Mo, 21. Jänner 2019

Details zum Baby-Drama

25.03.2018 10:37

Buggy losgelassen, um Trinkflasche aufzuheben

Es war ein Unfall, der an Tragik kaum zu überbieten ist. Das veranschaulichen neue Details im Fall des am Bahnhof Puch gestorbenen Mädchens (1). Demnach hat die Mutter (24) den Buggy festgehalten als an jenem 4. Oktober der Güterzug vorbeibrauste. Sie ließ ihn aber los um die Trinkflasche ihres Sohnes (3) aufzuheben.

Genau in diesem Moment, als bereits der 16. Wagon des Güterzuges durch den Bahnhof fuhr, erfasste ein Luftwirbel den Zweisitzer-Buggy und ließ ihn umkippen – samt dem Baby, das folglich an den Verletzungen starb. 15 Sekunden vorher, als die Lok den Bahnsteig erreichte, hatte die Frau ihre Hand noch am Kinderwagen und hielt diesen fest. Sie ließ den Buggy erst los als dem Sohn seine Trinkflasche aus der Hand fiel. Als sie diese aufhob, passierte das Unglück. Das zeigen nämlich die Videos der Überwachungskamera.  

Gegen die junge Mutter wird nach wie vor wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt – das Verfahren wurde von Amts wegen eingeleitet. „Strafrechtlich ist zu prüfen, ob der Mutter eine Verletzung der Aufsichtspflicht vorzuwerfen ist“, fasst Marcus Neher, Sprecher der Salzburger Staatsanwaltschaft, den genauen Grund der Ermittlungen zusammen.  Noch möchte sich die Staatsanwaltschaft nicht festlegen, ob die Frau angeklagt wird. Ein Gutachten aus dem Eisenbahnwesen ist nämlich noch ausständig, sagt Neher.

Dabei gäbe es für die betroffene Einheimische auch noch die Möglichkeit einer Diversion – noch bevor es zu einem Prozess bzw. einer Anklage kommt. Diese findet sich im § 198 der Strafprozessordnung (StPO). Diesen Gesetzes-Passus gibt es übrigens erst seit 1. Jänner 2016: „Dadurch wird eine Diversion bei einer fahrlässigen Tötung durch nahe Angehörige ermöglicht, wenn diese psychisch schwer belastet sind“, bestätigt Universitäts-Professor Hubert Hinterhofer.  Anlassfall war eine Tragödie in Wien aus 2002: Damals stürzte ein Kind in einen Liftschacht, die Mutter musste angeklagt und verurteilt werden. „Man hat das gemacht, weil eine Verurteilung in solchen Fällen einfach keine Wirkung zeigt.“

Derzeit liegt der Akt am Oberlandesgericht Linz: wegen einer Beschwerde. Es geht um die Frage, ob die ÖBB ihre Unterlagen dem Sachverständigen zur Verfügung stellen muss. Offenbar möchte die staatliche Eisenbahngesellschaft dies nicht tun. Mit der Begründung, dass möglicherweise interne Informationen weitergegeben werden. Deshalb hängt der Fall noch in der Luft.

An sich hat die ÖBB bestätigt, dass der Güterzug damals nicht schneller als die erlaubten 100 km/h fuhr. Als Reaktion auf den Unfall installierten sie Schlaufen am Bahnsteig. Auch eine Website PASS AUF DICH AUF wurde lanciert.

Antonio Lovric
Antonio Lovric

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Superstar als Joker
Barcelona besiegt Leganes vor allem dank Messi!
Fußball International
Braucht nur ein Tor
Bald-36-Jähriger neuer Rekordaspirant in Italien
Fußball International
Gegen Fulham
Tor in 92. Minute! Tottenham siegt auch ohne Kane
Fußball International
Finale knapp verloren
Super! Hockey-Juniorinnen holen Silber bei EM
Sport-Mix
England-Aufschrei
Vom eigenen Fan getreten, wo es am meisten Weh tut
Fußball International
Schalke erkämpft Sieg
2:1! Caligiuri und Schöpf fertigen Wolfsburg ab
Fußball International
Per Heli ins Spital
Unfall auf Skipiste: Bub (6) schwer verletzt
Steiermark
Zwei Tino-Assists
3:1! Lazaro und Co. spielen „Club“ schwindlig!
Fußball International
Bestes Weltcupresultat
Friedrich holt Igls-Double - Treichl im Vierer 9.
Wintersport
3:0 bei Trainerlosen
Mancity gibt sich gegen Huddersfield keine Blöße!
Fußball International
„Wie viele noch?“
Große Wut und tiefe Trauer nach Mord an Manuela
Niederösterreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.