Di, 21. August 2018

25% Migrantenanteil

12.04.2018 10:50

Deutschklassen: AHS-Lehrer fordern mehr Ressourcen

Kinder, deren Sprachkenntnisse für den regulären Unterricht nicht ausreichend sind, sollen ab kommendem Jahr in eigenen, verpflichtenden Deutschklassen unterrichtet werden. Dieses Vorhaben wurde bereits im Regierungsprogramm angekündigt und stößt weitgehend auf Zustimmung. Allerdings ist auch klar, dass die derzeit vorhandenen Ressourcen der Schulen nicht ausreichen. Dieser Ansicht sind auch die AHS-Lehrer des ÖAAB, die sich am Donnerstag mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet haben. Auch darin heißt es, dass zusätzliche Mittel notwendig sind, „um diese Aufgabe bewältigen zu können“. Der Grund: Der Anteil an Schülern, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, ist im vorigen Schuljahr über die 25-Prozent-Marke geklettert. Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrer forderte unterdessen eine Verschiebung der Einführung der Deutschklassen um ein Jahr.

Volksschüler, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, müssen künftig im Ausmaß von 15 Wochenstunden Deutschförderklassen besuchen, bei der Neuen Mittelschule bzw. der AHS-Unterstufe sind es 20 Wochenstunden. Wer daran teilnehmen muss, wird in einem Test ermittelt. Diese sogenannten außerordentlichen Schüler werden schließlich nach einem eigenen Lehrplan in Deutsch unterrichtet, für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden sie altersgemäß anderen Klassen zugeteilt.

Maximal vier Semester in der Deutschförderklasse
Nach jedem Semester wird dann überprüft, inwieweit die Kinder dem Regelunterricht mittlerweile folgen können. Dann sind drei Varianten möglich: Sind die Sprachkenntnisse „ausreichend“, kommt das Kind als „ordentlicher Schüler“ in die reguläre Klasse. Sind sie noch „mangelhaft“, wechselt es als weiterhin „außerordentlicher Schüler“ in die reguläre Klasse und erhält noch Sprachförderung im Ausmaß von sechs Wochenstunden. Bei ungenügenden Deutschkenntnissen verbleibt es in der Deutschförderklasse - allerdings maximal vier Semester.

Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund über 25 Prozent
In einem Schreiben an das Bildungsministerium und an das Parlament begrüßten die Lehrkräfte des ÖAAB, des Österreichischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbundes, am Donnerstag die geplanten Maßnahmen. Der Migrantenanteil in den Schulen sei im Schuljahr 2016/17 auf über 25 Prozent geklettert, auch die weitere Tendenz sei „stark steigend“. Der Stellungnahme zufolge umfasst die Gruppe der als außerordentliche Schüler eingestuften Kinder und Jugendlichen nur „einen Bruchteil der Schüler, die aufgrund ihrer sprachlichen Defizite massive Unterstützung bräuchten“.

Hunderte zusätzliche Lehrer nötig
Die Einführung von Deutschförderklassen könne deshalb „nur ein erster Schritt“ sein. Für die „Bewältigung dieser Aufgabe“ seien „zusätzliche Ressourcen“ nötig. Konkrete Vorschläge werden allerdings nicht genannt. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) war im Jänner bei der Präsentation seines Konzepts der verpflichtenden Deutschlassen von einem Mehrbedarf an 200 Lehrern ausgegangen, später war im Bildungsministerium von einem Bedarf von rund 440 Lehrern die Rede. Die Wiener SPÖ sprach zuletzt sogar von 500 zusätzlichen Lehrkräften.

Gewerkschaft der Pflichtschullehrer fordert Verschiebung um ein Jahr
Auch die Gewerkschaft der Pflichtschullehrer meldete sich am Donnerstag zu Wort und verlangte eine Verschiebung der Einführung der Deutschförderklassen um ein Jahr. „Da personelle, infrastrukturelle und ressourcenmäßige Details nicht erklärt sind, ist ein Start mit dem Schuljahr 2018/19 aus unserer Sicht als höchst problematisch anzusehen“, heißt es in deren Stellungnahme zum Begutachtungsentwurf.

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