Mo, 20. August 2018

Rupertinum:

24.04.2018 06:39

Klar und Schonungslos

„I-Photo“ - japanische Fotografie 1960 bis 1970 aus der Sammlung:

Dass das Museum der Moderne mit 600 Werken von 21 Autoren über so eine umfangreiche Sammlung an japanischer Fotografie verfügt, ist dem ersten Direktor Otto Breicha zu verdanken. Inspiriert von einer Ausstellung im MoMA in N.Y. 1974, reiste Breicha ein Jahr später nach Japan, um dort mit Künstlern Kontakt aufzunehmen und mit ihren Werken 1977 in Graz eine Ausstellung zu arrangieren. Zwei Drittel dieser Schau sind im Bestand des MdM, der nun im Rupertinum erstmals vollständig beleuchtet wird.

Der erste Teil, „I-Photo“ beschäftigt sich mit gesellschaftlichem Wandel und Menschenbildern und zeigt 168 Vintage-Prints von 12 Fotografen wie Nobuyoshi Araki, Masahisa Fukase, oder Daidō Moriyama, die das alltägliche Leben in distanzierter Bildsprache klar und genau widerspiegeln.

„Vor 1945 kannte man aus Japan nur Klischeebilder von Geishas oder Teezeremonien. Nach dem zweiten Weltkrieg bricht in der zeitgenössischen japanischen Fotografie jedoch eine neue Ära an, die das Leben, den Wandel, und die damit verbundenen Ängste der Menschen klar und schonungslos zeigt. Der Inselstaat hat sich innerhalb von 20 Jahren in eine Technologiemetropole und Weltmacht verwandelt, insofern musste Tradition dem Fortschritt weichen“, klärt Kuratorin Christiane Kuhlmann auf. Akihide Tamura, der neben einem amerikanischen Militärstützpunkt aufwuchs und somit ständig mit der Möglichkeit eines Atomkriegs zwischen den USA und der Sowjetunion konfrontiert war, zeigt auf seinen Bildern Starts von Kampfjets aber auch Kinder von amerikanischen Soldaten, die scheinbar in der Dunkelheit verschwinden.

Auf „kopflose“ Familien, Ausflüglern oder Rocker trifft man bei Bishin Jumonji. „Sie symbolisieren die Aufgabe der japanischen Identität und Verwestlichung“, so Kuhlmann, die auch betont, dass die Fotografen ihre Arbeiten wie einen „Ich-Roman“ aufbauen, woraus sich auch der Titel der Ausstellung „I-Photo“, also „Ich-Fotos“ ableitet. Nicht nur Fukase machte sein eigenes Leben und das seiner Frau sichtbar. Auch Araki, der heute vor allem für seine Bondage-Fotos berühmt und berüchtigt ist, rückte seine Yoko in den Fokus. In dem Fotobuch „Sentimental Journey“ dokumentiert er ihre Hochzeitsreise, und in der „Winter Journey“ begleitet er sie mit der Kamera bis zu ihrem Tod.

„Persönliche Erlebnisse und die möglichst realitätsgetreue Darstellung dienten als Ausgangsmaterial für eine fiktive Geschichte.“ Diese Geschichten wurden nahezu ausschließlich in Fotobüchern verpackt, weil sich das Interesse an Ausstellungen in Japan, aber auch im Westen bis in die 80er in Grenzen hielt. Somit hat Breicha durchaus Pionierarbeit geleistet."

Breichas, wie auch alle anderen Sammlungen des MdM ausführlich zu beleuchten ist Ziel von Direktorin Sabine Breitwieser. Insofern positioniert sie ab Ende April auch die Sammlung der Generali Foundation, die Breitwieser vor 30 Jahren mitbegründete, bei einer großen Schau. Bis dahin kann man sich schon in die Geschichte im Studienzentrum im Rupertinum einlesen.

Tina Laske
Tina Laske

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