Buwog-Affäre

Ex-Mitarbeiter von Grasser spricht von Schweigegeld

Österreich
10.10.2009 19:18
Michael Ramprecht, ein ehemaliger Mitarbeiter von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der diesen in der Buwog-Affäre schwer belastet hatte, erhebt nun weitere Vorwürfe. Im Magazin "profil" behauptet Ramprecht, der von Grasser im Buwog-Aufsichtsrat installierte Wiener Immobilienmakler Ernst Karl Plech habe ihm Ende 2002 ein Schweigegeld in der Höhe von 700.000 Euro angeboten. Plech lässt das dementieren.

Laut Ramprecht soll Plech ihm mit Blick auf den Buwog-Deal zehn Millionen Schilling (rund 700.000 Euro) geboten haben, "wenn du da mitspielst". "Plech hat gesagt: 'Vermittlungsprovisionen sind bei so einem Deal normal.' Das sei geschäftsüblich", wird Ramprecht zitiert, der diese Aussage auch bei der Staatsanwaltschaft Wien deponiert hat. Plechs Medienanwalt Michael Rami dementiert den Vorwurf und kündigt eine Klage an: Ramprecht werde "demnächst Gelegenheit geboten werden, die Wahrheit seiner Behauptungen vor Gericht zu beweisen".

Verkauf seit Jahren umstritten
Der 2004 erfolgte Verkauf der 58.000 Bundeswohnungen ist seit Jahren umstritten. Der Rechnungshof kritisierte bereits 2007, dass der Bund beim Verkauf seiner fünf Wohnbaugesellschaften nicht alle Erlössteigerungspotenziale genutzt und auf zumindest 200 Millionen Euro verzichtet habe. Im September wurde bekannt, dass der damalige Käufer Immofinanz den Grasser-Freunden Walter Meischberger und Peter Hochegger 9,6 Millionen Euro Vermittlungsprovision bezahlt hatte.

Dass Geld an ihn weitergeflossen sein könnte, hat Grasser ebenso dementiert (siehe krone.tv-Interview in der Infobox), wie dass er Einfluss auf das Bieterverfahren genommen haben könnte. Zuletzt wurde allerdings bekannt, dass der Minister, sein Staatssekretär Alfred Finz (ÖVP) und mehrere Spitzenbeamte des Ressorts nach der vorletzten Bieterrunde über den Finanzrahmen des unterlegenen Bieters CA-Immo informiert wurden. Das siegreiche Gebot der Immofinanz in der entscheidenden letzten Runde lag schließlich um gut eine Million Euro über diesem Haftungsrahmen.

RH-Moser: "Verkauf nicht nachvollziehbar"
Im "profil" erneuerte Rechnungshof-Präsident Josef Moser die Kritik am Buwog-Verkauf: Dieser sei "für uns nicht nachvollziehbar". Kritik übte Moser einmal mehr an den Spekulationsgeschäften von Gemeinden und Bundesfinanzierungsagentur: "Wenn ich schon solche Geschäfte mache, sollte ich zumindest über das notwendige Know-How verfügen."

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter sieht damit "die angebliche ÖVP-Wirtschaftskompetenz durch das Prüforgan des Nationalrats (Rechnungshof, Anm.) demontiert". Er nimmt auch den damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) in die Pflicht. "Die SPÖ wird in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt auf das moralisch-ethische Versagen im Schüssel-Grasser-System und auf wirtschaftspolitische Fehlentwicklungen unter ÖVP-Verantwortung hinweisen", so Kräuter in einer Aussendung.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele