Skurriler Job

„Wollte Strafzettel für schlechten Stil verteilen“

Mit Geld kann man sich Stil nicht kaufen. Man kann aber damit eine Stilberaterin engagieren. Ricky Bach hat sich vor einigen Jahren als solche selbstständig gemacht und würde diesen Schritt unter keinen Umständen wieder rückgängig machen. „Früher wollte ich auf der Straße Strafmandate an Menschen verteilen, weil sie so nachlässig angezogen waren“, erzählt die Wienerin. Heute hilft sie ihnen dabei, sich modischer zu kleiden.

Als Personal-Shopper und Stil-Beraterin ist Ricky Bach gut gebucht. „Ich habe großen Spaß an meinem Job. Am schönsten ist es natürlich, wenn auch meine Kunden Spaß haben“, erzählt die 55-Jährige. Vor einigen Jahren stand sie im Privatleben vor einigen Veränderung und hat überlegt, welche berufliche Tätigkeit ihr auch bis sie 70 Jahre alt ist wirklich Freude bereiten würde. „Da fiel mir im ersten Moment nichts ein, bis ich vor meiner Freundin die Sache mit den Strafzettel verteilen erwähnte. So ergab eines das andere.“

#Es kommt auf die Proportionen an

Bach machte die Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin und sich schließlich als Shopping Buddy und der gleichnamigen Website selbstständig. Darauf bietet sie auch Personal Shopping und Schrankbereinigung an. Bei jeder Beratung kommt zuerst die alles Entscheidende Frage: „Was ist Ihr Wirkungswunsch?“ Möchte der Kunde oder die Kundin weicher, professioneller, strenger, größer, schlanker oder jugendlicher wirken? Ist diese Frage geklärt, geht es ans Vermessen. „Ich habe immer mein Messband mit. Dabei geht es nicht darum, wie viele Zentimeter der Umfang der Hüfte beträgt, sondern um die Proportionen“, beschreibt Bach.

#Die Symmetrie

Neben den Proportionen ist vor allem auch die Symmetrie wichtig. „Die Menschen, die wir als besonders schön empfinden, haben einfach ein sehr symmetrisches Gesicht“, weiß die Wienerin. Wichtig ist es, den Kunden also den richtigen Maßstab beizubringen: „Eine große Frau sollte keine Mini-Tasche tragen und eine kleine keinen Riesen-Shopper, der es dann so aussehen lässt, als würde die Tasche mit ihr spazieren gehen und nicht umgekehrt.“ Genauso ist es mit dem Alter. Man könne mit 50 Jahren nicht mehr mit einer 20-Jährigen mithalten und das müsse man auch nicht, betont Bach.

#Probleme?

Es geht aber hauptsächlich darum, wie man selbst wirken will. Möchte man seriöser wirken, sollte man keinen Minirock tragen. Möchte man ernst genommen werden, sollte man eher zur blauen, als zur rosa Bluse greifen. „Viele meiner Kundinnen sehen jedoch Probleme, die gar nicht da sind. Sie finden sich zum Beispiel dick, obwohl sie normal schlank sind. Andere wiederum haben verfestigte Gewohnheiten, wie keinen Rock zu tragen, obwohl der für sie sehr schmeichelnd wäre“, erläutert die Stilberaterin. „Ich gebe freizügig Tipps, was die Kunden damit machen, bleibt ihnen überlassen. Es ist ja kein Gesetz, sondern ein Ratschlag.“ Weiters hat dieser Job auch eine große psychotherapeutische Komponente: Es geht stark um das Selbstbild und somit letztlich um Selbstbewusstein.

#Männer und Frauen

Einen großen Unterschied gibt es für Bach in der Stilberatung zwischen den zwei Geschlechtern. „Männer zu beraten ist einfacher, weil sie ,gefügiger‘ sind. Sie wollen es wissen, hören es und dann befolgen sie die Tipps. Bei den Frauen ist es öfter so, dass sie von mir nur eine Bestätigung suchen“, beschreibt die 55-Jährige und ergänzt schmunzelnd: „Bei Männern gebe ich Order, bei Frauen mache ich Vorschläge.“

#Selbsttest: Schrankbereinigung

Nach dem Interview geht es bei mir zu Hause an die Schrankbereinigung. „Danke, dass Sie mich gleich in Ihr Allerheiligstes lassen“, freut sich Ricky Bach. Zuerst werden meine Proportionen besprochen, mein Typ wird bestimmt - kein eindeutiger „Herbst“, definitiv aber „Dunkel“. Ich erfahre, wo der richtige Ausschnitt für mich sitzt und wie lang meine Ketten sein sollen. „Ihr Kleidungsstil ist eher extrovertiert und Ihre Haarfarbe provokant“, sagt sie zu mir. Sie sieht gleich, dass ich Muster und Blumenprints liebe und merkt an, dass mir bei meinem ovalen Gesicht sicherlich auch eine Kurzhaarfrisur gut stehen würde. Ich lerne, welche Farben mit gut tun und welche nicht. Ein paar Kleider müssen danach auch meinen Kleiderschrank verlassen. „Ich sehe aber, sie wissen schon was Sie tun. Sie brauchen nur wenig Unterstützung.“ Das höre ich natürlich gerne. Trotzdem habe ich einiges für meine nächste Shoppingtour gelernt und trage meine Kleidung ab nun wahrscheinlich noch selbstbewusster.

Mai 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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