Mo, 25. Juni 2018

Schock nach Bluttat

08.03.2018 22:12

Messerattentäter kam 2015 als Flüchtling zu uns

Ein Mann sticht am Mittwochabend im Wiener Bezirk Leopoldstadt wie von Sinnen auf eine dreiköpfige Familie aus Österreich und anschließend auf einen 20-jährigen Tschetschenen ein. Während drei der Opfer mittlerweile stabil sind, schwebt der 67-jährige Familienvater noch immer in Lebensgefahr. Unter dringendem Tatverdacht steht laut Informationen der Polizei der 23-jährige Afghane Jafar S. Der Verdächtige kam im Jahr 2015 als Flüchtling nach Österreich. Ein islamistisches Motiv könne allerdings ausgeschlossen werden, so Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl am Donnerstagabend in der „ZiB 2“. Der mutmaßliche Täter habe sich dem Asylverfahren entzogen und sei in Wien untergetaucht gewesen.

Einen Tag nach den blutigen Messerattacken auf den 67-Jährigen, seine 56 Jahre alte Ehefrau, deren gemeinsame Tochter (17) sowie auf einen 20 Jahre alten Tschetschenen werden immer mehr Details über den Verdächtigen bekannt. Wie krone.at aus Justizkreisen erfuhr, war Jafar S. der Polizei längst kein Unbekannter mehr. So wurde der Afghane nach seiner Einreise als Flüchtling im Jahr 2015 schnell kriminell. Gleich wegen mehrerer Drogendelikte wurde er verurteilt, heißt es. Zudem sei er laut Informanten auch wegen Körperverletzung angezeigt worden - zu einem Verfahren kam es aber nie … Er tauchte unter und lebte laut Informationen aus Exekutivkreisen als „U-Boot“ in Wien.

Afghane legt Geständnis ab
Am Mittwochabend wurde der Afghane schließlich im Zuge einer Sofortfahndung nach den beiden Messerattacken festgenommen. Er hatte eine Verletzung an der Hand sowie zwei Messer bei sich. Bei der Einvernahme zeigte sich der 23-Jährige geständig, sowohl die dreiköpfige Familie vor einem japanischen Lokal am Nestroyplatz sowie rund 30 Minuten später den 20 Jahre alten Tschetschenen am Praterstern niedergestochen zu haben (Sehen Sie die Route des Täters in der Grafik unten).

„Aus Aggression“ zugestochen
Auf die Familie sei er demnach losgegangen, weil er „in einer schlechten, aggressiven Stimmung“ und auf seine „gesamte Lebenssituation wütend“ gewesen sei. Der 20-jährige Tschetschene sei hingegen ein Bekannter des Tatverdächtigen. Diesen habe er attackiert, weil er ihn für seine Drogensucht verantwortlich gemacht habe. Politisch motiviert sei die Tat jedenfalls nicht gewesen, so der Afghane im Verhör.

Bangen um 67-jährigen Zahnarzt
Während Anrainer am Nestroyplatz nach der blutigen Attacke noch immer unter Schock stehen
, kämpft der 67-jährige Zahnarzt weiterhin auf der Intensivstation um sein Leben ...

„Hätte längst abgeschoben werden müssen“
Der Justiz entziehen kann sich Jafar S. jetzt jedenfalls nicht mehr, er wird sich vor Gericht verantworten müssen. Doch für viele kommt das zu spät: „Er hätte längst abgeschoben werden müssen“, sagt ein Insider zu krone.at. So habe der Afghane nur noch in Österreich leben können, weil er „einfach keine Termine mehr wahrgenommen hat und untertauchte“.

Polizeipräsident: „Kein islamistisches Motiv“
Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl sagte dazu am Donnerstag in der „ZiB 2“, dass der Mann im Drogenmilieu bekannt gewesen sei. Ob er zum Zeitpunkt der Tat unter Drogen gestanden sei, sei noch nicht bekannt. „Ein islamistisches Motiv können wir aber ausschließen.“ Der Afghane habe einen Asylantrag gestellt, sich aber dem Verfahren entzogen und schließlich eine freiwillige Ausreise angemeldet, die aber nicht stattfand. Seit diesem Zeitpunkt war er untergetaucht. Die Polizeiarbeit sei in diesem speziellen Fall „sehr gut“ gewesen. „Eine solche Tat ist so gut wie nicht vorherzusehen.“ Pürstl appellierte an die Politik, Asylbescheide konsequenter umzusetzen: „Wenn jemand in unser Land kommt, dann muss er schnell integriert werden - oder das Land wieder verlassen.“

Charlotte Sequard-Base
Charlotte Sequard-Base
Michaela Braune
Michaela Braune

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.