Firefly Club

Musik kennt keine Behinderung: Besondere DJs

Sebastian Gruber, Wolfgang, Markus, Marcel, Martina und Sebastian lieben Musik. Im Hilfswerk im 7. Bezirk besuchen sie einmal im Monat einen DJ-Workshop des Firefly-Clubs, einige von ihnen als Schüler, einige von ihnen als Trainer. Dabei leben sie die Leidenschaft für Songs gemeinsam aus. „Musik bedeutet für mich, das Leben zu genießen. Man vergisst alle Sorgen, vor allem als Behinderter“, erklärt Sebastian. Denn das Besondere an diesem Workshop ist, dass er ausschließlich intellektuell Beeinträchtigte als DJs ausbildet. City4U hat den Kurs besucht - und viel über das Leben gelernt.

Die laute Musik hört man schon, wenn man das Hilfswerk betritt. Ein langer Gang führt in einen großen Raum, der an eine schön bepflanzte Terrasse grenzt. Sebastian, Marcel, Martina und Wolfgang stehen hinter dem DJ-Pult, während Firefly Club-Gründer Christoph Sackl noch die letzten Lautsprecher aufstellt. Die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich und man wird sofort mitgerissen. „Ich bin seit 2012 dabei und ein Mitgründer des Firefly-Clubs“, sagt Sebastian Gruber.

#DJ, Tormann, Versicherungskaufmann und mehr

Der 25-Jährige hatte es nicht gerade leicht, in den frühen Jahren seines Lebens. „Als Kind im Kindergarten haben mich die anderen links liegen gelassen oder weggesperrt. Auf der Straße wurde ich beschimpft“, erzählt er, trotz einem kleinen Anzeichen von Irritation in seinen Augen, sehr selbstbewusst. „Die Ärzte haben meinen Eltern gesagt, dass ich nie gehen oder sprechen können werde. Mit sieben Jahren habe ich aber damit begonnen“, sagt er sichtlich stolz. Heute ist er Versicherungskaufmann bei der Allianz-Versicherung, Tormann bei der Fußball-Nationalmannschaft des Behindertensports sowie bei der Austria. Weiters spielt er in einer Jazz- und Rockband, ist Rennradfahrer und natürlich begeisterter DJ.

#Das liebe ich so am Leben

„Mir wird nie fad. Das liebe ich so am Leben, dass man so viele verschiedene Sachen machen kann.“ Weit über 1000 Songs hat Sebastian Gruber auf seinem Computer, das Auflegen hat er sich selbst beigebracht. „Ich kann alles spielen, von Hintergrund- über Buffet- und Chill- bis zu Partymusik. Man muss immer verschiedene Dinge beachten, die Uhrzeit, die Art der Veranstaltung und am Wichtigsten: sind die Leute noch nüchtern oder heiter oder sehr heiter“, schmunzelt der Wiener. Er hat bereits in Zürich, im Praterdome und Palmenhaus aufgelegt.

#Inklusive Discos

Christoph Sackl, der den Firefly Club gemeinsam mit Sebastian Gruber gegründet hat, ist sichtlich stolz auf seine Schützlinge. „Seit 2012 haben etwa 70 DJs mit der Ausbildung begonnen, 25 davon haben sie auch beendet und sind aktiv. Der Kurs dauert zehn Monate, wobei sich durchschnittlich zehn Leute anmelden, bis zum Schluss bleibt etwa ein Drittel“, beschreibt Sackl. Es beenden nicht alle Teilnehmer den Kurs, da es bei manchen Problemen mit der Disziplin und Verlässlichkeit gibt. Selbst leidenschaftlicher Hobby-DJ sah er, als er in London lebte und im Behindertenbereich arbeitete, dass es dort einige inklusive Discos (für Behinderte und Nicht-Behinderte) gab und in Wien nicht. So war die Idee für den Firefly Club geboren. Denn das Ziel ist nicht nur, intellektuell beeinträchtigte Männer und Frauen als DJs auszubilden, sondern ihnen auch regelmäßig bezahlte Auftritte zu vermitteln.

#Glühwürmchen

Sackl möchte mit dem Firefly Club Vorurteile gegenüber Behinderten abbauen: „Ich möchte ihre Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit erhöhen und zeigen, dass sie auch musikalische Leistung erbringen können. Behinderung ist kein Hindernis.“ Das zeigt auch Markus. Der mit Down-Syndrom geborene 35-Jährige ist seit 2013 als DJ tätig, ist am Diversity Ball als Model aufgetreten und ein Rapper, der über das Projekt „Integration Wien“ schon drei Alben herausgebracht hat. „Mit Musik kann ich meine Gefühle ausdrücken und dem Alltag entfliehen“, betont er. Sein liebstes Genre ist Hip-Hop, dabei mag er vor allem die deutschen Rapper. „Von unseren DJs hat jeder seinen eigenen Stil und seine Musikrichtung oder -richtungen. Ein schwieriger Punkt in der DJ-Ausbildung ist es, den Spannungsaufbau einer Show mittels Musik zu lernen. Manche tun sich da aber sehr leicht, auch mit den technischen Details“, erläutert Sackl.

#Mut, Kraft und Stärke

„Wir sind gerade am Eskalieren“, ruft Marcel plötzlich hinaus auf die Terrasse, wo die Interviews geführt werden. Die Musik drinnen wird immer lauter, die Stimmung noch besser und mittlerweile wird auch ausgiebig getanzt. Die gute Laune steckt an. Marcel kam durch einen Freund zum Firefly Club: „Am schwierigsten sind natürlich die Übergänge, aber ich bin total begeistert vom Auflegen.“ Musik bedeute für ihn Mut, Kraft und Stärke. Martina, die zufällig dazu stieß, mag es, mit Musik zu experimentieren. Sie liebt Bauser und Maite Kelly im Moment sehr und macht gerade einen Kurs zur Kindergartenhelferin. Was sie an Kindern mag? „Sie sind für vieles dankbar und immer fröhlich.“

#Breakdance

Als letzter stößt der zweite Sebastian zur Gruppe. Er kommt gerade von der Tanzschule. „Als DJ liebe ich das Scratchen“, teilt er gleich mit. „Wenn ich Musik höre, habe ich Schmetterlinge im Bauch, Musik bedeutet alle Gefühle, frei und locker zu sein.“ Zum nächsten Song zeigt er seine Breakdance-Künste und die sind wirklich beachtlich. Alle feuern ihn an und klatschen mit. Der Workshop geht dem Ende zu und die Verabschiedung verläuft so herzlich wie die ganzen zwei Stunden. Diese besonderen DJs haben nämlich die richtige Einstellung zum Leben, wie Sebastian Gruber beweist: „Für mich sind die behindert, die nicht mit Behinderten umgehen können.“

#Hilf mit!

Wer den Firefly Club unterstützen möchte: Sie freuen sich über Buchungen der DJs für Firmenfeste, Geburtstage, Veranstaltungen, Clubs und mehr. „Unsere DJs bieten verschiedene Stile. Wir matchen aber immer den passenden DJ zur jeweiligen Veranstaltung“, betont Sackl. Der Firefly Club freut sich auch über Kooperationen aller Art. „Mein Ziel ist es, ein soziales Unternehmen aufzubauen, das nicht auf Förderungen angewiesen ist“, bekräftigt Sackl. Spenden sind zwar willkommen, aber „wir wollen natürlich auch etwas dafür leisten“. Mehr dazu hier.

Juni 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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