Di, 19. Juni 2018

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20.02.2018 19:19

Burschenschaften: Erneut Nazi-Texte in Liederbuch

In einer weiteren Burschenschaft soll ein Fall von Texten mit antisemitischen Inhalten aufgetaucht sein. Es geht um die schlagende Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia. Vorsitzender der Burschenschaft ist Herwig Götschober, ein Pressereferent des Kabinetts von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ). Aus Hofers Kabinett hieß es dazu, Götschober kenne das Liederbuch nicht. Auch die Burschenschaft selbst bestreitet den Besitz des Lieberbuchs und droht nun mit einer Klage.

Der Wiener Wochenzeitung "Falter" liegt das entsprechende Exemplar des Liederbuchs der Burschenschaft vor. Auch darin finde sich demnach - wie schon im Liederbuch der Germania des ehemaligen niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer - die Liedzeile "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: 'Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'", die auf den Massenmord an den Juden in der NS-Zeit Bezug nimmt.

Darüber hinaus seien noch weitere antisemitische Textzeilen in dem Buch zu finden, etwa diese: "Zwei Juden badeten einst im Fluß, weil jeder Mensch einmal baden muß. Der eine, der ist ersoffen, vom anderen wollen wir's hoffen." Eine weitere Strophe laute: "Zwei Juden schwammen einst im Nil, den einen fraß das Krokodil, den anderen hat es nur angeglotzt, da hätt' es den ersten fast ausgekotzt."

"Es lebe hoch Deutsch-Österreich, mit ihm das ganze Deutsche Reich"
Weiters finde sich laut "Falter" ein Lied in dem Buch, in dem geklagt wird, "noch ist Deutschland dreigeteilt". "Es lebe hoch Deutsch-Österreich, mit ihm das ganze Deutsche Reich." Angeblich ist in dem Liederbuch keine einzige Textpassage geschwärzt.

Die Bruna Sudetia bekannte sich lange Zeit zu einer "Deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft" und stand damit im Widerspruch zum modernen österreichischen Staatsverständnis. Das Haus der Burschenschaft befindet sich in der Wiener Strozzigasse, prominente Mitglieder waren unter anderem VW-Gründer Ferdinand Porsche und sein Schwiegersohn Anton Piëch. Kurz nach Bekanntwerden des aktuellen Berichts wurde die Facebook-Seite der Studentenverbindung gesperrt.

Vorsitzender Götschober "besitzt ein anderes Buch"
Aus dem Kabinett von Norbert Hofer verlautete auf Anfrage der APA, Götschober kenne das betreffende Liederbuch nicht, er besitze ein anderes. Jenes, das nun an die Öffentlichkeit geriet, weise mit dem von Götschober verwendeten auch keinerlei Ähnlichkeit auf, weder im Inhalt noch in der Grafik. Die inkriminierten Lieder seien im Buch des Referenten nicht enthalten, betont man. Götschober ist im Kabinett des Verkehrsministers für die Social-Media-Agenden zuständig. Außerdem ist er Bezirksrat der FPÖ im Wiener Bezirk Leopoldstadt.

Burschenschaft droht mit Klage
Auch die Burschenschaft selbst weist die Vorwürfe "mit aller Vehemenz" zurück. Das Buch sei niemals in Besitz der Verbindung und daher auch nicht in Verwendung gewesen, hieß es am Dienstag in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Verbindung prüft nun rechtliche Schritte gegen die Wochenzeitung. Die abermals aufgetauchten antisemitischen Lieder "werden von der akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia kategorisch abgelehnt", hieß es weiter in der Stellungnahme. Das Buch der akademischen Burschenschaft sei weder optisch noch inhaltlich jenem Exemplar ähnlich, das dem "Falter" vorliegt. Geprüft werden daher rechtliche Schritte "gegen die diffamierende Berichterstattung" sowie gegen Unbekannt wegen Verleumdung bzw. Weitergabe des Liederbuchs.

Kritik von SPÖ und NEOS, Grüne fordern Rücktritt
Scharfe Kritik kam von SPÖ und NEOS. Die SPÖ forderte von Verkehrsminister Hofer, sich von dem Kabinettsmitarbeiter zu trennen. "Wer wie Götschober einer Burschenschaft als Obmann vorsteht, die antisemitische, NS-verherrlichende Liedtexte herausgibt, ist als Parteifunktionär und erst recht als Mitarbeiter in einem Ministerium der Republik untragbar", sagte Sabine Schatz, SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur.

Für die NEOS-Sprecherin für Inneres​, Stephanie Krisper, füllen die "Einzelfälle der Freiheitlichen" langsam "ganze Bücherregale". "Es ist absolut letztklassig und eine Schande, dass die FPÖ Menschenverachtung, Antisemitismus und Rassenhass in die Ministerien und leitenden Stellen unser Republik hievt", sagte Krisper. Von Hofer fordert sie "rasch ernsthafte Konsequenzen". Von Kurz verlangte Krisper, "sein brüllendes Schweigen" zu diesen Vorgängen zu beenden. Die Vorsteherin des Wiener Bezirks Leopoldstadt, Uschi Lichtenegger (Grüne), foderte den "sofortigen Rücktritt" von FPÖ-Bezirksrat Götschober. Die Leopoldstadt gelte als der jüdische Bezirk in Wien, so Lichtenegger in einer Aussendung am Dienstagnachmittag. "Daher wäre es für die jüdische Community völlig unzumutbar, einen derartigen Vertreter im Bezirk noch länger ertragen zu müssen", verwies die Grün-Politikerin auf den "ekelhaften Text, der den Holocaust verherrlicht".

 krone.at
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