Sieg über Villarreal

"Getroffen und versenkt" - Bullen bejubeln EL-Erfolg

Fußball
02.10.2009 11:51
"Getroffen und versenkt! Villareal ging zerstört aus einer Partie heraus, die eigentlich dafür da sein sollte, die Pechsträhne zu beenden", titelte die spanische Sportzeitung "Marca" am Freitag nach dem 2:0-Triumph der Salzburger Bullen in der Europa League. In der Mozartstadt hängt der Himmel derzeit naturgemäß voller Geigen: Nach Siegen gegen Lazio Rom und Villarreal dürfen die Bullen nun bereits leise vom Aufstieg ins Achtelfinale träumen.

Vorausgesetzt, man leistet sich in den anstehenden Duellen mit Schlusslicht Lewski Sofia (22. Oktober/heim, 5. November) keine Ausrutscher. "Das ist ein echter Hammer. Es kann ruhig so weitergehen, wenn man diese zwei Mannschaften schlägt, dann gibt es jetzt nur noch ein Ziel", meinte "Abräumer" Franz Schiemer, der seine Aufgabe gegen Europameister Santi Cazorla blendend erledigte, unmissverständlich.

Kompakte Defensive entscheidend
Das von Fans und Medien nicht immer kritiklos beachtete Rezept von Trainer Huub Stevens scheint in der Europa League Früchte zu tragen. Anstatt wie unter Ex-Coach Co Adriaanse den offenen Schlagabtausch zu suchen, standen die Salzburger kompakt in der Defensive und warteten auf ihre Chancen im Konter. Zwar gab es bereits nach wenigen Sekunden bei einer Chance von Rossi eine Schrecksekunde zu überstehen, nach dem 1:0 durch den agilen Janko (21.) lief Stevens' Masterplan aber nach Wunsch.

Die in spanischen Medien im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Spanier rannten sich bis zur Erschöpfung in der Salzburger Defensive fest. Somen Tchoyi, der auffälligste Mann auf dem Platz, besorgte schließlich die Entscheidung (84.). "Wir sind vom Trainer taktisch sehr gut eingestellt worden. Zum Schluss haben die Spanier nicht mehr gewusst, was sie machen sollen", meinte Torschütze Janko und Christoph Leitgeb erklärte mit Blick auf die unterschiedlichen Trainer-Philosophien: "Unter Adriaanse haben wir Harakiri gespielt, jetzt sind wir defensiv und taktisch sehr gut eingestellt."

"Salzburg schlug brutal zu"
Spaniens Presse zeigte sich vom taktischen Konzept der Hausherren hingegen wenig beeindruckt und hob eher die Formschwäche von Villarreal hervor. "Das österreichische Team setzte auf einen Plan, der nicht besonders gefinkelt war. Sie greifen meist direkt auf ihre physische Stärke zurück und suchen auf direktem Weg Janko, den bronzenen Schuh des Vorjahres", urteilte "El Pais" und "Marca" resümierte: "Salzburg schlug brutal zu und brauste über ein 'submarino' hinweg, das nie etwas mit dem Ball anzufangen wusste."

Stevens entsprach auch in der Stunde seines bisher größten Erfolgs mit den Salzburgern seinem Naturell als beinharter Arbeiter. "Wir haben immer noch Schritte in die richtige Richtung zu machen. Deshalb bleibe ich immer am Boden und das werden auch die Spieler", meinte der Niederländer, der zum vierten Mal in Folge der gleichen Startformation vertraut hatte. "Um alle Spieler wirklich gut zu kennen, muss man alles durchmachen, auch den Misserfolg. Jetzt ist alles gut, aber wie wird es sein, wenn schwierige Zeiten kommen. Gerade da zeigt es sich, ob eine Mannschaft funktioniert."

Stevens ortet Verbesserungspotential
Verbesserungspotenzial ortete Stevens bei all seinen Schützlingen. Der gegen Villarreal überragende Tchoyi könne sich "in allen Belangen noch verbessern", auch Janko sei noch nicht am Zenit seines Könnens. "Er konnte am Anfang nicht das umsetzen, was ich von ihm erwartet habe. Es wird immer besser", meinte Stevens über seinen Torjäger, der seinem Trainer recht gab: "Wir sind eindeutig auf dem Weg nach oben."

Mit dem Heimerfolg gegen den zweiten Gruppenfavoriten lieferte Österreichs Bundesliga-Spitzenreiter jedenfalls den Beweis dafür, dass der auch international registrierte Auftaktsieg gegen Lazio Rom (2:1) keine Eintagsfliege gewesen war. Dass die Römer in Sofia mit einem 4:0 vom Platz gingen, wurde auch in Salzburg positiv registriert. Dass mit einem Erfolg gegen die Bulgaren die Tür zum Achtelfinale bereits weit aufgestoßen wäre, beschäftigte zumindest Janko aber (noch) nicht: "Im Rechnen war ich ganz schlecht. Hätte, wenn und wäre gibt es im Fußball nicht."

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(Bild: KMM)



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