21.03.2018 08:46 |

„Flitterwochen“ vorbei

Toto Wolff: Kritisches Jahr für Liberty Media

Nach einer ausgedehnten Eingewöhnungsphase steht die neue Formel-1-Eigentümerfirma heuer in der Pflicht. Liberty Media müsse dieses Jahr beginnen, angekündigte Vorhaben zu realisieren, sagte Toto Wolff. „Es ist eine Sache, Ideen zu haben, aber es ist die andere Sache, sie richtig umzusetzen, dass sie funktionieren“, erklärte der Mercedes-Motorsportchef. Die Aufgaben sind vielfältig und zahlreich.

Bisher hat der US-Konzern vor allem Detailfragen angepackt und Maßnahmen von überschaubarem Umfang durchgebracht. So gibt es großzügigere Regeln, was Social-Media-Aktivitäten und den Zugang von Fans zu den Fahrern betrifft, gleichwohl wurden die TV-Übertragungen der Rennen durch neue Kameraperspektiven und grafische Ideen aufgepeppt. „Sie haben jetzt ein Jahr gehabt, wo sie sich das angeschaut haben, wo sie die eine oder andere Idee einmal implementiert haben“, meinte Wolff.

Als große Entwürfe lassen sich die genannten Vorstöße aber nicht wirklich einordnen. Dass er von der Abschaffung der Grid Girls nicht viel hält, daraus machte Wolff kein Hehl. Für den langjährigen Szene-Insider geht es vielmehr um wirtschaftliche Kennzahlen. „Können Sie den Umsatz steigern und den Gewinn steigern? Das ist für die Teams sehr wichtig. Und können sie die Formel 1 expandieren? Können Sie neue Zielgruppen gewinnen, ohne die traditionellen Zielgruppen zu verlieren?“, zählte Wolff auf.

„Gut, dass jetzt investiert wird“
2017 war finanziell gesehen ein Rückschritt für die Formel-1-Gruppe. Die veröffentlichten Zahlen weisen weniger Einkünfte aus, wodurch auch weniger Geld an die Teams ausgeschüttet wurde. „Sie haben 2017 eine Phase der Investition gehabt, jetzt sollte man 2018 da schon wieder einen Schritt nach vorne sehen“, gab sich Wolff aber optimistisch. Dass Liberty Media verstärkt die einzelnen Teams zur Kassa bittet, um gemeinsame PR-Events zu finanzieren, stört ihn nicht sonderlich. „Es ist gut, dass jetzt investiert wird“, stellte er nüchtern fest.

Eine weitere Herausforderung, die Liberty Media bewältigen müsse, ist für den Wiener der Übergang vom rein linearen Fernsehen ins Zeitalter der multiplen Angebote auf mehreren Kanälen. „Das ist nicht trivial“, betonte Wolff. Im Laufe des Jahres geht eine hauseigene Streaming-Plattform der Formel 1 an den Start, auf der die Rennen live verfolgt werden können. „Das wird interessant, wie gut das funktioniert.“ Auch „interessante Verträge“ mit den digitalen Riesen der Sorte Amazon, Google oder Netflix würde er sich wünschen.

Vor diesem Hintergrund „ist das Jahr 2018 sicher sehr wichtig für Liberty“, fasste Wolff zusammen. Ratschläge möchte er keine geben, weil das von außen immer einfach sei. Zudem merkte er an, dass Liberty Media in vielerlei Hinsicht enge Grenzen gesetzt seien. „Ich glaube, es gibt Dinge, die sie in den nächsten Jahren nicht beeinflussen können. Dazu gehört der sportliche Wettkampf. Die Performance der verschiedenen Teams ist so, wie sie ist.“

Dennoch gebe es noch genug Bereiche, wo das Unternehmen aktiv werden und seine Kompetenz produktiv ausspielen könnte. Jene Schonfrist, die im ersten Jahr noch gewährt worden ist, ist für Wolf jedenfalls vorbei. „Ich würde sagen, zwölf Monate ‘Honeymoon‘ - das ist in Ordnung, dass man sich eingewöhnt, kennenlernt und den Sport versteht. Jetzt geht es darum, dass man es umsetzt.“

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