31.03.2004 16:23 |

Jesus, du weißt ...

... ich muss mich bemühn, dass ich ihn nicht umbring

"Jesus, Du weißt, dass mein Mann nicht die Gabe hat, das richtige Fernsehprogramm auszuwählen..." (besorgte Ehefrau) / "Jesus, Du weißt, wie gern ich Karl May habe und mich deshalb oft als Old Shatterhand sehe - als Held..." (junger Bursch) / "Jesus, Du weißt, ich muss mich bemühen, dass ich ihn (!) nicht umbring!" (betrogene Ehefrau).
Das ganze Gotteshaus ist Beichtstuhl - und UlrichSeidls stoische Kamera das gestrenge Auge des Beichtvaters! SechsGläubige, die in Jesus den Tröster in der Not, den Komplizensuchen: "Jesus, Du weißt..." Da wird sinniert, angeklagt,da werden Wunder erhofft, da wird Lebensballast auf den Hochaltargewuchtet. Heilsame Psychohygiene unter dem Kreuz. Die stilleEinkehr des Gebets ist demutsvoller, hofft, aber fordert nicht.Wünsch dir was - hallo Himmel, bitte kommen!
 
Dieses Ausschütten der Herzen vor Gott scheintmanchmal banal, weil zu intim, um an die Öffentlichkeit gezerrtzu werden. Wer dies dennoch tut, fordert den Vorwurf des Vorführensvon (gut)gläubigen Menschen heraus. Wie Amen im Gebet! Zudem:Selbst dezenter Voyeurismus führt die Gnade des Beichtgeheimnissesad absurdum.
 
Von Christina Krisch
Donnerstag, 13. Mai 2021
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