Skurriler Job

„Sprengmeister zu sein, ist nicht so spektakulär“

„Wenn jemand bei einer Sprengung dabei ist, ist er meistens enttäuscht, weil es nicht so spektakulär ist, wie man vielleicht denkt“, sagt Sprengunternehmer Günther Schadn. Seit 20 Jahren gehören Explosionen quasi zu seinem Alltag. Worauf es dabei wirklich ankommt und warum der Beruf eigentlich gar nicht gefährlich ist, hat er City4U erzählt.

Um eine Sprengung durchführen zu dürfen, muss man erstmal eine 14-tägige Grundschulung absolvieren. Danach folgen Aufbaukurse und die Praxisstunden mit erfahrenen Profis. In Österreich unterscheidet man zwischen Stein-, Metall-, Lawinen-, Unterwassersprengungen sowie dem Sprengen von Heißen Massen. Dabei machen Steinsprengungen 97 Prozent aller gewollten Detonationen des Landes aus, gefolgt von Lawinen.

#Purer Zufall

Durch seine Arbeit im Steinbruch Hengl Limberg im Weinviertel kam Günther Schadn vor 20 Jahren durch Zufall zum Sprengen. „Der Chef hatte so viel zu tun und wollte etwas Arbeit abgeben, also habe ich die Ausbildung begonnen. Mittlerweile habe ich meine eigene Firma“, erklärt der Niederösterreicher. Aufträge bekommt er vor allem von Steinbruchunternehmen. „Die anderen Arten der Sprengungen sind in Österreich ja praktisch kaum vorhanden“, erzählt Gerhard Bertow, Landesstellenleiter des österreichischen Sprengverbandes. Für Unterwassersprengungen braucht man die Berufstaucherausbildung. Dies wird vor allem von Spezialeinheiten der Polizei durchgeführt.

Die Planung ist in diesem Beruf am Wichtigsten. „Man muss alles besichtigen und genau vermessen. Heute macht man das mittels Laser. Am Computer kann man dann ein 3D-Modell mithilfe von GPS-Daten erstellen“, beschreibt Schadn. Ebenso wichtig ist, dass der Sprengstoff optimal ausgenutzt wird. Die Berechnungen im Vorfeld erfordern ein gutes Verständnis von Geometrie und Mathematik.

„Da man weiß, wie viel Sprengstoff in ein Bohrloch passt, kann man berechnen, wie viele Bohrlöcher man benötigt“, betont der 47-Jährige. Sind alle Bohrlöcher befüllt, werden entweder elektrische, nicht elektrische oder elektronische Zünder eingesetzt. Danach wird die Umgebung großflächig abgesperrt. Zwei kurze Signale bedeuten, dass die Sprengung nun unmittelbar bevorsteht. „Wenn alle Zünder ihre Aufgabe erfüllen, detonieren sie nacheinander in Millisekundenabständen.“

Aufgrund der Millisekundenzündung, kann darauf geachtet werden, dass die Erschütterung so gering wie möglich gehalten wird. Das größte Risiko der Steinflug. „Bei falscher Berechnung der Vorgabe oder Verlaufen der geplanten Bohrlochrichtung können die Steine bis zu einem halben Kilometer weit fliegen“, erläutert der Niederösterreicher. „Ansonsten ist Sprengstoff ziemlich handhabungssicher speziell die neunen Emulsionssprengstoffe. Sogar bei Feuer ist es sehr unwahrscheinlich, dass Sprengstoff ohne Zünder detoniert. In der Regel verbrennt dieser“, versichert Schadn.

Die größte Sprengung, die er je durchgeführt hatte, erfolgte im Steinbruch Hengl Limberg im Zuge eines Sprengseminars. „Dafür waren elf Tonnen Sprengstoff notwendig. Immerhin wurden 70.000 Tonnen Material abgesprengt“, bestätigt er nach einer komplizierten Rechnung. Generell sei sein Job weder so spektakulär, noch so gefährlich wie man als Außenstehender glaube. „Trotzdem muss ich sagen, dass viele, die einmal bei einer Sprengung zugesehen haben, dann immer wieder dabei sein wollen oder eben auch die Ausbildung absolvieren möchten.“

Früher hat das AMS Sprengkurse gefördert, was Schadn für nicht wirklich optimal hält. „Es gibt in Österreich etwa 30.000 bis 40.000 Menschen, die den Kurs absolviert haben, aber nur etwa 500 Sprengbefugte, die den Beruf auch ausüben.“ Vor allem Frauen sind rar in der Branche. Doch selbst Sprengbefugte dürfen nicht einfach etwas zum Explodieren bringen: „Der Sprengstoff wird von der Behörde zweckgebunden. Man muss den Grund für die Sprengung melden und hat dann eine gewisse Zeit, um sie durchzuführen. Tut man das nicht, muss man den Sprengstoff wieder abgeben.“

April 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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