Do, 13. Dezember 2018

Forscher sagt:

21.03.2018 06:15

Vielfalt der Online-Welt ist vielen zu viel

Facebook, WhatsApp, Twitter, Snapchat – die digitale Vielfalt wird immer größer. Doch die schöne, neue Online-Welt ist vielen zu viel. Das sagte der Jugendforscher und Soziologe Bernhard Heinzlmaier bei der Linzer Jugendtagung des Instituts Suchtprävention und des Vereins I.S.I. Streetwork in der Fachhochschule OÖ.

Fast jeder hat ein Smartphone, speziell die Jungen sind auch pausenlos online. Wie sich die immer mächtiger werdende digitale Welt auf unseren Alltag auswirkt, erklärte der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier in seinem Vortrag bei der Linzer Jugendtagung. Seine Thesen: Die zwischenmenschliche Kommunikation wird immer mehr auf Text und Bilder reduziert, das direkte Gegenüber fehlt – dadurch gibt es pausenlos Missverständnisse. Das digitale Medium ist ein Affektmedium: Wer viel online ist, wird ständig angeregt, erregt und gereizt.

„Komme kaum mehr dazu, einen Gedanken zu Ende zu denken“
Heinzlmaier nahm sich selbst als Beispiel: „Seit eineinhalb Jahren bin ich auf Twitter aktiv. Ich schreib’ hin und her, komme kaum mehr dazu, einen Gedanken zu Ende zu denken.“ Und: Die digitale Welt ist narzisstisch, die Versuchung, sich durch Selbstdarstellung in den Mittelpunkt zu stellen, ist riesig. Heinzlmaier: „Jeder macht sich wichtig, aber keinen interessiert’s“.

Konzentrieren wird schwieriger
Was sind die Folgen? Wer ständig nur auf Bildschirme glotzt, verlernt, in die Tiefe zu gehen. Bloße Konzentration auf eine Sache fällt immer mehr Leuten schwer. Digital leben bedeutet auch, distanziert zu sein. Man kennt sich oberflächlich, geht aber engen Bindungen aus dem Weg. Dadurch fällt es auch leichter, jemanden zum Beispiel mit Hass-Postings zu verletzten, denn man sieht das Opfer nicht direkt.

Soziologe Bernhard Heinzlmaier sagt, dass Kinder es früher schon leichter hatten, weil das Medienangebot viel geringer war.

„Krone“: Die Kindheit ist auch nicht mehr das, was sie war.
Bernhard Heinzlmaier: Ich bin 58. Als ich sechs Jahre alt war, gab’s am Mittwoch den Kasperl, das war das ganze TV-Angebot für Kinder. Als ich mit sieben die Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ gesehen hat, hab’ ich mich so gefürchtet, dass ich mich übergeben habe.

„Krone“: Das hat sich geändert.
Heinzlmaier: Die Kinder sind durch das dauernde Überangebot desensibilisiert. Wenn sich heute ein Siebenjähriger über „Mit Schirm, Charme und Melone“ so aufregt, hat er ein Problem mit seiner Widerstandsfähigkeit und wird therapiert.

„Krone“: Was können Eltern machen, damit Kinder nicht ständig überflutet werden?
Heinzlmaier: Verbieten bringt nichts. Was Eltern tun können, ist gemeinsam mit den Kindern aktiv sein, spielen und raus gehen. Eltern sind immer Vorbilder.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

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