Danube Dragons Ladies

„Football ist ein Sport für alle Frauen“

Wenn man an Football denkt, denkt man vor allem an Amerika und starke, muskelbepackte Männer. Kommen einem in diesem Zusammenhang Frauen in den Kopf, dann meistens als Cheerleader. Doch auch Damen spielen den taktischen Vollkontaktsport. In Wien sind das unter anderem die Ladies der Danube Dragons. „Sie stehen den männlichen Kollegen in so gut wie nichts nach“, weiß ihr Coach und Footballspieler Peter Jeschko. City4U war bei einem Training dabei.

„Ich finde es schade, dass Frauen im Football nicht richtig ernst genommen werden, generell im Sport. Sie müssen immer noch mehr leisten als Männer. Mir wäre es am liebsten, wenn es weniger Thema wäre ob Mann oder Frau, sondern es einfach nur um die Athleten gehen würde“, sagt Livia im City4U-Talk. Die Crossfit-Trainerin kam vor einem Jahr ins Football-Team der Danube Dragons. Auch an diesem Abend treibt sie die Sportlerinnen an, während sie Fragen beantwortet. „Ich habe bei den Jungs angefangen zu spielen. Das hat mir auch gut gefallen, denn dort wurde ich als Mensch gesehen und akzeptiert. Wir sind alle Footballer, egal ob Mann oder Frau“, bekräftigt die 29-Jährige.

„Die Damen sind zwar nicht ganz so schnell wie die Herren, aber sie sind auf jeden Fall viel schmerzresistenter. Die Frauen spielen noch mit Verletzungen weiter, bei denen die Männer schon längst aufgegeben hätten“, sagt Coach Jeschko stolz und ergänzt: „Wenn wir manchmal beim Training zu wenig sind, spiele ich eine Aushilfsposition und muss zugeben, da tue ich mir dann auch schon schwer mit ihnen mitzukommen.“ Wie fit die Damen sind, zeigen sie beim Crossfit. Eine Übung nach der anderen wird durchgezogen. In den wenigen Sekunden der Pause, stehen sie Rede und Antwort und sind nicht einmal aus der Puste.

Maria, die seit 2015 im Team spielt, meint: „Football ist ein Sport für alle. Egal welche körperlichen oder geistigen Voraussetzungen man mitbringt, es gibt für jede eine Position.“ Dem schließen sich die anderen Ladies an. Denn auf die Frage, warum sie Football mögen, antwortet jede Spielerin, dass es ein Sport für alle sei. Die 16-jährige Katharina spielt die Position des Linebacker und ist schon seit vier Jahren dabei. „Ich liebe es, Leute umzuhauen“, lacht sie. Ihre schlimmste Verletzung war ein gebrochener Wirbelbogen.

Schwere Verletzungen stehen in diesem Spiel aber nicht an der Tagesordnung. Die 54-jährige Tina spielt heuer ihre 19. Saison - sie begann mit 36 Jahren. Obwohl sie die Älteste im Team ist, denkt sie nicht ans Aufhören: „Solange ich mithalten kann mit den Jungen, mache ich weiter. Das Spiel ist einfach nie langweilig. Es ist für Körper und Kopf.“ Im Football bestimmt weder das Alter noch die Figur über das Dabeisein. „Für jede Körpergröße und Form gibt es eine Position. Eine gewisse Grundathletik sollte man schon mitbringen, jedoch ist die Einstellung zum Trainieren das Wichtigste“, betont Teammanager Christian Weichhart.

Das Spiel ist sehr strategisch, sozusagen das Schach auf dem Feld. „Ich hatte früher auch das Vorurteil, dass Football nur eine Bumbum-Haudrauf-Sportart für Gorillas ist. In Wahrheit ist es aber wie Schachspielen. Alles geht auch nur gemeinsam“, beschreibt Livia. „Es ist ein extrem taktischer Sport. Das Regelwerk umfasst über 200 Seiten“, sagt Weichhart und Coach Jeschko ergänzt: „Das ist der Teamsport schlechthin.“

Die 28-jährige Nina, die seit fünf Jahren dabei ist, spielte schon in mehreren Positionen: Running Back, Receiver oder Cornerback. „Es ist perfekt um Frust oder Aggressionen abzubauen, wenn man am Feld steht und den Gegnern seine Meinung aufzwingt.“ Auch Regina liebt ihren Sport: „Es ist ein super Ausgleich und gut, um sein Selbstbewusstsein zu stärken.“ Damen werden übrigens stets gesucht. „Das Klischee vom typischen Mannsweib, das Football spielt, ist einfach falsch. Vom Püppchen bis zur gestandenen Frau ist für jeden etwas dabei. Die Kondition kommt dann von selbst“, spricht Regina aus Erfahrung.

„Wir holen die Damen dort ab, wo sie gerade sind. Man kann auch einige Male schnuppern kommen, bevor man sich entscheidet, ob man ins Team möchte“, bekräftigt Jeschko. Es gibt auch Positionen, die nicht zu viel in Kontakt sind. „Das Dominante macht aber dann am meisten Spaß“, schmunzelt Nina. Was sich das Team der Danube Dragons Ladies wünscht? „Mehr Spielerinnen, denn wirklich jede findet ihren Platz. Mehr Medieninteresse und mehr Toleranz. Sie arbeiten hart und sind tolle Athletinnen. Es soll nicht immer heißen: ‘Na das ist doch kein Frauensport‘“, so Weichhart verärgert.

Wer jetzt Lust bekommen hat - das Team der Danube Dragon Ladies freut sich auf neue Spielerinnen. Alter, Figur oder Vorkenntnisse sind nicht von Bedeutung. Eine gewisse Sportlichkeit sollte man mitbringen, aber man sollte es unbedingt ausprobieren. Das nächste dedizierte Training zum Schnuppern findet am 2. Mai um 20 Uhr statt. Interessierte Damen können aber jederzeit bei einem der Feldtrainingseinheiten jeden Montag und Mittwoch um 20 Uhr am Feld des SV Aspern im 22. Bezirk schnuppern. „Einfach melden und Freude an der Bewegung mitbringen“, ermutigt Coach Jeschko.

März 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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