So, 24. Juni 2018

Galerie Ropac:

24.03.2018 07:28

Sir Gormley eröffnet neue Perspektiven

Der britische Bildhauer präsentiert „Polyhedral Sculptures“:

Während seine 100 mannshohen Eisenmänner in über 2000 Meter Höhe im Vorarlberger Lechquellengebirge von 2010 bis 2012 für Aufsehen sorgten, verwechselten besorgte Bewohner Antony Gormleys lebensgroße Ebenbilder, die er auf Wolkenkratzern im Finanzdistrikt von Hongkong positionierte, sogar mit potenziellen Selbstmördern.

Dabei wollte der britische Bildhauer mit seinen 31 Skulpturen doch nur einen Perspektivenwechsel erreichen und zum Innehalten animieren – bloß einmal kurz den Blick nach oben richten, und sich so für einen Moment in einen Tagtraum flüchten.

In der Galerie Ropac präsentiert der Turner-Preisträger nun unter dem Titel „Earth Body“ seine Polyhedral Sculptures (polyedrische Skulpturen), bei denen er die Anatomie des menschlichen Körpers in eng ineinander verschachtelte, scharfkantige, polygonale Zellen übersetzt. Er reduziert das Körpervolumen zum Teil auf ein Minimum, um so den Fokus auf die innere Empfindung zu legen.

Gormley, der die Körperhaltung als „Sprache vor der Sprache“ beschreibt, lädt den Betrachter ein, auf emphatische Weise unterschiedliche emotionale Facetten auf das Werk zu projizieren. „Man soll den Körper als einen Ort erkennen, in dem Gedanken, Empfindungen und Emotionen entstehen, und nicht als Objekt der Idealisierung oder Repräsentation.“

Die in sich zusammengekauerten, am Kopf stehenden, am Boden liegenden oder an der Wand lehnenden Figuren deuten mit ihrer rostigen Oberflächen, aber auch auf unsere eigene Vergänglichkeit hin, und zwingen uns so über unser Position in einer schnelllebigen Gesellschaft und Welt nachzudenken.

„Es ist beeindruckend, dass man einen Menschen auf so ein Minimum reduzieren kann, ihn aber dennoch nichts von seiner Ausstellungskraft raubt“, befand Architekt Hans Scheicher unlängst bei der Vernissage.

Dass Gormleys Skulpturen, die bis zu einer halben Tonne wiegen und mit einem Minikran in der Galerie am Mirabellplatz arrangiert wurden, dennoch äußerst zart und fragil erscheinen, beeindruckte den Salzburger Bildhauer Hans Weyringer. „Sie sind echt, eigenständig und ehrlich, da braucht man nichts mehr hineinzuinterpretieren!“

Auch der kaufmännische Direktor der Festspiele Lukas Crepaz ist von Sir Antony Gormleys Werk, das er von seinem Vorarlberger-Projekt „Horizon Field“ noch bestens in Erinnerung hat, begeistert. „Er ist einer der wichtigsten Bildhauer unserer Zeit, toll, dass man sein Schaffen in so umfangreicher Form nun in der Galerie Ropac in Augenschein nehmen kann.“ Er betonte aber auch, wie wichtig es ist, dass sich die bildende und darstellende Kunst in Salzburg gegenseitig so wunderbar befruchtet.

Tina Laske
Tina Laske

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