02.06.2018 07:10 |

Kinder zurückgelassen

Polizei macht Jagd auf skrupellosen Schlepper

Er raste durch drei Straßensperren, lieferte sich eine waghalsige Verfolgungsjagd - und als der Schlepperwagen dann von kroatischen Polizisten in Beschuss genommen wurde, sprang er aus dem Minivan mit österreichischem Kennzeichen und ließ seine 29 illegalen Insassen zurück. Während zwei schwer verletzte Kinder mittlerweile außer Lebensgefahr sind, läuft die Jagd auf den Schlepper auf Hochtouren.

„Wir haben erst mehrere Schüsse gehört - und dann Polizeisirenen. Natürlich sind wir vor unsere Haustür gelaufen. So etwas passiert bei uns ja normal nicht. Plötzlich hat uns ein Beamter angeschrien und aufgefordert, dass wir wieder in unser Haus gehen und alle Lichter abdrehen sollen“, so Augenzeuge Milica Rodic. Die Beamten hatten offenbar befürchtet, dass sich der flüchtige Schlepper in der Umgebung verstecken bzw. im schlimmsten Fall gar verschanzen und Geiseln nehmen würde.

Doch dem war nicht so - dennoch fehlt von dem mutmaßlichen Täter, angeblich ein in Wien lebender, bei einer Hausbetreuungs-Firma arbeitender Bosnier, bis jetzt jede Spur. Die Fahndung läuft auf Hochtouren.

Zwei minderjährige Insassen des Kastenwagens wurden schwer verletzt. Ein zwölfjähriger Bub wurde von einer Polizeikugel im Kiefer getroffen, ein gleichaltriges Mädchen in Schulter und Brust.

Verstärkte Kontrollen
Ein Vorfall, der die heimische und die deutsche Politik in ihrem Vorhaben bestärkt, die Balkan-Region mit Mannstärke an den Grenzen zu unterstützen - und zwischen Österreich und Deutschland vom Freitag an erstmals in Dreierstreifen im Grenzgebiet unterwegs zu sein.

Auch der Schienenverkehr wird verstärkt unter die Lupe genommen. Besonders Güterzüge. „Damit wollen wir die gefährlichen illegalen Einreisen frühzeitig unterbinden und Unfälle verhindern“, so der Sprecher der Bundespolizeidirektion München, Thomas Borowik. 2017 waren allein hier knapp 1000 Flüchtlinge auf Güterzügen entdeckt worden.

Klaus Loibnegger, Kronen Zeitung

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