So, 23. September 2018

Kritik von Anrainern

04.06.2018 12:18

Online-System für Reisebusse soll Chaos vermeiden

Seit 1. Juni gilt in Salzburg das Online-Buchungsystem für Reisebusse. Dadurch sollen die Touristen-Busse besser koordiniert und auf die beiden Terminals Im Nonntal und im Andräviertel aufgeteilt werden. Kritik kommt von den Anrainern: „Opfert Salzburg nicht den qualmenden Touristen-Bussen! Stoppt sie vor der Stadt, statt sie ungehindert bis in die Innenstadt zu lassen“, fordern sie auch Schadstoff-Messungen vor Ort, um Klarheit über die Umweltbelastung zu bekommen. 

Wenn es darum geht, ein paar Mikrogramm Dieselruß auf der Stadtautobahn einzusparen, verhängen die Landespolitiker rasch eine Tempobeschränkung. Da heißt es dann: Tempo 80! Wer schneller unterwegs ist, wird zur Kasse gebeten, das gilt kurioserweise auch für Elektro-Autos. Man sieht: Auch hier steht die Abzocke im Vordergrund, nicht der Umweltschutz-Gedanke.

Was aber geschieht in der Stadt, um die Luft zu verbessern? Da lädt man mehr als 50.000 Reisebusse pro Jahr ein, bis ins Stadtzentrum zu fahren. Parkgebühr: Mit vier Euro pro Stunde kaum höher als bei einem Pkw. Die Schadstoffe: Ein Vielfaches.  Die Reisebusse lassen häufig im Stand die Motoren laufen, um die Klimaanlagen weiter zu betrieben: „Vor allem die Hitze, die im Sommer von den Bussen ausgeht, ist in dieser engen Gasse einfach unerträglich“, klagen Anrainer.

Dagegen soll das neue Online-Buchungssystem der Stadt helfen. Bürgermeister Harald Preuner: „Die Stadt Salzburg verfügt nun über eine gute organisatorische Basis, mit der der Ansturm Zehntausender Reisebusse pro Jahr ab sofort in klare Bahnen gelenkt wird.“  Ab sofort können sich Busunternehmen registrieren und ein Kundenkonto inklusive Bezahlfunktion einrichten. Zu- und Abfahrten können online bis unmittelbar vor der Anreise gebucht werden. Das System blockt dafür einen Slot von 20 Minuten an den Terminals. Nach erfolgreicher Buchung erhalten Busunternehmen automatisierte Bestätigungs-Mails mit mehrsprachigen Vouchers bzw. einem QR-Code, der ausgedruckt oder auf dem Smartphone des Chauffeurs abgespeichert werden kann.

An zwei Terminals können so pro Stunde 39 Busse problemlos abgefertigt werden.  „Die Entwicklung des Online-Buchungssystems für Reisebusse war für uns komplettes Neuland. Die Firma ‘elements‘ hat sich einmal mehr als kompetenter und zuverlässiger Partner von der Konzeption bis zur technischen Umsetzung erwiesen“, ergänzt Bert Brugger, Geschäftsführer der Tourismus Salzburg GmbH.

Für die Anrainer ist das seit 1. Juni geltende online-Buchungssystem für Reisebusse dagegen entlarvend: Auf der Buchungsseite präsentiert sich ein bunter Reisebus vor dem Festspielhaus, hinter allen Pollern, welche die Autos der Salzburger aussperren.

Sperrzonen für Busse? Am Papier vielleicht, die Realität sieht ganz anders aus: 450 ausländische Busse hat die Polizei im Jahr 2016 bestraft, weil sie Sperrzonen missachtet haben oder irgendwo im Stadtgebiet stehen geblieben sind, um ihre Fahrgäste los zu werden.  „Das Problem “, so Fremdenführer Hannes Kittl, „ist, dass für eine 150 Euro teure Anzeige der bürokratische Aufwand enorm und für jeden Beamten mit bis zu 45 Minuten Arbeitszeit verbunden ist. Polizisten sagen uns: Das Land soll hier Organmandate bis 150 Euro erlauben, das würde uns helfen, illegale Busse schneller und effektiver zu bestrafen.“

„Wir verstehen den Ärger der Salzburger über die Reisebus-Lawine“, so Fremdenführerin Bärbel Schalber: „Aber es sind meist Busse aus den Ostblock-Ländern, oft auch mit chinesischen Touristen und illegalen Fremdenführern, die überall woanders stehen bleiben als dort, wo es erlaubt ist.“ 

Den Wunsch der Anrainer nach wenigstens einem Baum in der Paris-Lodron-Straße findet der grüne Stadtrat Padutsch übrigens ganz gut - aber es sei halt schon alles umgewidmet.

Wolfgang Weber
Wolfgang Weber
 krone.at
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