Zu viele Studenten

Hahn will Studiengebühren wieder einführen

Österreich
11.10.2009 15:20
ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat sich am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" für die Wiedereinführung von Studiengebühren ausgesprochen und fordert von der SPÖ eine Diskussion darüber. In den Nachbarländern Deutschland und der Schweiz gebe es Gebühren und Zugangsbeschränkungen, weshalb der Zustrom von Studenten nach Österreich stetig zunehme, so Hahn.

Im Herbst werde es an den heimischen Universitäten bereits 300.000 Studierende geben, das sei ein Zuwachs von 20 Prozent, sagte der Minister. "Kein System der Welt kann so etwas verkraften", sagte Hahn und meinte, er wünsche sich, dass die SPÖ die Fakten anerkenne. Für die Medizin-Unis hofft der Wissenschaftsminister auf eine Verlängerung der Quotenregelung. Eine Verlängerung oder Akzeptanz der Quote durch die EU "wird unabdingbar sein".

Heftige Kritik von allen Seiten
Hahns Auftritt hat Kritik von allen Seiten nach sich gezogen. Die SPÖ attestierte dem Ressortchef "Ratlosigkeit", die ÖH sprach von "Angstmache" und die Opposition von einer "Bankrotterklärung".

"Auf jede Herausforderung im Universitätsbereich kommt von Minister Hahn bloß reflexartig die Studiengebühren-Ausrede", meinte SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl in einer Aussendung. "Das zeugt nicht gerade von einer kreativen, visionären Wissenschafts- und Hochschulpolitik, sondern eher von Ratlosigkeit", kritisierte sie. Auch FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf vermisste "zukunftsweisende Konzepte". Hahn habe durch seine "leeren Worthülsen mehr Fragen offen gelassen als beantwortet".

"Argumente verzerren die Realität"
Ins selbe Horn blies auch Grünen-Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald: "Johannes Hahn lässt nach einer Stunde Gespräch nur offene Fragen zurück." Hahns Auftritt sei ein Spiegelbild seiner Politik: "Viele seiner Argumente entbehren der Objektivität und verzerren die Realität." BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz sprach gar von einer Bankrotterklärung und nannte Hahn den "Loser dieser Regierung", der "eine Nullbilanz" vorzuweisen habe.

Als "erschreckend ideenlos" kritisiert Sigrid Maurer vom ÖH-Vorsitzteam die Vorschläge des Wissenschaftsministers. "Der Minister soll sich endlich mit der Realität abfinden, dass die Studienbeiträge abgeschafft wurden - und nicht ständig deren Wiedereinführung fordern", so Maurer. Ihr Kollege Thomas Wallerberger fordert "ein Ende der Angstmache". "Durch den Wegfall der Studiengebühren strömen junge, interessierte Menschen wieder an die Unis. Statt sich darüber zu freuen, warnt Hahn vor einer Flut von angeblichen 'Scheinstudierenden'."

Hahn verlässt "Match" um Wiener Bürgermeister
Doch nicht nur um das Thema Studiengebühren ging es in der "Pressestunde": Das "Match" um den Bürgermeister in Wien hat Hahn wieder verlassen, bevor dieses überhaupt begonnen hat. Da FPÖ und Grüne beim angestrebten Politikwechsel nicht mitspielen, lauten die neuen Ziele für die Wahl 2010, die "SPÖ von der absoluten Mandatsmehrheit befreien" und ÖVP-Regierungsbeteiligung, sagte Hahn.

Zur Frage EU-Kommissar, in der er selbst als Kandidat genannt wurde, sowie über eine ÖVP-Kandidatur bei der Bundespräsidentenwahl hielt sich Hahn bedeckt: Er hofft, dass Österreich ein möglichst interessantes Ressort bekommt und der als wahrscheinlicher Herausforderer von Heinz Fischer gehandelte Niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll sei "ein hochpotenter Kandidat für dieses Amt".

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele