Mo, 17. Dezember 2018

Stoff für Kontroversen

07.04.2018 09:51

Kopftuchverbot auch für Pädagoginnen?

Die Bundesregierung will Mädchen in Kindergärten und in Volksschulen verbieten, Kopftuch zu tragen. Während muslimische Vertreter, aber auch Bildungslandesrätin Ursula Lackner (SP) ablehnend reagieren, begrüßt der für Bildung und Integration zuständige Grazer Stadtrat Kurt Hohensinner (VP) die Pläne. Er würde sogar noch weiter gehen und das Verbot auf Pädagoginnen ausdehnen.

Esad Memic, Fachinspektor für islamischen Religionsunterricht, will keinen Kommentar zum geplanten Kopftuchverbot abgeben. „Über Frauen sollen Frauen reden“, sagt er knapp. Er verweist auf die Stellungnahme der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), deren Vizepräsident er ist. Darin steht, dass man sich „mit aller Entschiedenheit“ dagegen wende.

Auch der Imam der in Bau befindlichen Moschee in der Grazer Laubgasse, Fikret Fazlić, sieht das Verbot kritisch, betont aber: „Im Koran steht nirgends, dass kleine Mädchen Kopftuch tragen müssen.“ Er bedauert, dass etwas, das „wirklich sehr, sehr selten“ vorkomme, so „hochgepusht“ werde.

Tatsächlich gibt es laut Stadtrat Hohensinner in Grazer Kindergärten gar keine und in Grazer Volksschulen nur vereinzelt Mädchen, die Kopftuch tragen. Trotzdem sei es ihm wichtig, hier „eine klare Linie“ zu ziehen, denn: „Das Kopftuch in diesem Alter wirkt integrationshemmend.“

Ihm geht das Verbot nicht weit genug. Aus seiner Sicht müsse man über ein Kopftuchverbot auch für Pädagoginnen nachdenken. Diese würden von Kindern als „wichtige Autoritäten“ angesehen. Hohensinner will verhindern, dass Kinder aus muslimischen Familien, die liberal und westlich orientiert sind und in denen die Mutter kein Kopftuch trägt, so zum Kopftuchtragen erzogen werden.

„Ein Kopftuchverbot alleine ist keine wirksame Integrationsmaßnahme“, sagt Landesrätin Lackner. Es brauche zusätzlich einen Ausbau der Schulsozialarbeit. Gerade in diesem Bereich würden aber Mittel gekürzt. „Außerdem gibt es noch viele Unklarheiten: Wer kontrolliert? Welche Konsequenzen gibt es?“

Ernst Grabenwarter
Ernst Grabenwarter

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