Mi, 20. Juni 2018

Salzburger Kunstverein

17.02.2018 06:59

„Das große Krabbeln“

Salzburger Kunstverein eröffnet das Jahr mit gleich drei Ausstellungen: „La Chasse“, „Panzergast“ und „Schwarmfänger“ – Tierisch genial

Ein Gastspiel der etwas anderen Art findet derzeit im Salzburger Kunstverein statt. Im Haus an der Hellbrunnerstraße trifft man nämlich auf Schmetterlinge, Käfer, Larven und Spinnen, so dass man glauben könnte, man würde sich inmitten des „Großen Krabbelns“ befinden. Eigentlich haben die Insekten längst das Zeitliche gesegnet, Erich Gruber erweckt sie allerdings in seinen makaber-detaillierten Bleistiftzeichnungen wieder zum Leben und bringt sie mit großer Raffinesse wieder zum Krabbeln und Fliegen.

Bei seinen Protagonisten handelt es sich um „Fundstücke“ aus unserer unmittelbaren Umgebung, denen wir, außer sie kommen uns in die Quere, kaum Beachtung schenken. Der B’hofner gibt diesen unscheinbaren Dingen allerdings eine Bühne, verleiht ihnen Kraft und Größe und füllt die sterblichen Überreste mit Leben und Energie. „Ich entdecke im Unscheinbarem oft Abstoßendem einen völlig neuen Kosmos, und versuche es wieder mit Anziehungskraft zu füllen“, so Gruber.

Um diese zu entdecken muss der Betrachter allerdings einen Moment innehalten, und wird sich dabei vermutlich auf seine eigene Vergänglichkeit besinnen, und so sein kurzes Gastspiel auf dieser Welt aus einem völlig anderem Blickwinkel betrachten.

Dem Tod geweiht sind auch die Tiere im „Livre de la Chasse“. Dabei handelt es sich nämlich um Jagdmotive aus dem Mittelalter, denen sich nun die Britin Lucy Skaer für ihre Arbeit „La Chasse“ bedient. Sie verwandelt sie in abstrakte Skulpturen und arrangiert sie zu einem Gesamtkunstwerk. „Betritt man es, hat man das Gefühl von einem déjà-vu. Man entdeckt ständig veränderte Gestalten (wieder), die mit der Erinnerung spielen oder mit zuvor realisierten Gestalten. Die baumförmigen Gebilde, denen man unmittelbar beim Betreten der Galerie begegnet, scheinen fast totemische Gestalten aus dem Gedächtnis oder aus irgendeiner antiquierten Animation zu sein“, so Kunstverein-Direktor Séamus Kealy, der in Österreich die erste Einzelausstellung der Britin zeigt.

Schwarze Vögel und weiße Flugfische schwärmen einem aus den Gewölben der Ringgalerie entgegen. Aber keine Sorge Sie sind nicht in Hitchcocks Klassiker „Die Vögel“ gelandet, vielmehr in den „Raumzeichnungen“ von Annika Sailer und Nikola Röthemeyer.

Die Schwestern, die eine Landschaftsarchitektin, die andere Künstlerin, verleihen ungenützten Zwischenräumen mit einer Kombination aus Architektur, Landschaft und Tieren eine mystische Magie. Diese narrativen Erzählräume werden über das ganze Jahr entstehen, als Inspirations dient den Beiden dafür Salzburgs unverwechselbare Stadtlandschaft.

Tina Laske
Tina Laske

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