23.02.2018 05:30 |

Suchtgipfel im Rathaus

Graz braucht „Drogen-Ärzte“

In Graz wird es schon bald zu wenig „Drogen-Ärzte“ geben. Wenn sich nicht etwas ändert, werden Hunderte Suchtkranke ohne Betreuung dastehen. Im Rathaus fand deswegen am Donnerstag ein Expertengipfel statt, bei dem über mögliche Lösungen diskutiert wurde.

Wer denkt, es gehe nur um „die paar Hanseln, die beim Billa-Eck herumstehen“, täuscht sich. Eine Zahl, um die Dimension des Problems besser zu verstehen: 900 Grazer sind derzeit im Drogenersatzprogramm. „Das sind schwer kranke Menschen, die behandelt werden müssen“, betont der zuständige Stadtrat Robert Krotzer (KP).

In der Murmetropole gibt es allerdings nur neun (!) „Drogen-Ärzte“, die noch dazu alle kurz vor der Pension stehen. „Das Durchschnittsalter liegt bei 65 Jahren“, erklärt Krotzer. Und es kommen keine nach.

„Es gibt Ärzte, die das Diplom haben, aber keine Substitutionstherapie anbieten“, sagt Krotzer. Nicht etwa wegen der schwierigen Klientel. Der Hauptgrund, warum sich das nur so wenige Ärzte antun, sei die schlechte Bezahlung: „In Graz bekommen sie 36 Euro pro Patient und Quartal. In Wien bekommen sie ungefähr das Zehnfache.“

Ihm sei es wichtig gewesen, alle Experten an einen Tisch zu bringen, sagt der Kommunist, der auch Michael Musalek, den ärztlichen Leiter des Wiener Anton-Proksch-Instituts, zu dem Gipfel eingeladen hatte.

Zwei konkrete Maßnahmen wurden dort vereinbart: Es wird schon bald Gespräche zwischen der Ärztekammer und der GKK geben. Außerdem will die Stadt Graz angehende Ärzte anwerben. Zu diesem Zweck wird es am 22. April und am 18. April an der Meduni Informationsveranstaltungen geben.

Ernst Grabenwarter
Ernst Grabenwarter
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