Ingrid Diem

Wiener Sängerin fordert: „Schluss mit Bodyshaming“

Fitnessstudio-Besuche, unzählige Diäten, Kalorien-Tabellen und Co.: Immer mehr Frauen setzen sich und ihren Körper unter Druck um gängigen Schönheitsidealen zu entsprechen und quälen sich für die vermeintlich perfekte Figur. Ingrid Diem sagt nun mit einem humorvollen Song dem Bodyshaming den Kampf an und fordert mit ihrer Single „BMI“: „Schluss mit dem Figurwahn!“ City4U hat mit der Wiener Sängerin gesprochen.

Wie bist du auf die Idee zu dem Titel gekommen? 

Die Idee zu „BMI“ kam, weil ich vier wunderschönen, sehr schlanken Frauen bei einem Gespräch über den idealen BMI zugehört hatte und schockiert war, was sie alles an sich auszusetzen hatten. In meinem Kopf war immer das Bild, wenn ich mal so aussehe wie eine dieser vier, ist alles gut und dann bin ich für immer glücklich und entspannt mit meinem Körper. Dass man dann noch immer Unzufriedenheiten mit seinem Aussehen hat, hat mir mit einem Mal all den Stress genommen und ich dachte mir „eigentlich hab ich keine Ahnung, ob ich den idealen BMI in diesem Leben jemals noch erreichen werde. Ich hab jetzt keinen Bock mehr auf das alles. Bodyshaming und Kalorienzählorgien. Ein Star müsste man sein, der vier Mal täglich von einem Koch ein kalorienarmes, herrlich schmeckendes Essen serviert bekommt und dazwischen von seinem Personal Trainer zu Sport gezwungen wird... Dann klang auch schon der Refrain in meinem Kopf.

Wie ist das Feedback bis jetzt? 

Ich sage immer “Open doors„ und “Waves of love“. Seit dem 20. April (Anmerkung Redaktion: Das Release Datum) bekomme ich täglich soviele Nachrichten von Menschen aller Alters- und Gewichtsklassen, die sich gesehen und verstanden fühlen. Auch das mediale Interesse ist wirklich hoch und das hätte ich mir nie erwartet. Ich bin überwältigt und sehr dankbar!

Bist du mit deinem Körper zufrieden? 

Ich hab meinen Körper lange nicht anschauen wollen und abgelehnt, weil er nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Wenn er kurz den Idealen entsprochen hat, durch eine erfolgreiche Diät, wurde ich aber persönlich wieder unsicher, weil mein „Versteck“ weg war. Heute weiß ich, dass ich meinen Körper und meine Persönlichkeit weder getrennt sehen noch bewerten kann. Ich liebe mich heute als Ganzes, mit allem, was mich ausmacht. Ich fühle mich sehr wohl und tanze auch gerne vor Publikum, ich habe keine Hemmungen mehr. Ich würde mich aber sicher wohler fühlen, wenn ich keinen Bauch hätte und mehr Muskelmasse, weil ich mich dann ohne Einschränkungen bewegen könnte.

Was würdest du Frauen raten, die weniger selbstbewusst sind? 

Spontan würde ich raten - sich durch die Augen von Menschen, die uns lieben zu sehen, wirkt Wunder. Und sich und andere ganzheitlich zu sehen. Sich nicht beschränken auf körperliche Makel sondern auch stolz sein auf alles, was einen als Person ausmacht. Und bei sich selbst zu bleiben. Man ist kein bisschen häßlicher, nur weil wer anderer schön ist. Das Außen hat nichts mit dir zu tun.

Generell sind glückliche Menschen schöner und selbstbewusster - also fangt an, Dinge zu suchen und zu tun, die euch erfüllen und glücklich machen. Nichts kann mit der Schönheit von Glück aus glitzernden, funkelnden Augen konkurrieren.

Glaubst du haben Männer ähnliche Problem? 

Ja, nur anders ausgeprägt. Ich denke, sie vergleichen und messen sich genauso - wer mehr Muskeln hat, wer mehr Alpha-Verhalten hat,…. Aber ich kenne sehr sehr viele Männer, die sich optisch total wohl fühlen und gerne nackt ansehen und kaum eine Frau, die das behaupten kann.

Bodyshaming: Ein Tabu-Thema? 

Ich finde, dass es in letzter Zeit immer mehr aufgegriffen wird, ich persönlich wurde durch Rihanna auf diesen Begriff aufmerksam. Mich entsetzt, dass Menschen Künstler mit unglaublicher Leistung auf ihr Gewicht und ihr aktuelles Fitness Level reduzieren und sehr hart bewerten. Es ist erstaunlich, wie wichtig wir Meinungen von anderen nehmen und dass man als Künstler oder öffentliche Person anscheinend ganzheitlich perfekt zu sein hat, sonst erntet man schlimmste Beschimpfungen.

Wie oft habe ich im Intro einer schönen, emotionalen Ballade, die ich auf der Bühne gesungen hab, von der ersten Reihe gehört „Na bumm, die hat seit dem Kind zugenommen!“ statt dass die Leute sich einfach auf das Lied einlassen und genießen…..

Welche Rolle spielen hier die sozialen Netzwerke? 

Eine immense, wenn nicht die größte. 10 Minuten auf Instagram reichen an manchen Tagen schon aus, um sich am liebsten verstecken zu wollen. Die perfekten Selfies aus einem super Winkel, mit Filter versehen und im Anschluß bearbeitet, gaukeln uns eine dermaßen hohes Level vor, das in der Realität kaum auf natürlichem Weg erreichbar ist. Da braucht man schon wahnsinns Gene, sehr sehr viel Zeit für Fitness und eine top Ernährung, um da ran zu kommen. Die Möglichkeit, dass alle Menschen öffentlich kommentieren können und sich als Experten erachten, hilft natürlich auch nicht.

Was kann man in Zukunft von dir erwarten? Album? Neue Songs?

Ich wurde von der deutschen Designerin Manou Lenz eingeladen, auf der Berliner Fashion Week „BMI“ zu singen - worauf ich mich extrem freue! Ich arbeite an meiner neuen Single, die ähnlich ehrlich sein wird zu einem weiteren Tabu Thema - und natürlich Konzerte geben mit meiner Band, dem diemteam.

Der nächste Wien Termin mit mir und dem diemteam ist am 7. September im Theater Spittelberg.

Außerdem schreibe ich für mich und andere Kabaretts. Ich liebe es zu texten und will viel mehr in die Richtung machen. Meinen Humor hab ich ja nicht nur für Facebook-Postings bekommen. (lacht)

Warst du immer schon so selbstbewusst? 

Mir ist wichtig, dass ich mich vom Außen durch nichts erschüttern lasse und tief in mir selbst ruhen kann und verwurzelt bin. Das hab ich mir lange und hart erkämpft.

Als kleines Kind war ich immer die sogenannte „Bestimmerin“ in allen Spielen. Danach in der Schulzeit wurde ich sehr komplexbeladen und unsicher und fühlte mich klein und wie wenn meine Meinung nicht von Wichtigkeit wäre. Irgendwann erkannte ich, dass ich mich in Dialogen mit Menschen, die sich selbst wirklich mögen und sehr bei sich sich, viel wohler fühlte und es mir auch leichter fiel, natürlich und bei mir zu sein. So formulierte ich ein starkes Selbstbewusstsein als Ziel und hab mir alles, was mich noch klein fühlen ließ, ganz bewusst angeschaut und gelöst bzw bin dabei, es zu lösen.

Mai 2018

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Julia Ichner
Julia Ichner

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