. Die Ausstellung „Ultramarin&Muschelgold-Wie die Bilder gemacht wurden“, die bis November in der Residenzgalerie zu sehen ist, lüftet allerdings diese Geheimnisse und macht solche Korrekturen nun sichtbar.

„Wir laden das Publikum ein, sich aktiv und ganz ohne jegliches Vorwissen auf eine spannende künstlerische Spurensuche zu begeben, um die wichtigsten Arbeitsweisen der Künstler des 16. bis 19. Jahrhunderts zu ergründen“, betonen Elisabeth Resmann und Erika Oehring.

Beim Blick über die Schulter der Alten Meister entdeckt man aber nicht nur die eingangs erwähnten Änderungen und Korrekturen, sogenannte Pentimenti/Reuzüge, die noch während des Schaffensprozesses vom Künstler selbst, oder in de Heems Fall vermutlich von seinem Vater Jan de Heem durchgeführt wurden. Die Schau gibt auch über den Umgang mit Bildträgern, Grundierungen, Pigmenten, Malwerkzeug oder optische Hilfsmittel Auskunft.

Zu den bis zum 16. Jhdt. gängigen Bildträgern aus Holz und Gewebe aus Leinen reihen sich auch welche aus Kupfer, wie sie z.B. Rembrandt oder Jan Brueghel der Ältere verwendeten. „Rembrandt ging sogar noch einen Schritt weiter und experimentierte mit Goldauflagen, die als Reflektor zur Erhöhung der Leuchtkraft dienten“, verrät Oehring.

Apropos Leuchtkraft: Dass der Mantel der Gottesmutter auf dem Gemälde „Flucht nach Ägypten“ von Louis Licherie de Beuron in einem kräftigen Blau erstrahlt, ist Ultramarin zu verdanken. „Es wurde aus geriebenen Lapislazuli in Afghanistan, und wie u.a. auch aus Marco Polos Aufzeichnungen hervorgeht, in 49 Arbeitsschritten gewonnen“, so Resmann. Die Gewinnung des Pigmentes verlangte aber nicht nur einen enormen Arbeitsaufwand, es galt aufgrund der Seltenheit des Steines auch als der „Diamant der Farben“, den sich nur reiche Auftraggeber leisten konnten (ein Kilo kostet heute 15.000 €), und der im Werk der Künstler nur ganz besonderen Figuren vorbehalten war. Auch das bereits aus der Antike bekannte Mineral Zinnober und Muschelgold - Goldstaub wurde mit Bindemittel in Miesmuscheln angerührt und aufbewahrt - galten als absolut kostbar. Giftig sind hingegen Grünspann und Bleiweiß, die u.a. für die Gewinnung eines kräftigen Grüns verwendet wurden.

Das Mischen der Farbpasten, sowie auch das Binden von Pinseln war Aufgabe der Malerlehrlinge. Die Pinsel waren aus Dachs- oder kostbarem Rotmarderhaar und variierten natürlich in den Formen vom Fächer bis zur Borste. Hans Makart verwendete für das Gemälde seiner geliebten Frau Amalie, die er im Übrigen in München bei seinem Zimmerherrn, dem Metzger Rothmayr kennenlernte, u.a. einen flachen Borstenpinsel. In der Schau ist auch seine Farbpalette, eine Leihgabe des Salzburg Museum, zu sehen.

Tina Laske
Tina Laske

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