So, 22. Juli 2018

NS-Text in Liederbuch?

21.02.2018 08:12

Burschenschaft bestreitet Besitz, droht mit Klage

Der jüngst aufgekommene Fall eines Burschenschaftler-Liederbuchs, das antisemitische Texte enthalten soll, schlägt hohe Wellen. Die Studentenverbindung Bruna Sudetia, die das Buch verwendet haben soll, wies am Montagabend die Vorwürfe "mit aller Vehemenz" zurück und droht nun mit einer Klage. Vorsitzender Herwig Götschober, der auch Pressereferent von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) ist, bestreitet ebenfalls, das Buch zu kennen. Hofer sagte dazu am Montagabend gegenüber Ö1, es sei unklar, wo das besagte Liederbuch herkomme: "Es gibt kein Impressum, ich dränge daher auf Aufklärung."

Sein Mitarbeiter Herwig Götschober habe sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe sein Liederbuch hergezeigt, so Hofer: "Da sind diese Passagen nicht drinnen." Der Verkehrsminister erklärte am Montagabend am Rande einer Veranstaltung, es sei unklar, wo das Buch mit den antisemitischen Texten herkomme. "Es gibt kein Impressum, ich dränge daher auf Aufklärung und hoffe, dass bald klar ist, wo dieses Liederbuch herkommt."

Die Burschenschaft selbst bestreitet den Besitz oder die Verwendung des besagten Liederbuchs. Die abermals aufgetauchten antisemitischen Lieder "werden von der akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia kategorisch abgelehnt", hieß es in der Stellungnahme weiter. Das Buch der akademischen Burschenschaft sei weder optisch noch inhaltlich jenem Exemplar ähnlich, das dem "Falter" vorliegt. Geprüft werden daher rechtliche Schritte "gegen die diffamierende Berichterstattung" sowie gegen Unbekannt wegen Verleumdung bzw. Weitergabe des Liederbuchs.

Laut der Burschenschaft wurde in den Räumlichkeiten der Verbindung kein Buch gefunden, "das jenem ähnelt, das der 'Falter' mit der akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia in Verbindung bringen möchte". Gefunden worden seien lediglich Ausgaben der tatsächlichen Liedersammlung der Burschenschaft sowie des "Allgemeinen Deutschen Kommersbuchs".

Judenhass und "Deutsches Reich"
Nach der Aufregung um antisemtische Texte in einem Liederbuch der Schülerverbindung Germania zu Wiener Neustadt, der auch der frühere niederösterreichische Spitzenkandidat der FPÖ, Udo Landbauer, angehörte, hatte der "Falter" am Montag über ein weiteres Gesangsbuch berichtet. Auch darin findet sich die Liedzeile "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: 'Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'", die auf den Massenmord an den Juden in der NS-Zeit Bezug nimmt.

Darüber hinaus sind laut "Falter" weitere antisemitische Textzeilen in dem Buch zu finden, etwa diese: "Zwei Juden badeten einst im Fluß, weil jeder Mensch einmal baden muß. Der eine, der ist ersoffen, vom anderen wollen wir's hoffen." Eine weitere Strophe lautet: "Zwei Juden schwammen einst im Nil, den einen fraß das Krokodil, den anderen hat es nur angeglotzt, da hätt' es den ersten fast ausgekotzt." Weiters findet sich demnach ein Lied in dem Buch, in dem geklagt wird, "noch ist Deutschland dreigeteilt". "Es lebe hoch Deutsch-Österreich, mit ihm das ganze Deutsche Reich", so eine Textzeile. Laut "Falter" ist in dem Liederbuch keine einzige Textpassage geschwärzt.

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