Di, 14. August 2018

Erlebnis Kirchenstadt

06.06.2018 07:30

Salzburger Charme: Das Rom des Nordens

Salzburg ist im Jahr 696 auf den Ruinen der römischen Stadt Juvavum entstanden. Bischof Rupert von Worms, der Landespatron von Salzburg, gründete hier das Kloster von St. Peter, um das herum sich langsam ein Stadtkern entwickelte und Salzburg später als unabhängiger Kirchenstaat und Rom des Nordens fungierte.

Der Kirchenstaat Salzburg war durch den Abbau von Salz, Erzen und Edelsteinen sehr vermögend. Das Salzburg von heute zeugt von diesem Reichtum und der regen Bautätigkeit der Fürsterzbischöfe. Vorbild für Bauvorhaben und Architektur war das prunkvolle Rom. So wurden nach italienischem Beispiel und mithilfe italienischer Baumeister in Salzburg Dom, Kirchen, Kapellen, Klöster und Friedhöfe errichtet. Die Fülle an Prachtbauten auf engstem Raum und die unverkennbare Stadtsilhouette erinnern an das Stadtbild von Rom.

Barockes Juwel
Besonders der so nachhaltige Fürsterzbischof Wolf Dietrich (1587-1612) war ein Liebhaber der italienischen Lebensart. Er kam in ein mittelalterliches Salzburg und verwandelte es in ein barockes Juwel. Damit legten die Fürsterzbischöfe den Grundstein für die heutige Kirchenstadt, die als architektonisches Glanzstück 1997 den Titel als UNESCO-Weltkulturerbestadt erhielt. Auf besonders feinsinnige Weise lässt sich die Welt hinter Salzburgs Kirchentoren auf einem Spaziergang erkunden. Hinter den Fassaden der Gotteshäuser verbergen sich besondere Sehenswürdigkeiten und geheimnisvolle Details, die sogar vielen Einheimischen nicht bekannt sind.

Auch wenn die Tour viele Variationsmöglichkeiten bietet, so sollten Besucher den historischen Rundgang am besten früh am Morgen am Stift Nonnberg beginnen. Am Fuße der Festung Hohensalzburg verzaubern hier die Ordensschwestern jeden Tag um 6.45 Uhr mit dem Singen gregorianischer Choräle. Das älteste Frauenkloster, das zum Orden der Benediktiner gehört, beeindruckt nicht nur durch seine gotischen Bauelemente und aufwendigen Wandmalereien. Ein paar hundert Meter weiter führt der Weg zur 1150 erbauten Kajetanerkirche mit der berühmten heiligen Stiege: Diese wurde 1712 als Nachahmung der römischen Scala Santa errichtet. Zwar sind es nur 28 Stufen hinauf zum Kreuzaltar, der Weg dorthin ist aber etwas beschwerlich, denn die Besucher dürfen nur kniend zum höchsten Punkt aufsteigen.

Inmitten der belebten Salzburger Altstadt findet sich hinter unscheinbaren Fassaden ein malerischer Klostergarten mit einem Kreuzgang. Er dient den Mönchen zur Erholung und als Paradiesgarten. Es ist ein idealer Ort, um hier Gott und seine Schöpfung zu betrachten. Die Erzabtei St. Peter blickt als ältestes Kloster im deutschen Sprachraum auf eine ungebrochene Kontinuität zurück. Seit 696 leben, beten und arbeiten hier Mönche. Zur Klostergemeinschaft des Stifts St. Peter gehören 22 Mönche und ca. 80 Angestellte, die von Erzabt Korbinian Birnbacher OSB geführt werden. Am Rande des Petersfriedhofs befinden sich die „Katakomben“ - in den Mönchsberg geschlagene Begräbnisstätten und Einsiedeleien für Geistliche.

St. Maria Loreto
Von den Katakomben geht es weiter zu Salzburgs Herzstück, dem Salzburger Dom, weiter in Richtung Franziskanerkirche und zur barocken Kollegienkirche; die „Lichtkirche“ wie sie auch genannt wird. Das architektonische Gegenstück findet sich auf der anderen Seite der Salzach, die Dreifaltigkeitskirche. Ein besonderes Kleinod versteckt sich in der Kirche St. Maria Loreto, auch Loretokirche: Das Loretokindl, eine elf Zentimeter kleine Jesusfigur aus Elfenbein, der nachgesagt wird, dass sie Wunder vollbringe. Ein besonderer Akt der Segnung ist es, sich die Figur von einer der Nonnen auf den Kopf setzen zu lassen.

Maria Plain
Seit über 400 Jahren ist das Kapuzinerkloster ein optischer und spiritueller Fixpunkt hoch über der Stadt Salzburg. Hier leben und arbeiten sechs Kapuziner aus den deutschsprachigen Ländern. Im Rahmen dieser Gemeinschaft erlernen und vertiefen junge Männer als Novizen die franziskanische Lebensweise des Kapuzinerordens. Wer die Möglichkeit hat - zum Beispiel bei den Salzburger Vater-Unser-Wochen -, den Lebensraum der Kapuziner von Salzburg kennenzulernen, der sollte (nach Absprache) dieses besondere Geschenk der Brüder annehmen. Ein weiteres Gustostückerl ist die Wallfahrtskirche Maria Plain, die etwas außerhalb der Stadt liegt und mit dem Fahrrad in etwa 30 Minuten gut erreichbar ist. Es lohnt sich nicht nur wegen der traumhaften Aussicht auf Salzburg, sondern einfach auch nur in der Wiese zu sitzen und den Sonnenuntergang über der Stadt anzuschauen!

Florian Krenstetter, Kronen Zeitung

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