Flucht mit Motorrad

Polizist muss nach tödlichem Schuss auf Dieb vor Gericht

Österreich
16.10.2009 16:09
Inmitten der Diskussion, ob im Fall des getöteten 14-Jährigen in Krems der Waffengebrauch der Polizisten gerechtfertigt war, lässt die Justiz mit einer brisanten Entscheidung aufhorchen: Jener Polizeibeamte, der am 8. August 2008 im niederösterreichischen Wetzelsdorf einen flüchtigen Motorraddieb erschossen hat, wird wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang vor Gericht gestellt.

"Eine Anklage in diese Richtung ist in Vorbereitung", sagte Michaela Schnell, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, am Freitag. Sollte der Beamte schuldig gesprochen worden, droht ihm eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren.

Die Entscheidung, den Polizeibeamten vor Gericht zu stellen, kommt überraschend. Denn ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens vorgeschlagen. Bei der Oberstaatsanwaltschaft fand der entsprechende Vorhabensbericht allerdings keine Zustimmung.

Dem Vernehmen nach soll sich vielmehr eine Oberstaatsanwältin eingehend mit dieser Causa auseinandergesetzt und schließlich selbst einen Strafantrag verfasst haben. In diesem schlug sie vor, nicht bloß Anklage in Richtung fahrlässiger Tötung zu erheben. Ihr erschienen die Indizien ausreichend, um ein unabhängiges Gericht beurteilen zu lassen, ob ein Vorsatzdelikt vorliegt. Dieser auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang lautende Entwurf wurde nach äußerst langwieriger Prüfung im Justizministerium schließlich genehmigt.

Biker flüchtet bei Routinekontrolle
Der Polizist hatte sich in den frühen Morgenstunden mit einem Motorradfahrer konfrontiert gesehen, der zuvor schon mehrere Straßenbahnsperren durchbrochen hatte. Der 46-jährige Biker war bei Gaweinstal in eine Routinekontrolle der Polizei geraten, worauf er Gas gab und eine Amokfahrt startete. Wie sich später herausstellte, war das Motorrad am Vortag in Wien gestohlen worden.

Auf seiner Flucht raste der Mann mit hoher Geschwindigkeit an einem quer auf der Fahrbahn abgestellten Einsatzfahrzeug der Polizei vorbei. Der Abstand zwischen Polizeifahrzeug und dem Straßenrand betrug nur rund einen Meter. Als der Motorradfahrer mit dem 180 PS schweren Motorrad auf einen 26 Jahre alten Polizisten zukam und diesen angeblich sogar streifte, zog dieser seine Dienstwaffe und gab zwei Schüsse ab. Der erste - offenbar ein Warnschuss - ging in die Luft, der zweite traf den 46-Jährigen in den Rücken. Das Projekt durchschlug Niere, Leber und Herz.

"Beutelager" in Bauernhaus
Wie die Ermittlungen ergaben, fanden sich in einem Bauernhaus des Getöteten in Drasenhofen mehrere als gestohlen gemeldete Zweiräder. Es soll sich dabei um eine Art "Beutelager" gehandelt haben. Der 46-Jährige hatte zudem mehrere Vorstrafen.

Der Schütze erklärte in seiner Einvernahme, er habe bewusst auf den Hinterreifen der gestohlenen Yamaha gezielt. Im Gutachten des Schieß-Sachverständigen ist von einem "geringgradigen Fehlschuss" die Rede. Fest steht allerdings, dass der Polizist im Moment der Schussabgabe nicht wusste, dass das Bike gestohlen war. Die Oberstaatsanwaltschaft Wien hat deshalb Zweifel, ob es im Hinblick darauf gerechtfertigt war, in Richtung des 46-Jährigen zu schießen.

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