Skurriler Job

Von der Polizei zum eSports-Kommentator

Zur richtigen Zeit, die richtige Emotion wiedergeben - das ist das Wichtigste in Markus Rascheks Job, sagt er. Der junge Niederösterreicher ist sozusagen ein Sportkommentator. Mit dem Unterschied, dass die Spiele, die er beschreibt, nicht auf dem Fußballfeld stattfinden, sondern am Bildschirm. Unter dem Nicknamen Envy ist er nämlich einer von wenigen Profi-Castern in Österreich. Zu seinem Spezialgebiet zählt das Spiel „League Of Legends“.

„Als ich vor über drei Jahren mit dem Casten anfing, war mir nicht klar, dass das mal mein Beruf sein könnte“, erzählt Markus Raschek von seinem Werdegang. Er habe einfach hobbymäßig damit angefangen, weil es Spaß machte. Ein guter Ausgleich zu seinem damaligen Haupt-Beruf als Polizist in Wien. „Nach viel positivem Feedback kam mir erst der Gedanke, dass ich mehr Zeit und Energie hinein investiere, um auf ein Level zu kommen, das reicht, um damit Geld verdienen zu können.“

#Wie ein Fan

Die Investition hat sich gelohnt. Mittlerweile ist er während des Turniers Vollzeit als Caster für die A1 eSports League Austria angestellt „Am meisten Spaß macht mir, wenn ich im Spiel live bei der Aktion mit dabei bin und meine Emotionen mit den Zusehern teilen kann. Dann bin ich nichts anderes als ein Fan, der mitfiebert und die Spannung des Spiels genießt“, beschreibt der 27-Jährige. Vor seiner Karriere als eSports-Kommentator war Raschek Polizist. Doch dann hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und seine Uniform an den Nagel gehängt: „Es gibt nichts, was mir mehr Spaß macht, als gutes ,League Of Legends‘ zu casten.“

#Skills selbst beibringen

Da es für diesen Job keine Ausbildung gibt, muss man sich alles selbst beibringen. „Man kann sich grundsätzlich sehr viel vom herkömmlichen Sport abschauen: Erklären, was gerade passiert und Emotionen teilen. Der Unterschied ist jedoch, dass die PC-Spiele oft schneller und wesentlich komplexer sind“, erläutert Raschek. Die größte Herausforderung sieht er in Situationen des Spiels, wo vieles gleichzeitig passiert, und er alles richtig erkennen, den Zusehern verständlich erklären und mit der richtigen Emotion wiedergeben muss. „Da muss man dann die wichtigsten Sachen herausfiltern. Das sind aber auch die Highlights, die mir extrem viel Spaß machen.“ Ein Arbeitstag als Caster kann - je nachdem wie viele Spiele kommentiert werden - bis zu elf Stunden dauern.

#Video: Markus Raschek alias Envy bei der Arbeit

#30.000 Zuschauer

Pro Spiel, das Raschek castet, sehen in Österreich hundert bis ein paar Tausend Fans zu. „Ich habe aber auch schon die Profi Liga LCS in Berlin bei ,Summoners Inn‘, der größten deutschsprachigen ,League Of Legends‘-Produktion, vor 30.000 Online-Zusehern gecastet“, betont der ehemalige Polizist. Nach der 1. Saison der A1 eSports League Austria von Februar bis Mai macht Raschek das Casten nun wieder als Nebenjob. Dabei wird er pro Spiel auf Honorarbasis entlohnt. „Ich nutze diese Zeit zudem immer, um mich weiterzubilden und beschäftige mich viel mit der Szene.“ Obwohl Raschek selbst nicht mehr so häufig zum Zocken kommt, ist „League Of Legends“ nach wie vor sein Lieblingsspiel. Aber auch „realen“ Sport macht er gerne, wie Tischtennis und Badminton.

#Üben, üben, üben

Wer jetzt auch Lust bekommen hat, das Kommentieren sein Lieblings-PC-Games zum Beruf zu machen, der hat es (noch) einfach. Casten ist (noch) kein anerkannter Beruf, zu dem es eine (noch) keine spezifische Ausbildung gibt. „Einfach viel üben und sich mit den Games beschäftigen. In Österreich hat man auch oft bei kleinen Turnieren die Möglichkeit mal casten zu dürfen. Einfach die Organisatoren anschreiben“, rät Envy.

Mai 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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