Sa, 17. November 2018

Zweifache Mutter tot

25.05.2018 05:59

Kunstfehler: Gutachter kritisiert Spital heftig

Wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung wird sich eine 31-jährige Neurologin des Linzer Krankenhauses der Barmherzigen Brüder vor Gericht verantworten müssen. Die Ärztin soll, wie berichtet, bei einer Patientin (36) aus Bad Zell statt einer Gehirnblutung eine Migräneattacke diagnostiziert haben - diese starb. Der Gerichtsgutachter fand für die Verteidigungsstrategie des Spitals vernichtende Worte und übt heftige Kritik.

Was wird der 31-jährigen Neurologin vorgeworfen? Sie war am 18. November 2016 diensthabende Assistenzärztin in der Akutaufname der Barmherzigen Brüder. Laut Anklage unterließ sie es „entgegen der in der medizinischen Profession erforderlichen Sorgfalt und entgegen den Regeln der ärztlichen Kunst“, bei der Patientin Sabine W. (36) aus Bad Zell eine „unbedingt erforderliche klinisch indizierte Abklärung der Kopfschmerzen mittels CCT (craniale Computertomographie) vorzunehmen“.

Assistenzärztin hätte Kollegen holen müssen
Außerdem hätte die Assistenzärztin aufgrund ihrer „unausgereiften fachärztlichen Kompetenz“ einen Facharzt hinzuziehen müssen, so die Staatsanwaltschaft. Die 31-jährige hat deswegen laut Anklage das Vergehen der fahrlässigen Tötung durch Unterlassung begangen. Detail am Rande. Die beschuldigte Medizinerin ist weiterhin im Krankenhaus beschäftigt.Verteidigungsstrategie ging gründlich schiefDie Anklageerhebung dauerte deswegen so lange, weil der Verteidiger der Barmherzigen Brüder trotz eines vernichtenden Gutachtens - wie berichteten - ein Ergänzungsgutachten verlangte. Experte Primar Michael Huemer nahm sich dabei kein Blatt vor den Mund. So kritisierte er einerseits die „geradezu rührende Naivität des Verteidigers“ und verweist auf eine „doch nicht unerhebliche Diskrepanz“ zwischen dem Ambulanzbericht und den Aussagen der Mutter und des Ehemanns der Verstorbenen.

„Bemerkenswert dürftiges Verständnis für Probleme der Akutneurologie“
von Wirklich ärgerlich wird Gutachter Huemer aber, wenn es um die Stellungnahme des Vorgesetzten der Assistenzärztin geht: „Die Behauptung, dass im gegenständlichen Fall ein CCT ,nicht indiziert‘ gewesen sei, verrät nach Dafürhalten des Sachverständigen ein bemerkenswert dürftiges Verständnis für Probleme der Akutneurologie.“

Sabine W. starb am 20.11. 2016 an den Folgen einer „Compressio Cerebi“, also einer Hirnquetschung. Sie war mit der Diagnose Migräne-Attacke heimgeschickt worden.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Nach Sieg von Holland
Frust bei Deutschland: Abstieg nach Seuchenjahr
Fußball International
Franzosen besiegt
Neue Holland-Euphorie: „Wer ist der Weltmeister?“
Fußball International
„Krone“-Leser besorgt
„Ältere Arbeitslose finden keine Jobs mehr“
Österreich
„Schönes Jubiläum“
Nächster Podestplatz für Eisschnellläuferin Herzog
Wintersport
Länderspiel-Ärger
PSG-Stars Neymar und Cavani geraten aneinander
Fußball International
Aus für „Lindenstraße“
„Mutter Beimer“ hofft auf Widerstand der Fans!
Medien
Brutales Foul im Video
Basketballer streckt Gegner mit Ellbogen nieder
Sport-Mix
Dramatischer Einsatz
Bundesheer-Engel retten Verletzte vom Dachstein
Österreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.