Sa, 18. August 2018

Am Arbeitsplatz

03.03.2018 06:00

67% der Österreicher haben bereits Mobbing erlebt

Psychoterror am Arbeitsplatz, ständige Schikanen von Kollegen, seelische Grausamkeit im Alltagsleben oder im Internet: Mobbing ist allgegenwärtig und äußert sich auf unterschiedlichste Weise. Während Kinder und Jugendliche oft in sozialen Netzwerken gehänselt oder von älteren Mitschülern drangsaliert werden, sind Erwachsene häufig mit falschen Tatsachenbehauptungen bis hin zur Rufschädigung, Gewaltandrohungen oder Stigmatisierung konfrontiert. Es drohen negative gesundheitliche Folgen, die von Misstrauen und Angstzuständen bis hin zu sozialer Isolation - und somit einem starken Verlust an Lebensqualität - führen können.

Eine Studie zeigt auf, dass 67 Prozent der Österreicher Mobbing am Arbeitsplatz bereits am eigenen Leib erfahren haben. Werden Mitarbeiter gemobbt, leidet nicht nur der Arbeitnehmer, auch das Unternehmen ist von der oft mit den psychologischen oder psychosomatischen Beeinträchtigungen einhergehenden verminderten Leistung betroffen. Auch deshalb wurde dem Thema in Unternehmen in den vergangenen Jahren vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Doch leider mangelt es vielerorts noch immer an Informationen und Aufklärung, um sogenanntem Psychoterror Einhalt zu gebieten.

66,8 Prozent haben Mobbing erlebt oder waren selbst Täter
Im Rahmen einer österreichweiten repräsentativen Studie mit insgesamt 500 Teilnehmern hat Viking, Lieferant für Bürobedarf, gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstituts OnePoll untersucht, wie häufig österreichische Arbeitnehmer mit Mobbing am Arbeitsplatz konfrontiert sind - und wie diese in Mobbingsituationen reagieren.

Mobbing wurde gemäß der Definition der Wirtschaftskammer Österreich dabei als Verhalten unter Arbeitnehmern definiert, „das darauf abzielt, eine Person zu verletzen, einzuschüchtern, zu entmutigen, auszugrenzen oder aus dem Arbeitsverhältnis zu drängen. Mobbing kann auch von Vorgesetzten ausgehen oder sich gegen solche richten.“

Im Rahmen der Studie gaben 66,8 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, Mobbing bereits erlebt zu haben oder gar Täter gewesen zu sein. Für 58,4 Prozent sei Mobbing am Arbeitsplatz jedoch kein Problem - erschreckend, bedenkt man, dass immer mehr Menschen mit Schikanen konfrontiert sind, die sie oft in lange Krankenstände drängen.

60,2 Prozent würden sich nicht gegen Mobbing wehren
Wie mit Mobbing umgegangen wird, variiert dabei von Mensch zu Mensch: Einige leiden sehr lange und versuchen, die Situation „auszusitzen“. Andere wiederum finden bereits nach wenigen Wochen oder Monaten den Mut, um Unterstützung und Hilfe zu bitten. Aus Angst vor einer Verschlimmerung der Situation oder negativen Auswirkungen auf den Job würden 60,2 Prozent nichts gegen Schikanen unternehmen.

Mobbing ist kein Kinderspiel!
Frauen gaben im Rahmen der Studie an, häufiger gemobbt zu werden. Dies war auch bei der Altersgruppe der 45- bis 55-Jährigen der Fall. Setzen sie sich gegen Mobbing zur Wehr, haben weibliche Arbeitnehmer auch öfter Angst davor, ihre eigene Situation zu verschlimmern (72,2 Prozent), während Männer eher um ihre Karriere besorgt sind (65,4 Prozent). Auch fürchten sich Frauen davor, selbst zum Opfer zu werden (50 Prozent), wenn sie Kollegen in Mobbingsituationen beistehen.

Der Großteil der Befragten ist sich einig, dass sie die Firma aufgrund von Mobbing verlassen würden (76,1 Prozent). Denn: In 63,6 Prozent der Fälle reagiert die Firma laut Angaben der Studienteilnehmer lediglich auf akute Mobbingfälle. Rund ein Viertel der Befragten (24,6 Prozent) gab an, die Firma habe immerhin Regeln bezüglich Mobbing im Verhaltenskodex festgelegt.

Wo bekomme ich Hilfe?
„Mobbing bewirkt eine tiefe Verunsicherung, die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück. Unser Appell lautet: Holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung, wenn Sie sich systematisch isoliert und ausgegrenzt fühlen. Aussitzen funktioniert nicht“, sagt Anna Wall-Strasser, die Leiterin der Betriebsseelsorge Oberösterreich. Weitere Informationen zur Studie finden Sie HIER.

Hilfe erhalten Sie etwa beim Mobbingtelefon, der Arbeiterkammer oder Rat auf Draht unter der Nummer 147.

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