Fr, 22. Juni 2018

Wegen Körperverletzung

15.02.2018 07:52

Schneeballwurf: Ermittlungen gegen Privat-Sheriff

Ein Elfjähriger hat in Obertauern in Salzburg Schneebälle auf fahrende Autos geworfen und wurde dabei - wie berichtet - von einem Innviertler (54) erwischt. Der Mann zerrte den Buben wutentbrannt zur nächsten Polizeistation und verletzte ihn. Gegen den Mann wird nun wegen Körperverletzung und Freiheitsentziehung ermittelt.

Das deutsche Urlauberkind hatte die Schneebälle von einer Passage im Bereich eines Hotels in Richtung fahrender Autos geschleudert. "Eine Sachbeschädigung gab es dabei offenbar nicht", sagt Verena Rainer von der Landespolizeidirektion Salzburg. Den 54-Jährigen aus Pfaffstätt dürfte die Aktion des Buben aber derart geärgert haben, dass er ihn nach Sheriff-Manier am Arm packte und - gegen seinen Willen und ohne die Eltern zu verständigen - zur Polizei schleppte, um Anzeige zu erstatten. "Der Bub ist am Unterarm leicht verletzt worden, gegen den Mann wird nun wegen Freiheitsentzugs und Körperverletzung ermittelt", so Rainer.

Wildfremder nahm Sohn mit
In der Polizeistation tauchte kurz darauf auch der Vater des Elfjährigen auf, der von einem anderen Kind erfahren hatte, dass "ein wildfremder Mann den Sohn mitgenommen" habe. Ein weiterer Zeuge hatte beobachtet, dass der Schüler zur Polizeidienststelle gebracht worden sei. Der Innviertler rechtfertigte seine Handgreiflichkeit damit, dass der Bub nicht nur mit Schneebällen, sondern auch mit Eisbrocken geworfen haben soll, was vom Kind jedoch bestritten wird.

Mit Augenmaß
Philip Christl von der Staatsanwaltschaft Linz rät in solchen Fällen, möglichst mit Augenmaß vorzugehen. "Ein derart drastisches Einschreiten ist nur empfehlenswert, wenn Menschenleben gefährdet sind." Die Strafdrohung für überschießende Eigeninitiativen ist massiv - bis zu drei Jahre Haft bei Freiheitsentziehung und bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder 720 Tagessätze bei Körperverletzung. "Im konkreten Fall könnte auch der Straftatbestand der Nötigung  zur Anwendung kommen", so Christl. Anzuraten sei, Kinder verbal abzumahnen oder ihre Eltern oder die Polizei zu verständigen.

Jürgen Pachner
Jürgen Pachner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.