Mo, 18. Juni 2018

Erwürgte Witwe:

21.02.2018 06:01

Muttermörder wollte Unfall vortäuschen

Nach dem Mord an seiner Mutter in Polling hat Matthias Sch. (28) ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er gibt zu, die 63-Jährige mit einer Flasche niedergeschlagen und erwürgt zu haben. Dann legte er die Mutter in die Dusche und versuchte, die Tat gegenüber seinem Bruder Johannes als Unfall darzustellen – doch dieser durchschaute ihn.

„Der Verdächtige hat inzwischen zugegeben, dass er die leblose Mutter entkleidet, in die Dusche gesetzt und nass gemacht hat“, sagt Alois Ebner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ried/I. Offenbar sollte es so aussehen, als sei die 63-Jährige ausgerutscht und tödlich gestürzt. „Er hat dann mehrfach seinen Bruder angerufen und behauptet, dass der Mutter etwas passiert sei und es ihr nicht gut geht“, so Ebner. Doch als Johannes Sch. (31) beim Haus der Mutter ankam, waren die Schilderungen des jüngeren Bruders für ihn nicht mehr glaubhaft. „Er hat versucht, das Opfer zu reanimieren und die Polizei alarmiert.“

Durch Inn geschwommen
Währenddessen hatte Matthias Sch. Johannes Autoschlüssel gestohlen und war mit dem Wagen des Bruders zur bayrischen Grenze gefahren, wo er den Pkw stehen ließ und den 4 Grad kalten Inn durchschwamm. Am anderen Ufer rannte er zu Fuß bis Malching. Dort läutete er beim nächstbesten Haus, dessen Besitzerin ihm aber nicht aufmachte, weil sie sah, dass er keine Schuhe anhatte und völlig durchnässt war – sie rief sogar die Polizei.

Festnahme
Im Nachbarhaus hatte er mehr Glück. Dort öffnete ihm Siegfried S. (52) die Tür und versorgte ihn mit Decken und Tee. „Er hat am ganzen Körper gezittert und gesagt, dass er Hilfe braucht“, erklärt S. gegenüber der „Krone“ – siehe auch unser Interview unten. Etwa 15 Minuten später wurde der Verdächtige dort von einer Heerschar an Polizisten festgenommen. Er leistete keinen Widerstand.

Verfolgungswahn
Als Motiv für den tödlichen Angriff gegen die Mutter führte der Informatik-Student an, dass es ihm seit Tagen psychisch nicht mehr gut gegangen sei und er sich von seinem Umfeld immer mehr verfolgt gefühlt habe. „Er hatte offenbar Panikattacken und unter anderem die Angst, dass er von seiner Familie nicht mehr weggelassen werde“, so Ebner.  Seit einem Jahr wurde Sch. psychiatrisch betreut, war auch schon stationär in Behandlung. „In der vergangenen Woche hat sich sein Zustand aber wieder verschlechtert.“

Psychiatrisches Gutachten
Inwieweit der Verdächtige zum Tatzeitpunkt schuldfähig war, soll ein Gutachten klären. Zunächst müssen die deutschen Behörden aber über den Auslieferungsantrag aus Österreich entscheiden. Ebner: „Wir gehen davon aus, dass diesem stattgegeben wird.“

„Er war völlig durch den Wind
Siegfried S. (52) aus Malching in Bayern öffnete dem Verdächtigen die Tür, als dieser völlig durchnässt bei ihm läutete und um Hilfe bat.

„Krone“: Welchen Eindruck hat der Mann auf Sie gemacht?
Siegfried S.: Er sah erbärmlich aus, hatte nur T-Shirt, Socken, Unterhose und Jogginghose am Leib. Er hatte Abschürfungen und zitterte vor Kälte.  Irgendwie war er völlig durch den Wind.

„Krone“: Was ist weiter passiert?
Siegfried S.: Er wollte eine gewisse Claudia anrufen, das war anscheinend seine Ex-Freundin. Mit der habe ich dann kurz gesprochen, die hat mir dann auch seinen Namen gesagt – und dass wir auf ihn achten  sollen. Wir haben ihm Tee zu trinken gegeben und ihn mit Decken versorgt.

„Krone“: Und dann haben  Sie die Polizei verständigt.
Siegfried S.: Nein, wir haben die Rettung alarmiert. Die Polizei hat meine Nachbarin gerufen, weil er zuerst bei ihr geläutet hat und sie sich gefürchtet hat. Er wurde dann auch bei uns festgenommen.

„Krone“: War der Mann aggressiv?
Siegfried S.: Nein,  dankbar, dass wir ihm helfen.

Jürgen Pachner
Jürgen Pachner

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