Skurriler Job

Profi-Wrestler: „Durchschnitt ist ein Schimpfwort“

In Österreich gibt es nur zwei Profi-Wrestler, die auch tatsächlich von ihrem Sport leben können. Einer davon ist Michael Kovac. „Ich wollte immer etwas Besonderes machen, anders sein, nicht der Durchschnitt. Durchschnitt ist für mich ein Schimpfwort“, sagt der 45-Jährige. Wenn er gerade nicht im Kampfring steht, bildet er junge Talente in der Powerplexx Wrestlingschule in Wien aus. Worauf es in diesem Beruf ankommt, hat er City4U verraten.

„Früher gab es was Wrestling betrifft nur zwei Meinungen: Es ist nur Show oder nur eine brutale Schlägerei. Heute ist die Akzeptanz viel größer“, erzählt Michael Kovac im City4U-Interview. Man werde nicht mehr belächelt, die Menschen würden die harte Arbeit, die dahinter steckt, sehen. „Als ich mit dem Wrestling anfing, gab es noch keine eigenen Kurse oder Trainer dafür. Ich habe eine harte Schule gehabt und wurde viel verprügelt“, betont der Sportler.

#Halbnackte Männer

Während einer Schulfahrt 1984 nach England wurde Kovac‘ Interesse für Wrestling geweckt: „Da habe ich im Fernsehen halbnackte Männer, die sich im Ring wutzeln gesehen und es ging mir nicht mehr aus dem Kopf“, schmunzelt der 45-Jährige. Im Jahr darauf wurde der Pay-TV-Sender Sky groß. „Also habe ich immer das amerikanische Wrestling gesehen und dabei perfekt Englisch gerlernt.“ Er fing an Krafttraining zu machen, um sich Muskeln aufzubauen und hoffte, dass sich was ergeben würde. Das hat es.

Otto Wanz war der damalige große Veranstalter und nahm Kovac unter Vertrag, Seitdem läuft es bei ihm. Von Wanz hat er auch seinen Künstlernamen - Kovac hieß ein erfolgreicher Ringer vom Heumarkt: „Heute tendieren die Jungen zu Amy-Namen, griechischen Helden oder Computerspiel-Figuren, aber ich bin nicht so für diesen Fancy-Shit.“ Seinen Schülern verpasse er stets einen Spitznamen und viele würden den auch beibehalten.

#Fleischbeschau

„Ich habe als ich begonnen habe, bei den Amateurringern gerlernt. Deswegen wollte ich schon immer selbst eine Wrestling-Schule gründen. Chris Raaber war mein erster Schüler und hat mich dazu ermutigt.“ Mittlerweile starten etwa 20  Neo-Wrestler pro Jahr im Powerplexx. „50 Prozent fallen weg, weil es ihnen zu hart oder zeitaufwendig ist. Davon schaffen es wiederum nur 50 Prozent in den Ring. Wenn ich also zwei bis drei Leute pro Jahr habe, die es in den Ring schaffen, bin ich froh“, beteuert Kovac. Es würden sich aber auch immer mehr Frauen für diesen Sport interessieren. Die hätten es jedoch noch schwerer: ‘„Früher galt das Ladies-Wrestling als Fleischbeschau. Die Damen kämpfen also noch ärger gegen den Wind. Deswegen sind sie wahrscheinlich noch ehrgeiziger, weil sie wissen, dass sie sich beweisen müssen.“

#Kampf nach Drehbuch?

Wrestling besteht laut Kovac zu 80 Prozent aus Sport und 20 Prozent aus Show. „In den USA gibt es ein richtiges Drehbuch für die Kämpfe. Bei uns hat man noch viel kreative Freiheit. Die wichtigste Aufgabe ist, das Publikum emotional zu involvieren. Der Sieg steht nicht im Vordergrund, sondern die Unterhaltung des Publikums“, beschreibt der Wiener. In jedem Teil der Welt reagiere das Publikum anders. Während die Amerikaner es „mit Haut und Haaren fressen“, seien die Japaner ruhig, zurückhaltend und sehr aufmerksam. Beim Wrestling gibt es auch keine Siegesprämie, sondern eine Antrittsgage.

#Wrestle like a superstar, party like a rockstar

Für den Wrestlingsport in Österreich wünscht sich der Profi mehr Medienpräsenz und dass Leute regelmäßig zu den Events kommen. Für seine Schüler, will er, dass sie „was G‘scheites lernen. Eine Karriere ist möglich, davon zu leben jedoch sehr schwer“. Wenn man es aber schafft, lebt man ein großartiges Leben: „Ich bin auf der ganzen Welt unterwegs, mache was ich liebe und werde auch noch dafür bezahlt.“ Mindestens fünf Jahre will Kovac noch in den Ring steigen und getreu seines Mottos leben: „Wrestle like a superstar, party like a rockstar“.

Nächster Termin: Wer Michael Kovac und die anderen österreichischen Talente gehören, die in Europa mit Deutschland, jedoch nach Großbritannien zu den Besten gehören, hat am 17. November 2018 im Floridsdorfer Haus der Begegnung die Chance dazu.

Juni 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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