Sa, 23. Juni 2018

Gesundheitsbelastung

28.02.2018 17:58

Sollen Diesel-Pkw jetzt raus aus den Städten?

An mehreren Orten in Österreich wird die EU-Norm für Feinstaub- und Stickoxidbelastung überschritten. Am stärksten betroffen sind Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck und die Bundeshauptstadt. 

Diesel-Fahrzeuge produzieren im Vergleich zu Benzinern mehr Ausstöße an Stickoxiden und verursachen mehr Feinstaub. An mehreren Stellen wird der von der EU vorgegebene Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Tagesmittel (µg/m³) überschritten. Am häufigsten betroffen sind Salzburg, Graz, Teile Tirols, Oberösterreich und Wien.

Linzer Bürgermeister: „Fahrverbote letzte und schlimmste Maßnahme“
Ein generelles Diesel-Fahrverbot will aber keiner: „Fahrverbote sind die letzte und sozial schlimmste Maßnahme. Nicht jeder kann sich ein neues Auto leisten“, sagt der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ). Der Linzer Hotspot, der Römerbergtunnel, hat ein Jahresmittel von 48 µg/m³, der gesamte Ballungsraum Linz an manchen Tagen eine Stickoxidbelastung von 71 µg/m³. Rekordhalter österreichweit in der Tageswertung war 2017 die Inntalautobahn mit 91 µg/m³, das Jahresmittel betrug 54,3.

Weswegen auch Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) meint, dass uns „die Diesel-Thematik schneller begegnen wird als befürchtet“. Innsbruck weist ein Jahresmittel von etwa 38 µg/m³ auf, was knapp unter dem EU-Wert liegt, aber über der österreichischen Norm von 35. „In der nächsten Städtebund-Sitzung sollte dies diskutiert werden.“

Die Salzburger Problemstelle ist der Rudolfsplatz mit einem Jahresmittel-Wert von 46 Mikrogramm. Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) sagt aber: „Das deutsche Urteil könnte auf einzelne Städte übertragen werden, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich gegen ein Verbot bin.“ Der Grazer Stadtchef Siegfried Nagl (ÖVP) ist mit seinem Plan für eine Umweltzone gescheitert: „Ich habe die Bürger befragt, 70.000 Grazer haben abgestimmt, die Mehrheit hat Nein gesagt. Das respektiere ich.“

In Wien ist die Luft am Hietzinger Kai am schlechtesten (47 µg/m³). Knapp 317.000 Diesel-Fahrzeuge wären in der Bundeshauptstadt von einem theoretischen Verbot betroffen. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Vize Maria Vassilakou (Grüne) schweigen. Bislang sprach man sich aber gegen ein generelles Diesel-Fahrverbot für Wien aus. Die Wiener selbst sind beim Thema Diesel-Verbot jedenfalls zwiegespalten.

Video: krone.at hörte sich bei Autofahrern in Wien um

GLOBAL 2000: „Österreicher haben Recht auf saubere Luft“
Stickoxide aus Dieselmotoren machen krank – dabei sind sich die Vertreter der beiden Umweltorganisationen Greenpeace und GLOBAL 2000 einig. „Diesel-Abgase sind nicht nur für die Umwelt problematisch, sondern sie schaden auch unserer Gesundheit. Feinstaub und Stickoxide sind in Österreich für tausend vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich“, sagt Greenpeace-Sprecher Volker Plass. Schützenhilfe gibt es von Johannes Wahlmüller, Klimasprecher GLOBAL 2000: „Die Österreicher haben ein Recht auf saubere Luft!“

Probleme gebe es dabei laut Wahlmüller nicht nur bei veralteten Diesel-Modellen: „Nach Tests des deutschen Umweltbundesamtes haben auch Euro6-Modelle im realen Fahrbetrieb einen sechsmal so hohen Stickoxidausstoß wie im Labor.“ Daher wird das Diesel-Fahrverbot von den Umweltorganisationen auch begrüßt. „Es eröffnet die Möglichkeit, dass die Politik bei einer extremen Überschreitung der Grenzwerte der Gesundheit der Menschen einen höheren Stellenwert einräumen kann“, erklärt Plass. Zusätzlich fordert Wahlmüller eine Nachrüstung aller betroffenen Dieselfahrzeuge mit wirksamer Abgasreinigungstechnologie auf Kosten der Hersteller.

Öffi-Ausbau und Pickerl-Überprüfung wichtig
Im Ausbau des umweltfreundlichen Mobilitätsangebotes sehen beide Organisationen eine Chance. „In diesem Zusammenhang erneuern wir auch die Forderung, bei der Pickerl-Überprüfung von Diesel-Pkw die Auspuffmessung nicht abzuschaffen“, sagt Plass.

Clemens Zavarsky und Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

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