Do, 21. Juni 2018

„Gute Nachrichten“

17.02.2018 10:00

Gegen die Sprachlosigkeit

Seit über zehn Jahren leitet die renommierte Autorin Renate Welsh-Rabady Schreibwerkstätten mit Kindern, Bergbäuerinnen, aber auch mit Alkoholkranken und ehemals obdachlosen Menschen in der VinziRast. Und hilft Teilnehmern dadurch, neue Perspektiven zu entdecken.

„Ausgerechnet Schreiben mit Menschen, die existenzielle Probleme haben?“, wird die 80-jährige Renate Welsh-Rabady manchmal gefragt. „Ja, ausgerechnet Schreiben. Weil es eine Möglichkeit ist, das eigene Leben in Besitz zu nehmen, das so oft nur Last zu sein scheint. Mit ein bisschen Glück hilft der Stift in der Hand, Dinge klarer zu sehen, Abstand zu gewinnen. Die Last bleibt, aber sie muss nicht mehr nur dort drücken, wo die tieferen Wunden schwären.“ Ein Kompliment einer Schreibwerkstatt-Teilnehmerin unterstreicht das: „Du machst Fenster auf, wo keine sind.“ Die erfahrene Autorin: „Vor den strengen Blicken des weißen Papiers sind wir tatsächlich gleich. Schreiben ist eine Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen, endlich, und sei es nur für kurze Zeit, Zuhörer zu haben. Zu erleben, wie das Zuhören ein Stück von der lähmenden Angst nimmt, dass doch keiner versteht und keinen interessiert, was mit einem los ist“, so die renommierte Schriftstellerin weiter. Und die Qualität des Zuhörens, die jede und jeder beim Vorlesen erlebe, mache Mut zu neuen Versuchen.

Sie selbst lernte das Zuhören als Kind – im Auftrag ihres Vaters, der Arzt war, brachte sie den Patienten die Medikamente nach Hause, „und die haben mir ganz viel erzählt“. Damals begann sie auch, Sätze, die ihr gut gefallen haben, zu sammeln – das blieb eine ihrer Leidenschaften, bis heute! Aus den Schreibwerkstätten ist ein Buch entstanden, „Mit einem Fuß auf zwei Beinen stehen“, mit dessen Erlös die VinziRast unterstützt wird. Die tiefgreifende Begründung für ihr Engagement formuliert Welsh-Rabady selbst einmal so: „Ich war immer davon überzeugt, dass Sprachlosigkeit die gemeinsame Wurzel vieler Übel ist, die mir Angst machen. Wer sich selbst achtet, kann anderen auf Augenhöhe begegnen.“ Infos: www.vinzirast.at

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