Sa, 15. Dezember 2018

Rechnungshof deckt auf

19.05.2018 16:58

KH Nord: Kein Schutz durch Brandschutzwände

„Das hat uns dann doch noch überrascht“, zeigt ein Rechnungshofprüfer im „Krone“-Gespräch auf einen Absatz im neuen Bericht über das KH Nord: Auf Seite 90 ist zu lesen, dass die Brandschutzwände fast sinnlos wurden, weil die Bauleitung darin keine brandschutzsicheren Elektro-Hohldosen eingebaut hat - ein Feuer hätte sich dadurch rasant ausgebreitet, damit bestand akute Lebensgefahr für 785 Patienten und 2000 Mitarbeiter.

Die Bauherren des mittlerweile bis zu 1,4 Milliarden Euro teuren KH Nord haben erneut ein Problem wie ihre Kollegen auf der berühmt-berüchtigten Berliner Flughafenbaustelle: Der Brandschutz im Neubau ist derart mangelhaft, dass eine ernst zu nehmende Behörde niemals eine Betriebsgenehmigung erteilen würde - immerhin würde sich aufgrund des jetzt noch immer (!) nicht komplett behobenen Baufehlers ein Feuer durch die nicht brandschutzfesten Elektro-Steckdosen von Zimmer zu Zimmer, von Abteilung zu Abteilung fressen.

Was das bei einem 789-Betten-Krankenhaus mit Dutzenden Intensivpatienten und täglich 50 Operationen heißt, kann sich jeder vorstellen: Eine Feuertragödie mit zahlreichen Toten wäre unvermeidbar.

Warum wurde das Leben Hunderter Patienten gefährdet?
„Ja, das stimmt, was im aktuellen Rechnungshofbericht aufgezeigt wird“, bestätigt eine Sprecherin der KH-Nord-Bauleitung gegenüber der „Krone“. Sie sagt: „Fast alle nicht brandschutzsicheren Hohlraumdosen wurden bereits ausgetauscht. Bei einigen ist das noch nachzuholen. Vor der Begehung durch die Behörden und natürlich vor dem Beginn des Patientenbetriebs ist dieser Mangel behoben.“

Dass der - lebensgefährliche - Mangel vor einer behördlichen Genehmigung behoben werden muss, ist klar. Unklar bleibt allerdings, warum die Spitals-Bauleitung des Krankenanstaltenverbundes diese billigere und hoch riskante Material-Auswahl des Auftragnehmers zugelassen hat.

Die Kosten für den Austausch sämtlicher Elektro-Hohlraumdosen im 51.000 Quadratmeter großen Spitalsbau verrät die Sprecherin des Wiener Krankenanstaltenverbunds nicht: „Die zuständige Firma wird auf ihre Kosten die Mängel beheben müssen.“

Richard Schmitt
Richard Schmitt

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