Gaal war ins Blickfeld der Sicherheitsbehörden und der Justiz geraten, als im Vorjahr festgestellt wurde, dass er zwischen Februar und Ende Juli 2008 nicht weniger als 95 Telefongespräche mit dem zwielichtigen Wiener Kaufmann geführt hatte, der laut Staatsanwalt Hans-Peter Kronawetter bei einem Zwischenfall am 17. Juli 2008 im Hintergrund die Fäden gezogen haben soll. Mehrere Männer hatten damals versucht, nur wenige Gehminuten vom Straflandesgericht entfernt Mussajew in einen Pkw zu befördern, um - so der Tenor der Anklage - ihn in die kasachische Botschaft oder außer Landes zu schaffen.
Weitere Hintergründe rund um den Fall: siehe Infobox!
Mussajew gilt als enger Vertrauter des beim kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew in Ungnade gefallenen früheren Botschafters Kasachstans in Wien, Rakhat Alijew. Dieser ist in seiner Heimat wegen angeblicher Kapitalverbrechen zu insgesamt 40 Jahren Haft verurteilt worden. Alijew spricht von einer gegen ihn gerichteten Intrige, er habe nichts Kriminelles verbrochen. Die Republik Österreich weigert sich, dem Auslieferungsbegehren Kasachstans Folge zu leisten, weil Alijew in seiner Heimat kein faires Verfahren erwarte.
Angebliches Fehlverhalten der österreichischen Behörden
Ildar A. habe immer wieder betont, Alijew und sein Vertrauter wären Verbrecher, sagte Gaal im Zeugenstand: "Er hat mich gefragt, ob ich mich erkundigen kann, warum die Behörden nicht reagieren. Aber ich bin in Pension, was hab' ich für Möglichkeiten zu helfen?"
Kennengelernt habe er den gebürtigen Kasachen, weil dieser sein Haus in der Josefstadt verkaufen wollte und er, Gaal, Interesse daran hatte. Er habe - letztens erfolglos - wochen- und monatelang um das Objekt verhandelt. Da Ildar A. immer wieder auf das angebliche Fehlverhalten der österreichischen Behörden in Bezug auf Alijew zu sprechen kam, habe er diesen schließlich mit seinem Freund, dem ehemaligen Innenminister Karl Blecha (SPÖ), zusammengebracht.
"Ich hab' aber nirgends interveniert"
Es kam zu zwei Treffen zwischen Blecha, Gaal, Ildar A. und einem Anwalt, der für Kasachstan tätig war, die dabei auch Dokumente vorlegten, welche die geforderte Auslieferung Alijews stützen sollten. "Wir sollten intervenieren, dass es zu einer raschen Erledigung kommt. Ich hab' aber nirgends interveniert", gab Gaal zu Protokoll.
Blecha habe zwar in Sachen Alijew bei der damaligen Justizministerin Maria Berger (SPÖ) vorgesprochen, doch diese habe betont, eine Auslieferung komme nicht in Frage. "Es waren relativ negative Botschaften, die er (Blecha, Anm.) überbracht hat", meinte Gaal.
Gaal versicherte, Ildar A. niemals mit kriminellen Machenschaften in Zusammenhang gebracht zu haben. "Das hätte ich mir in meinem Alter nicht angetan", deponierte der 69-Jährige.
Detektiv mit Ermittlungen beauftragt
Zeugenschaftlich vernommen wurden auch ein Detektiv und ein Polizist. Ildar A. soll beide damit beauftragt haben, die aktuellen Adressen Alijews und seiner Vertrauten herauszufinden. Da der Polizeibeamte dazu Einblick in das Zentrale Melderegister und in den Polizeicomputer hielt, ist er dafür mittlerweile rechtskräftig zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Ildar A. wiederum wird neben den zentralen Anklagepunkten Überstellung an eine ausländische Macht und geheime nachrichtendienstliche Tätlichkeit auch Bestimmung zum Amtsmissbrauch vorgeworfen.
Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Angeklagten, der sämtliche Vorwürfe von sich weist, zehn bis 20 Jahre Haft.










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