Sa, 23. Juni 2018

Große Verwirrung

30.03.2018 06:48

Libyen: Bürgermeister von Tripolis „entführt“?

Verwirrung in Libyen: Der Bürgermeister der Hauptstadt Tripolis ist nach Angaben der Justiz am Donnerstagabend in Polizeigewahrsam genommen und verhört worden. Einen Grund dafür nannte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft nicht. Zuvor hatte der Stadtrat mitgeteilt, Bürgermeister Abdulrauf Hassan Beitelmal sei von unbekannten Bewaffneten „entführt“ worden. Genauere Angaben dazu gab es nicht. Freitagfrüh schließlich kam Beitelmal wieder auf freien Fuß.

Laut dem Stadtrat seien Kidnapper am Mittwochabend in Beitemals Haus eingedrungen und hätten ihn „mit Waffengewalt“ verschleppt. Die Täter seien nicht bekannt und hätten keine Forderungen gestellt. Der Stadtrat forderte Libyens international anerkannte Regierung auf, sich „unverzüglich“ für Beitelmals Freilassung einzusetzen. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft sagte dagegen, Beitelmal sei von der Polizei verhört worden. Aus Sicherheitskreisen in Tripolis verlautete, der Stadtchef sei wegen einer Korruptionsaffäre „festgenommen“ worden.

Später veröffentlichte der Stadtrat eine weitere Erklärung, in der er einen „Versuch“ anprangerte, „die Entführung zu vertuschen und die Öffentlichkeit zu täuschen“. Der Bürgermeister und zwei seiner Kinder seien während der „Entführung“ körperlich angegriffen worden. Ein Mitglied des Stadtrats sagte, der Bürgermeister habe keine Vorladung zu einem Verhör erhalten.

Auch UN-Mission „beunruhigt“
Auch die UN-Mission in Libyen sprach von einer „Entführung“ und warnte vor weiteren derartigen Fällen. Sie rief alle Akteure in dem Land auf, diese „beunruhigende Tendenz in Tripolis und anderswo in Libyen klar zu verurteilen“. Der britische Botschafter in Libyen, Frank Baker, ortete ebenfalls eine Entführung und zeigte sich „sehr beunruhigt“. Das „organisierte Verbrechen“ sei eine große Bedrohung für die libysche Bevölkerung.

Seit dem Sturz von Libyens langjährigem Machthaber Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. Die international anerkannte Regierung in Tripolis übt über weite Teile Libyens keine Kontrolle aus. In zahlreichen Gebieten haben bewaffnete Milizen das Sagen. In Tripolis hatte sich die Sicherheitslage seit vergangenem Sommer verbessert. Damals hatten Regierungstruppen mit verbündeten Milizen ihre Rivalen aus der Stadt vertrieben. Entführungen sind aber nach wie vor häufig.

 krone.at
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