Im Gemeindebau

Wiener Mieter wählten die beliebtesten Hausmeister

Sie sind die guten Seelen jeder Wohnhausanlage, der soziale Kitt für die Gemeinschaft im Gemeindebau - die Hausbetreuer und Hausbesorger. Donnerstagabend wurden die fleißigen Männer und Frauen vor den Vorhang geholt und im Rahmen einer festlichen Gala in der Marxhalle im 3. Bezirk für ihre Arbeit ausgezeichnet. Die beliebtesten Hausbetreuer und Hausbesorger erhielten neben Urkunde und Statue auch ein Wellnesswochenende zur Erholung. City4U hat mit den glücklichen Siegern vor Ort gesprochen.

Exakt 1348 Hausbesorger sind in den Wiener Gemeindebauten unterwegs. Sie wohnen direkt in der Anlage und sind 24 Stunden pro Tag für die Anliegen ihrer Mieter da. Die rund 1450 Hausbetreuer wohnen hingegen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes und haben fixe Zeiten, an denen sie dort ihre Pflichten erledigen. Dass es bei vielen Hausmeistern über die bloße Pflichterfüllung hinausgeht, bewiesen die knapp 3000 Einsendungen von Mietern, die damit für „ihren“ Hausbesorger oder -betreuer gevotet haben.

#Hausmeister muss man leben

„Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dieser Preis bedeutet mir alles, weil er von meinen Mietern kommt. Mir war aber auch von Anfang an klar, dass die Mieter die Chefs sind“, freut sich der Sieger in der Kategorie „Beliebtester Hausbesorger“, Manfred Kopp. Zahlreiche Einsendungen gingen zu Gunsten des Hausmeisters mit Leib und Seele aus dem 20. Bezirk ein. Eine Frau schrieb gar, dass die Welt mit mehr Menschen wie Kopp wieder friedlicher wäre. „Ich bin absolut überwältigt. Ich sage immer, Hausmeister muss man sein, das muss man leben. Das merken dann natürlich auch die Mieter“, weiß der 49-Jährige, der bereits seit 20 Jahren in diesem Berufsfeld ist. Auch an diesem Abend lassen seine „Schützlinge“ Manfred Kopp nicht im Stich. Neben Gattin ist sogar ein kleiner Fanclub mitangereist - samt Hund.

„Ich mache alles gern, die Gartenarbeit, die Stiegen. Mieterstreitigkeiten schlichten gehört auch zu meinen Aufgaben. Wichtig ist, dass man die Probleme beider Parteien ernst nimmt. Man muss sich auch über Probleme freuen können und sie lösen wollen“, verrät Kopp das Geheimnis seines Erfolgs. Es passiere fast täglich irgendetwas: „Man ist auch mal der Psychologe oder Kummerkasten. Jeder muss über seine Probleme reden. Mir wird jedoch auch viel Gutes und Schönes erzählt.“ Deswegen hat der Wiener sein Handy 24 Stunden am Tag aufgedreht, damit er für seine Mieter immer erreichbar ist. Mit der Wahl heute haben sie ihm seinen Einsatz gedankt.

#Von der Friseurin zur Hausbetreuerin

Auch Silvia Müller strahlt an diesem Abend bis über beide Ohren. Schließlich wurde sie gerade als beliebteste Hausbetreuerin Wiens ausgezeichnet. „Ich finde das so schön, dass die Mieter so hinter mir stehen. Ohne sie wäre ich heute Abend nicht hier“, bedankt sich die 42-Jährige. Seit neun Jahren ist sie nun Hausbetreuerin im 12. Bezirk. Davor arbeitete Müller als Friseurin, doch mit drei Kindern ist dieser Job Vollzeit nicht möglich - als Hausbetreuerin schon. „Am meisten macht mir die Interaktion mit den Kindern Spaß. Wenn ich gieße, freuen sie sich immer und wir spritzen uns auch schon mal gegenseitig nass“, lacht sie. 

#Kinder helfen gerne mit

Kinder liebt auch Jennifer Dworschak. Die 24-jährige ehemalige Kindergärtnerin durfte sich über den dritten Platz in der Kategorie Hausbetreuer freuen. „Das zeigt mir, dass die Mieter mit mir und meiner Arbeit zufrieden sind und dass ich es richtig mache“, sagt sie. Seit drei Jahren ist sie im 12. Bezirk tätig. „Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Natürlich, die Kellerreinigung einmal pro Monat ist nicht sehr angenehm, aber ansonsten macht der Job viel Spaß. Vor allem die kleinen Kinder. Wenn ich kehre, holen sie sich auch einen kleinen Besen und helfen mir.“

#“Ich kann mich nicht beschweren“

Im Johann-Hatzl-Hof im 11. Bezirk ist die gute Seele der Anlage seit vier Jahren Hausbetreuerin Michaela Müller. „Ich liebe es mit verschiedenen Menschen zu reden. Es gibt eigentlich gar nichts, über was ich mich beschweren könnte. Außerdem steht unsere Firma und der Betriebsrat immer absolut hinter uns“, erzählt sie. Deswegen könnte sich Michaela Müller keinen schöneren Beruf vorstellen: „In unserer Anlage wohnt ein 13-jähriger Bub. Jeden Tag vor und nach der Schule kommt er vorbei und erzählt mir alles Mögliche. Von der Schule, aber auch von seinen Problemen. Er fragt mich auch oft, ob er mir helfen könne. Wenn ich mal nicht da bin, beschwert er sich bei seinem Papa, dass ich weg bin“, schmunzelt sie. Für ihre liebe Art wurde sie mit Platz zwei in der Kategorie Hausbetreuer geehrt.

#Vor der Arbeit noch Vergnügen

Doch nicht nur die Top-3 der jeweiligen Kategorien hatten an diesem Abend Grund zu Freude. Auch die übrigen Nominierten wurden spontan für ihre Arbeit belohnt. Der Betriebsrat schenkte allen ein Thermen-Wochenende. Aus nicht nur diesem Grund wurde nach der Preisverleihung noch wild zu der Band The Bad Powells getanzt - bevor es am nächsten Tag wieder an die Arbeit auf der jeweiligen Stiege ging.

Mai 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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