Fr, 16. November 2018

Nach Bauchstich:

28.04.2018 07:00

„Ich bin ihm überhaupt nicht böse“

Am Innsbrucker Landesgericht wurde am Freitag ein Prozess verhandelt, der tiefe Einblicke in die Dynamiken einer ungesunden Beziehung gab. Ein 54-Jähriger soll versucht haben, seine Lebensgefährtin durch einen Stich in den Bauch zu töten. Am Ende entschieden die Geschworenen auf grob fahrlässige Körperverletzung.

18 Jahre lang waren der Angeklagte und das Opfer ein Paar. Die Beziehung war geprägt von Streit, aber auch von Fürsorge. „Es war ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagte ein Zeuge aus. Zum Tatzeitpunkt, im Dezember, waren die beiden getrennt - sagte sie. Was er sagte, blieb bis zum Schluss vage. Immer wieder widersprach der Bosnier sich - vier Varianten gab es schließlich zur Auswahl. Dass er dabei, trotz Dolmetscher, einen zum Teil unverständliche Mix aus bosnisch und deutsch sprach, war dem Ganzen nicht unbedingt dienlich.

Die Alkoholkrankheit
Der 54-Jährige sei alkoholkrank, ein leichter geistiger Abbau schon erkennbar, so das psychiatrische Gutachten. Beim Tatzeitpunkt sei er betrunken gewesen, sein Urteilsvermögen aber nicht vollständig außer Kraft gesetzt. Den gegenseitigen Verletzungen - sie habe ihm mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen - ging ein Streit voraus.

„Nüchtern ist er lieb“
Den Stich in ihren Bauch bemerkte das Opfer laut eigenen Angaben gar nicht. „Ich habe nur bemerkt wie es warm und nass an meinem Körper wurde. Als ich an mir runter gesehen habe, war da Blut“, sagte die Kroatin aus. Trotz allem sei sie ihm überhaupt nicht böse, denn nüchtern sei er lieb, resümierte die Frau. Dass sie nicht in Lebensgefahr war, sei lediglich Glück gewesen, erklärte ein Gerichtsmediziner.

Keine Tötungsabsicht
„Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht“, so der Verteidiger und beantragte Freispruch. Die Frau habe ihn schließlich immer wieder aufgenommen - nach Angaben des Angeklagten sogar gebeten, immer wieder zu kommen. Am Ende setzte es 960 € Geldstrafe, zur Hälfte bedingt, wegen grob fahrlässiger Körperverletzung. Nicht rechtskräftig. Der 54-Jährige wurde noch am Freitag enthaftet.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Tirol
Aktuelle Schlagzeilen
Zeitzeugen berichten
Martin Ölz: „Der Tisch war immer voll“
Vorarlberg
Suchterkrankung
Alkohol ist keine Lösung
Gesund & Fit
Kämpft für Integration
Streitbare Lehrerin als „Krone“-Autorin
Österreich
Royale Stilikone
Das sind Herzogin Kates fünf Fashion-Tricks
Video Stars & Society
Gruppensieg möglich
Siegestor in Minute 93! Kroatien schlägt Spanien
Fußball International
3:0-Testspielsieg
Starke Deutsche lassen Russland keine Chance
Fußball International
Test in Dublin
Österreich-Gegner Nordirland holt 0:0 gegen Irland
Fußball International
0:0 gegen Bosnien
Ausgeträumt! Österreich für Gruppensieg zu harmlos
Fußball International
Guatemala chancenlos
Dabbur-Doppelpack bei 7:0-Sieg von Herzogs Israel
Fußball International
„Irgendwas verdeckt“
Untreue! Ex-Landesvize Pfeifenberger verurteilt
Österreich
Verfahren eingestellt
Keine Anklage gegen ORF-Moderator Roman Rafreider
Österreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.