Di, 11. Dezember 2018

Endlich neues Album

19.05.2018 07:00

Courtney Barnett: Dreckiger und härter denn je

Spätestens durch ihre Kooperation mit dem Indie-Superstar Kurt Vile hat sich Courtney Barnett zu einer der interessantesten Künstlerinnen im Underground entwickelt. Auf ihrem neuen Album „Tell Me How You Really Feel“ hat die Australiern ihre Liebe zu den dreckigen und harten Sounds wiedergefunden. Den Hauptfokus legt sich nach wie vor auf die Texte.

Als „Indie-Rock-Göttin“ hat ein Musikportal die australische Sängerin, Gitarristin und Songschreiberin Courtney Barnett bezeichnet. Manche vergleichen sie mit Bob Dylan. Nun, ein halbes Jahr nach einer gemeinsamen Arbeit mit Kurt Vile, bringt die Musikerin ein neues Album heraus. „Tell Me How You Really Feel“ sollte „ein bisschen dreckiger und härter klingen“, erzählte sie im APA-Interview. „Ich wollte lautere Gitarren, den Gitarrensound mehr in den Vordergrund rücken. In einigen meiner früheren Liedern driftet er etwas in den Hintergrund, das wollte ich diesmal vermeiden“, sagte Courtney Barnett. So beginnt das Album düster und mit dröhnenden Gitarren, die sich zu einem massiven Finale aufbauen. Doch selbst bei diesem Song, „Hopefulessness“, dominiert die Stimme, schließlich sind die Texte „eigentlich das Wichtigste“, wie die 30-Jährige betonte.

Kommunikation durch Songs
„Ich würde niemandem die Zeit stehlen wollen, um etwas zu erzählen, das mich nicht wirklich bewegt. Jedes Wort ist wichtig“, ergänzte Barnett. „Zugleich soll die Musik auch diesem Anspruch entsprechen und den Text unterstreichen.“ Das gilt nicht zuletzt für die erste Auskopplung, „Nameless, Faceless“, die sich gegen anonyme Internet-Trolle richtet. „Ich versuche, die Psyche dieser Menschen zu ergründen. Wo kommt der Hass und die Angst her? Ich verstehe das nicht“, schüttelte die Künstlerin den Kopf. Frech, rotzig, erfrischend ungezwungen, wortgewaltig, intelligent und direkt sind ihre Lyrics. „Es ist ein ständiger Lernprozess. Man lernt, sich besser auszudrücken“, sagte Courtney Barnett. Sie hat eben viel zu sagen - mit ihren Liedern: „Ich kann mich am eloquentesten mit Songtexten ausdrücken. Das ist meine beste Art zu kommunizieren.“ Kolleginnen und Kollegen, die öffentlich zu aktuellen Themen Wort ergreifen, haben ihre Solidarität, aber: „Eine Rede halten? Oh, da bin ich schrecklich“, betonte die Musikerin. „Ich bringe meine Gedanken am liebsten in Songs unter. Wenn ich mit einem Song einen Nerv treffe, dann ist das großartig.“

Courtney Barnett hatte einen rasanten Start hingelegt. Das witzige wie weise Debüt „Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit“ hat sich eine halbe Million Mal verkauft. Für eine Indie-Künstlerin und im Zeitalter des Streamings eine beachtliche Zahl. Dann kam die Kooperation mit Vile, jetzt erweitert sie mit dem zweiten Solo-Werk ihr Sound-Spektrum. Außerdem spielt Barnett in der Tourband ihrer Partnerin Jen Cloher (aktuelles Album: „Jen Cloher“), mit der sie das Label Milk Records gründete.

Ideen-Wirrwarr
Über ihre Arbeitsweise berichtete Barnett, einige Lieder auf dem neuen Album seinen frisch und rasch geschrieben worden, andere wären über längere Zeit gereift. „Ich habe Notizbücher, aber ich weiß nie, wo ich meine Ideen hineingeschrieben habe“, schmunzelte sie. „Letztendlich muss ich mich auf meine Erinnerungen verlassen. Manche Instrumentalteile stammen aus der Zeit, in der ich überhaupt erst zum Komponieren begonnen habe, also als ich 15 war. Manche Ideen besuche ich immer wieder, ohne sie zu beenden. Zur richtigen Zeit kommt aber alles zusammen und ergibt einen Sinn.“

Wenn schon Dylan als Vergleich herangezogen wird, so kann man auch in Sachen Konzerte eine Parallele ziehen: Courtney Barnett klingt live anders als auf Platte/CD. „Wenn ich mit meiner Band auftrete, klingt alles rockiger und schmuddeliger“, so die Australierin. „Wir spielen eigentlich nicht anders, aber im Studio entsteht ein anderer Sound, da klingt alles polierter als auf der Bühne.“

APA/Wolfgang Hauptmann

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