Di, 26. März 2019
01.11.2009 18:36

BA-Tennis-Trophy

Jürgen Melzer holt sich den Turniersieg in Wien

Es ist vollbracht - Jürgen Melzer hat sich als erster Österreicher seit Horst Skoff im Jahre 1988 zum Sieger des ATP-Tennisturniers in der Wiener Stadthalle gekrönt. Der 28-jährige Niederösterreicher setzte sich am Sonntag im Finale gegen den topgesetzten Kroaten Marin Cilic, die aktuelle Nummer 13 der Welt, überraschend klar und deutlich in zwei Sätzen mit 6:4 und 6:3 durch.

Nach 92 Minuten riss Jürgen Melzer beide Arme in die Höhe und machte einen kleinen Knicks in Richtung Publikum. Endlich hatte er den dritten Matchball verwertet, endlich die lange Durststrecke des österreichischen Herren-Tennis in Wien beendet und endlich auch dem heimischen Publikum sein bestes Tennis gezeigt - abgesehen von seinem Titel 2006 in Bukarest war er sechs weitere Male in einem ATP-Finale gestanden, doch erst in seinem insgesamt achten durfte er wieder ganz am Schluss lachen.

"So schwierig, das Ganze in Worte zu fassen"
"Es ist etwas ganz Besonderes, in Österreich ein Turnier zu gewinnen. Ich habe in St. Pölten ein Finale verloren, in Kitzbühel ein Finale verloren - ich hätte alles am Platz gelassen, um dieses Finale zu gewinnen, das ist mir zum Glück gelungen", freute sich Melzer, der abermals eine ausgezeichnete Leistung gezeigt hatte. "Es ist so schwierig, das Ganze in Worte zu fassen. Man wird irgendwann aufwachen und realisieren, was ich eigentlich erreicht habe."

Obwohl er mit seinem zweiten Karriere-Turniersieg Thomas Muster, dem Allzeit-Helden des heimischen Tennissports, deutlich nachhinkt (Muster feierte insgesamt 44 Turniersiege), hat er ihn an diesem Wochenende freilich zumindest in einem Punkt distanziert: Muster schaffte es trotz dreier Finalteilnahmen in Wien (1988, 1993 und 1995) nicht, den Siegespokal zu holen.

Eine Auflistung aller österreichischen Turniersieger auf der ATP-Tour findest du in der Infobox!

Loser-Image mit Heimsieg in Wien abgestreift
Melzer hat sie nun jedenfalls, den Wiener Siegespokal und den 86.500-Euro-Siegerscheck, zudem 250 Punkte für die Weltrangliste und ein langes Siegerbusserl seiner Freundin Mirna Jukic. Melzer hatte in seiner Tennis-Karriere schon viele Enttäuschungen einstecken müssen, besonders wenn die Aufmerksamkeit der Fans in der Heimat stark auf ihm ruhte. Trotz komfortabler Führung noch Matches zu verlieren, wie heuer zum Beispiel beim Davis Cup in Garmisch-Partenkirchen, ließ dem Deutsch-Wagramer ein Loser-Image anhaften.

In Wien ging ihm jedoch der Knopf auf. Dabei hatte er am Wochenende vor dem Turnierbeginn noch über sein Antreten spekuliert, weil er eine Verletzung an der rechten Ferse erlitten hatte. "Für mich war es so, dass ich nicht wusste, ob ich überhaupt die Woche durchspielen kann. Ich habe höchstens immer nur eine halbe Stunde trainiert bis Dienstag", so Melzer.

Fersenverletzung verhindert Antreten in Basel
Sicher ist übrigens, dass Melzer zum Erstrunden-Duell mit Daniel Köllerer beim anstehenden Turnier von Basel nicht antreten wird. "Ich habe mit den Ärzten gesprochen. Ich habe es diese Woche dermaßen ausgereizt, ihr seht mich ja nur, wenn ich da drinnen stehe. Wie ich in der Früh aufstehe, ist eine andere Sache", sprach Melzer seine nicht auskurierte Fersenverletzung an.

"Es wäre dumm, da jetzt etwas aufs Spiel zu setzen, ich möchte in der Vorbereitung hundertprozentig fit sein." Melzer wird aber trotzdem nach Basel reisen müssen, um sich dort von einem ATP-Arzt diese Spielunfähigkeit bestätigen lassen. Für Österreichs Nummer 1, die nun höchstwahrscheinlich die Setzung für die Australian Open 2010 in Melbourne in der Tasche hat, ist diese Saison also damit vorbei.

Einen Steckbrief des frischgebackenen Wien-Siegers findest du in der Infobox!

ÖTV-Kapitän vergießt Tränen für den Sieger
"Ich habe auch die eine oder andere Träne verdrückt für Jürgen, weil es für ihn eine riesige Genugtuung ist. Er hat ja kein leichtes Jahr gehabt, die Anerkennung ist ihm auch nicht mehr so zuteil geworden", sagte ÖTV-Kapitän Gilbert Schaller. "Er ist in einer Weltsportart in der letzten Zeit permanent in der Weltspitze vertreten gewesen. Ich glaube, jetzt ist ein Schritt getätigt, der absoluten Weltspitze noch einen Schritt näher zu kommen. Was er jetzt in dieser Woche gezeigt hat, da muss man den Hut ziehen und es freut mich für ihn irrsinnig."

Kein "Double" für Jürgen Melzer
Am Abend gab es für den frischgebackenen Wien-Sieger freilich keinen Grund mehr zu besonderer Freude: An der Seite seines langjährigen Doppelpartners Julian Knowle setzte es für den 28-jährigen Deutsch-Wagramer gegen die austro-polnische Paarung Oliver Marach/Lukasz Kubot eine 6:2-4:6-9:11-Niederlage.

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