Weltliterat wird 85!

Gebürtiger Wiener Frederic Morton feiert Geburtstag

Wien
02.10.2009 12:59
Er gilt als Meister der sanften Satire und des einfühlsamen Erzählens, seine Bestseller stehen in Bücherregalen diesseits und jenseits des Atlantiks: Der in New York lebende Erfolgsautor Frederic Morton stammt eigentlich aus Wien. 1924 als Fritz Mandelbaum in Hernals geboren, musste er mit fünfzehn Jahren aus seiner Heimatstadt flüchten. Am kommenden Montag (5. Oktober) feiert Morton seinen 85. Geburtstag. Zwanzig Tage später präsentiert er bei der Viennale persönlich das Doku-Porträt "Durch die Welt nach Hause - Die Lebensreise des Frederic Morton" gemeinsam mit Regisseurin Andrea Eckert.

Mandelbaum wurde als Sohn eines Fabrikanten geboren, 1939 emigrierte er nach London, 1940 in die Vereinigten Staaten. Dort arbeitete der angehende Student der Nahrungsmittelchemie zunächst als Bäcker. Als Literaturstudent an der Columbia University und als Schüler der New School for Social Research in New York kam Mandelbaum mit der deutschsprachigen Exilliteratur in Kontakt. Seit 1947 erschienen literarische und journalistische Arbeiten in Buchform, aber auch in Zeitungen und Magazinen wie der "New York Times", "Playboy", "The Atlantic" und "Hudson Review". Zudem unterrichtete er an mehreren Universitäten englische Literatur.

Durchbruch bereits im Jahr 1962
Der Durchbruch gelang Morton 1962 mit "Die Rothschilds", der in 23 Sprachen übersetzt wurde, in mehreren Ländern in den Bestsellerlisten stand und als Vorlage für ein mit Tony-Awards ausgezeichnetes Broadway-Musical diente. Auch aus seinem Roman "Ein letzter Walzer" entstand ein Musical, "Rudolf - Affaire Mayerling" ist derzeit im Wiener Raimund-Theater zu sehen. Schon früher wurde "Crosstown Sabbath - Über den Zwang zur Unrast", eine "Reisebeschreibung" der hektischen Metropole New York verfilmt. Und Andrea Eckerts Doku "Durch die Welt nach Hause" basiert auf der gleichnamigen Autobiografie Mortons, die 2006 erschienen war.

Zahlreiche Ehrenpreise der Stadt Wien
Die Stadt Wien zeigte sich schon früh sehr stolz auf ihren populären Sohn: Bereits 1986 erhielt Morton in seiner Geburtsstadt das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien, fünfzehn Jahre später folgte die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt in Gold. Und ein Jahr später wurde "Ewigkeitsgasse" als Gratisbuch im Rahmen der Aktion "Eine Stadt - ein Buch" in einer Anzahl von 100.000 Stück verteilt. Wiederum ein Jahr später (2003) wurde Morton dann auch das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen, 2005 kam auch der Siemens Life Award dazu. In seinen Reden dankt Morton zumeist auch seiner "zweiten Heimat Amerika".

Psychologisch einfühlsamer Autor
Was er schreibe, sei der "Versuch, den Ich-besessenen zukunftsbangen Neurosen des 21. Jahrhunderts entgegenzutreten", meinte Morton einmal und wies schon vor Jahren auf "dunkle Aspekte" hin, die sich zunehmend auf Amerika und die übrige Welt auswirkten. Diese dunklen Aspekte finden sich auch in den übrigen Büchern des zweifach für den National-Book-Award nominierten Autors wieder, der mit psychologischer Einfühlsamkeit und sprachlicher Genauigkeit ein Millionenpublikum erobert hat: "Dunkle Leidenschaften", "Die Affäre Schatten", "Snow Gods" und vor allem auch "Geschichten aus zwei Welten". Nur wenige konnten diese gelebte Ambivalenz ähnlich überzeugend zu Papier bringen.

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