"Übliche Maßnahme"?

"Drohbriefe" für kranke Sanitäter der Wiener Rettung

Wien
14.10.2009 14:38
Sie müssen sich von Betrunkenen attackieren lassen, Verletzte mehrere Stockwerke hinauf- und hinuntertragen, sie arbeiten bis zum Limit – die Sanitäter der Wiener Rettung haben es nicht leicht. Jetzt kommt Ärger bei ihnen auf: Werden die Helfer krank, flattern "Drohbriefe" (Bild) ins Haus. Zwei derartige Schreiben, in denen von "dienstrechtlichen Folgen" oder der "Auflösung des Dienstverhältnisses" zu lesen ist, veröffentlichte am Donnerstag der Gesundheitssprecher der Wiener FPÖ, David Lasar.

"Die konkreten Vorwürfe stimmen in dieser Form nicht", konterte die zuständige MA70. Die Empfänger der Briefe waren dreimal im Jahr auf Krankenstand. Zudem gebe es bei der MA70 noch ein weiteres Schreiben, das jedoch nicht ausgeschickt worden sei, berichtete der FP-Politiker. Dieses würde Berufsrettern, die eine bestimmte Anzahl an krankheitsbedingten Dienstabwesenheiten hätten, im Personalbüro zur Unterzeichnung vorgelegt werden. Mit dieser Unterschrift müssten die vorgeladenen Mitarbeiter versprechen, nicht mehr in den Krankenstand zu gehen.

"Die Schriftstücke gibt es, das stimmt"
"Diese Vorgangsweise zeigt ein Sittenbild, wie in dieser Stadt mit Menschen umgegangen wird", kritisierte Lasar. Bei nächster Gelegenheit werde er die zuständige Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely sowie Bürgermeister Michael Häupl (beide SP) auffordern, diese Vorgangsweise zu beenden.

"Die Schriftstücke gibt es, das stimmt", erklärte Thomas Klvana, administrativer Leiter der Wiener Rettung. Jedoch würden sie nur an jene Mitarbeiter geschickt werden, die über einen längeren Zeitraum - nämlich drei Jahre - hinweg doppelt so oft im Jahr krank seien wie der Durchschnitt. Zudem müssten auch noch gewisse Auffälligkeiten wie zum Beispiel häufige Dienstabwesenheiten an Montagen oder Freitagen bemerkbar sein.

Maßnahme, "die in der Wirtschaft üblich ist"
"Gibt es einen sachlich gerechtfertigten Grund für das Fehlen, dann kriegt der betreffende Mitarbeiter selbstverständlich keinen Brief", so Klvana. "Das ist eine Maßnahme, die in der Wirtschaft üblich ist. Krankenstandsmeldungen, die weit über dem Durchschnitt liegen, gehen zu Lasten der anderen Mitarbeiter."

Im Jahr 2008 sei das betreffende "Drohschreiben" an 19 Personen geschickt worden, bestätigte Klvana. Die Wiener Rettung hat 700 Mitarbeiter. Falsch sei außerdem die Behauptung der Freiheitlichen, dass Mitarbeiter in das Personalbüro geordert würden und dort ein Schriftstück unterzeichnen müssten. Vor August 2008, als es die Briefe noch nicht gab, wurde die Angelegenheit mündlich besprochen und schriftlich festgehalten, so der administrative Leiter der Rettung. Das sei jetzt nicht mehr das Fall.

von Michael Pommer, Kronen Zeitung und wien.krone.at

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