Mi, 19. September 2018

Nach Bauchstich:

28.04.2018 07:00

„Ich bin ihm überhaupt nicht böse“

Am Innsbrucker Landesgericht wurde am Freitag ein Prozess verhandelt, der tiefe Einblicke in die Dynamiken einer ungesunden Beziehung gab. Ein 54-Jähriger soll versucht haben, seine Lebensgefährtin durch einen Stich in den Bauch zu töten. Am Ende entschieden die Geschworenen auf grob fahrlässige Körperverletzung.

18 Jahre lang waren der Angeklagte und das Opfer ein Paar. Die Beziehung war geprägt von Streit, aber auch von Fürsorge. „Es war ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagte ein Zeuge aus. Zum Tatzeitpunkt, im Dezember, waren die beiden getrennt - sagte sie. Was er sagte, blieb bis zum Schluss vage. Immer wieder widersprach der Bosnier sich - vier Varianten gab es schließlich zur Auswahl. Dass er dabei, trotz Dolmetscher, einen zum Teil unverständliche Mix aus bosnisch und deutsch sprach, war dem Ganzen nicht unbedingt dienlich.

Die Alkoholkrankheit
Der 54-Jährige sei alkoholkrank, ein leichter geistiger Abbau schon erkennbar, so das psychiatrische Gutachten. Beim Tatzeitpunkt sei er betrunken gewesen, sein Urteilsvermögen aber nicht vollständig außer Kraft gesetzt. Den gegenseitigen Verletzungen - sie habe ihm mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen - ging ein Streit voraus.

„Nüchtern ist er lieb“
Den Stich in ihren Bauch bemerkte das Opfer laut eigenen Angaben gar nicht. „Ich habe nur bemerkt wie es warm und nass an meinem Körper wurde. Als ich an mir runter gesehen habe, war da Blut“, sagte die Kroatin aus. Trotz allem sei sie ihm überhaupt nicht böse, denn nüchtern sei er lieb, resümierte die Frau. Dass sie nicht in Lebensgefahr war, sei lediglich Glück gewesen, erklärte ein Gerichtsmediziner.

Keine Tötungsabsicht
„Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht“, so der Verteidiger und beantragte Freispruch. Die Frau habe ihn schließlich immer wieder aufgenommen - nach Angaben des Angeklagten sogar gebeten, immer wieder zu kommen. Am Ende setzte es 960 € Geldstrafe, zur Hälfte bedingt, wegen grob fahrlässiger Körperverletzung. Nicht rechtskräftig. Der 54-Jährige wurde noch am Freitag enthaftet.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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