Skurriler Job

Vom Hobby-Brauer zum Bier-Profi in Wien

Seit einigen Jahren liegt Craft-Beer im Trend. Immer mehr kleine Brauereien machen mit ihren kreativen Hopfen-Malz-Kreationen den großen Bier-Institutionen Konkurrenz. Jason Lee Haines' Karriere als Brauer begann mit einem Brau-Set für zu Hause. Knapp zehn Jahre später ist er neben Braumeister Wolfgang Lenzer als Assistant Brewer von der Beaver Brewing Company im 9. Bezirk tätig und probiert einmal wöchentlich ein neues Rezept.

"Für mich ist das nicht nur ein Job, sondern ich habe eine große Liebe für das Brauen", sagt Jason Lee Haines, der ursprünglich aus Pennsylvania stammt, beim City4U-Interview in der Beaver Brewing Company. Die Gasthausbrauerei ist noch geschlossen, jedoch kamen schon einige Gäste vorbei, die aber enttäuscht abziehen mussten. "Wir haben unter der Woche erst ab 16 Uhr geöffnet", merkt der 35-jährige Hobby-Musiker an. Der nebenberufliche Englisch-Lehrer fing als Hobby-Brauer an, nun braut er - gemeinsam mit dem Braumeister Wolfgang Lenzer - im Durchschnitt jede Woche ein anderes Bier, das im Lokal ausgeschenkt sowie in Flaschen abgefüllt und verkauft wird.

#Tribute

Begonnen hat alles in Amerika. "Mein Vater hat in seinem Garten immer viel Gemüse angebaut und hat dann selbst seine selbst gemachte Salsa an Freunde und Familie verschenkt, einfach so, ohne Anlass. In Kalifornien habe ich mir dann ein Brau-Set gekauft, aber es nie verwendet. Mein Dad hat immer danach gefragt. Dann starb er plötzlich an einem Herzinfarkt. Mit meinem Onkel habe ich dann schließlich das Bier gebraut, als Tribute an meinen Vater. Meine gebrauten Biere habe ich dann auch wie mein Vater verschenkt", erzählt der gebürtige Amerikaner.

#Vom Lehrer zum Brauer

Die Liebe brachte Haines schließlich nach Wien. Als Lehrer in der International School lernte er David Beaver kennen, der sein gebrautes Bier für sehr gut befand. "Er sagte: 'Irgendwann eröffne ich eine Gasthaus-Brauerei und du bist dann mein Brauer.' Fast genau ein Jahr später war es dann tatsächlich so", schmunzelt Haines. Mit Andreas Zierl als Geschäftsführer wurde dann im November 2015 die Beaver Brewing Company eröffnet. Zehn eigens gebraute Biere gibt es auf der Karte, drei davon sind Fixstarter, die restlichen sieben wechseln in etwa jeden Monat. Je nachdem, wie schnell das Fass leergetrunken wird.

#Kein fixes Programm

"Das Tolle an einer kleinen Brauerei ist, dass man immer kreativ sein kann. Es gibt kein fixes Programm, es muss nicht immer das Gleiche sein. Man kann am Abend noch von einem Rezept träumen und es am nächsten Tag tatsächlich ausprobieren", beschreibt Haines. Auf Sauberkeit und Hygiene zu achten, ist aber trotzdem unabdingbar, da "Bier sauer werden kann". Seit 2015 wurden bereits an die hundert verschiedenen Biere gebraut. Einen Infusion-Tower, dessen Inhalt ebenfalls regelmäßig wechselt, gibt es auch. Die Kreationen von Braumeister Lenzer wurden auch schon bei verschiedenen Wettbewerben ausgezeichnet.

#Brauen im Lokal

Gebraut wird direkt im Lokal. "Wir beginnen sehr früh, damit wir, wenn die ersten Gäste kommen, fast fertig sind. Die Leute sind aber immer sehr interessiert am Brauvorgang", sagt Haines. Dieser dauert rund einen Tag. Bis aus unter anderem Hopfen und Malz aber ein kaltes, genießbares Bier wird, vergeht ein Monat. Im Keller der Beaver Breawing Company befindet sich der Rest der Brauanlage sowie die Lagerstätte für Hopfen und Malz. Für Interessierte gibt es eine Brauereiführung mit anschließender Verkostung, auf Wunsch auch mit einem eigens kreierten Beer-Pairing-Menü. "Jeden Montag findet ein Pub-Quiz statt. Außerdem haben wir verschiedene Live-Konzerte und Charity-Events", merkt Geschäftsführer Andreas Zierl an.

#In der großen Brauerei

Tobias Frank ist Braumeister bei Ottakringer im 16. Bezirk. Die große Traditionsbrauerei kennt jeder Wiener. "Einmal gab es im 16. Bezirk einen Stromausfall. Die Brauerei war die erste Adresse die wieder am Netz angeschlossen war. Ich weiß nicht, ob das von der Stadt beabsichtigt war. Vielleicht hat das gezeigt, wie wichtig den Österreichern ihr Bier ist", lacht der 44-Jährige. Der Beruf des Braumeisters sei sehr vielseitig: "Vom Rohstoff bis zur Abfüllung, Labortechnik, Analytik, Alkoholgehalt und schließlich die richtige Farbe des Produkts. Alles ist wichtig und jeder Tag ist anders."

#Platz für Ideen

Privat trinkt Frank auch gerne Craft-Beer: "Da bekommt man wieder neue Ideen für Biere. Ottakringer ist ein Familienbetrieb, da haben wir die Freiheit uns mehr zu entfalten und kreativ zu sein, als in anderen großen Brauereien." Auch zu Hause hat Frank in seinen Anfangsjahren Bier gebraut. "Die Ausbeute war aber sehr gering. Bei Ottakringer brauen wir 250.000 Liter pro Tag, abfüllen tun wir das Doppelte." Kann man sich das Bier brauen also vorstellen, wie nach Rezept zu kochen? "Es gibt viele Homepages mit Tipps, aber es kommt auch sehr auf die Rohstoffe an. Und: Für acht bis zehn Stunden Arbeit ist die Ausbeute wirklich mininmal", betont er. Also dann: Lieber doch den Profis den Brauprozess überlassen und nur genießen.

Februar 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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