Zustand unverändert

Neue Grippe: Elfjährige "nicht über den Berg"

Österreich
27.10.2009 17:06
Der Zustand jener elfjährigen Südtirolerin, die am H1N1-Virus erkrankt ist und in Innsbruck behandelt wird, ist "weiterhin unverändert kritisch". Sie sei "nicht über den Berg", hieß es am Dienstag von der Universitätsklinik. Die Patientin aus Bozen bleibe wegen des Lungenversagens bis auf Weiteres an die Herz-Lungen-Maschine (ECMO) angeschlossen. Ihr Zustand könne dadurch stabilisiert werden, sei aber laut Medizinern "äußerst ernst".

Die Elfjährige wird weiterhin von einem interdisziplinären Team von Spezialisten auf der Intensivstation des Kinderzentrums am Landeskrankenhaus Innsbruck betreut. Das Mädchen war zuvor im Krankenhaus Bozen wegen akuter Atemnot behandelt worden. Als eine Beatmung mit Sauerstoff nicht mehr erfolgreich war, wurde das Kind nach Innsbruck überstellt.

Am vergangenen Mittwoch hatte sich die Elfjährige mit Grippesymptomen an ihren Hausarzt gewandt, der sie ins Krankenhaus überwies. Im Spital verschlechterte sich ihr Zustand aber weiterhin sehr rasch. Schließlich wurde das Mädchen nach Innsbruck überstellt.

Leidet die Elfjährige an einer "Superinfektion"?
Nicht kommentieren wollte man in Innsbruck, dass die Boznerin an einer bakteriellen "Superinfektion" leide. Diese Vermutung hatte der Wiener Infektiologe Christoph Wenisch vom Kaiser-Franz-Josef-Spital am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz in Wien geäußert. Wenisch meinte nach einem Telefonat mit den Ärzten der Elfjährigen, dass von einer Staphylokokken-Superinfektion ausgegangen werde. Eine endgültige Diagnose stehe noch nicht fest, die Vermutung sei allerdings naheliegend.

Durch die Aktivierung beim Kampf gegen das H1N1-Virus werde das Immunsystem geschwächt, erklärte der Mediziner, der im April den ersten österreichischen Neue-Grippe-Fall behandelte. "Dadurch wird die Schleimhaut anfälliger für Bakterien." Als Begleiterscheinung könnte als Folge leichter ein zweiter Infektionsherd auftreten.

"Zwei Kriegsschauplätze für das Immunsystem"
Das Problematische laut Wenisch: "Dann hat man zwei Kriegsschauplätze für das Immunsystem." Hinzu komme, dass gegen eine Virus-Erkrankung eine andere Abwehr als gegen Bakterien notwendig sei. "Eine virale Anti-Immunreaktion schwächt jene gegen Bakterien", betonte Wenisch.

"Das ist das, was wirklich gefürchtet ist", betonte der Infektiologe im Hinblick auf die derzeit in Österreich unauffällige neue A(H1N1)-Influenza. "Die Grippe an sich bringt ja niemanden um. Man sagt salopp: Wenn einen die Grippe erwischt, bringt einen die bakterielle Superinfektion um." Dementsprechend seien bei jungen Schweinegrippe-Patienten Begleiterscheinungen im Sinne von Bakterien-Infektionen die Haupt-Todesursache. Ältere Personen und chronisch Kranke mit schwachem Herz-Kreislauf-System würden auch an anderen Ursachen sterben.

Überstellung nach Innsbruck eine "heroische Tat"
Die Elfjährige aus Südtirol sei vor der Erkrankung jedenfalls "perfekt gesund" gewesen. Ihre Überstellung von Bozen nach Innsbruck bezeichnete Wenisch als "heroische Tat", die vermutlich wegen einer in der Tiroler Klinik vorhandenen speziellen Herz-Lungen-Maschine notwendig gewesen sei. "Der Transport eines Intensiv-Patienten ist immer ein Risiko."

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