Solidarität gezeigt

2.000 Teilnehmer bei Kindergarten-Demo am Ring

Wien
17.10.2009 16:06
Rund 2.000 Menschen haben sich Veranstalterangaben zufolge am Samstag zu einer Demonstration für bessere Rahmenbedingungen in den Kindergärten in Wien eingefunden. Aufgerufen dazu hatte eine Plattform von Interessensvertretungen, die unter anderem geringe Bezahlung, Personalnotstand und Platzmangel vor allem in den Wiener Einrichtungen beklagen.

"SOS Kindergarten - Aktion Aufschrei" war das Motto des Demonstrationszugs, der sich im Wiener Museumsquartier versammelte und dann Richtung Friedrich-Schmidt-Platz aufbrauch, wo hinter dem Rathaus die Schlusskundgebung stattfand. "Mit 2.000 bis 2.5000 Teilnehmern sind unsere Erwartungen weit übertroffen worden", sagte die Mitorganisatorin Martina Petzl-Bastecky. Angemeldet gewesen war die Demo für einige Hundert Leute. "Es sind auch viele Berufsgruppen aus dem Sozialbereich dabei, die die Aktion unterstützen." Auch viele Familien seien gekommen, "das freut uns sehr, dass sie sich mit uns solidarisieren und damit unseren Bedürfnissen Gewicht verleihen". Nächster Schritt ist am 21. November ein Aktionstag.

SPÖ für "überall gleich hohe Qualitätsstandards"
Die SPÖ unterstrich am Samstag einmal mehr ihren Wunsch nach einem österreichweit einheitlichen Rahmenbedingungen für Kinderbetreuungseinrichtungen was Gruppengröße, Betreuungsschlüssel und Ausbildung angehe. Derzeit ist ja Kinderbetreuung grundsätzlich Ländersache. SP-Familiensprecherin Gabriele Binder-Maier trat für "überall gleich hohe Qualitätsstandards" im Kindergartenbereich ein.

Weitere Bilder von der Protestaktion: siehe Infobox!

ÖVP-Familientaatssekretärin Christine Marek sieht problematische Zustände vor allem Wien, dort wurde "mit dem Gratiskindergarten für alle eine 180-Grad-Wende vollzogen. Dadurch braucht es mehr Personal und Platz". In eine ähnliche Kerbe schlug die Wiener VP-Gemeinderätin Monika Riha: Die Verantwortlichen müssten "sich mit den Forderungen (der Kindergärtnerinnen, Anm.) auseinandersetzen und sie ernst nehmen". Schützenhilfe für die Protestierenden kam auch vom FP-Gemeinderat Johann Gudenus.

"Wesentliche Standards" in Wien seit 2003 etabliert
Der zuständige Wiener Stadtrat Christian Oxonitsch (SP) wiederum schob ÖVP und FPÖ den Schwarzen Peter zu, denn diese hätten die Kindergartenmilliarde abgeschafft, wodurch "österreichweit jahrelang zu wenig neue Kinderbetreuungsplätze geschaffen" worden seien. Wien dagegen habe bereits 2003 "wesentliche Standards" gesetzt, nun müsse es solche auch österreichweit geben.

Die GPA-djp hat indes angesichts des niedrigen Lohnniveaus im Kinderbetreuungsbereich die privaten Kindergartenträger aufgefordert, den Weg zu einer Kollektivvertragsvereinbarung freizumachen. Besonders gefordert sieht die Gewerkschaft der Privatangestellten "beispielsweise" die Kinderfreunde (SP-nahe) und "Kind in Wien" (VP-nahe).

Den Stellenwert des Kindergartens als Bildungseinrichtung betont die Diakonie Österreich: Investitionen in diesem Bereich würden sich positiv auf das gesamte Bildungssystem auswirken. Zudem unterstrich Diakonie-Direktor Michael Chalupka, dass Kinderbetreuungsplätze Arbeitsplätze sicherten und letztendlich die Wirtschaft ankurbeln würden.

Ring-Demo sorgt für Verkehrsprobleme
Die Geduld der Wiener Verkehrsteilnehmer dürfte wegen der Demonstration in der Innenstadt wohl wieder einmal auf die Probe gestellt worden sein: Im Zusammenhang mit der Kundgebung wurde die Ringstraße ab der Babenbergerstraße gesperrt. Der Verkehr wurde über die 2er-Linie umgeleitet. "Die Kurzführung der Straßenbahnlinien 1, 2 und D hängt von der Teilnehmerzahl der Kundgebung ab und wird direkt vor Ort entschieden", erklärte Sandra Ivancok vom ARBÖ-Informationsdienst.

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